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Zum Aufladen ihres Autos nutzen Heike und Bernhard Klimach die Stromtankstelle am Bilmer Berg. Foto: t&w

Wildwuchs verhindern

Lüneburg. Ja zum Aufbau neuer E-Ladestationen in Lüneburg, Nein zu Wildwuchs und Windhund-Prinzip. Diese Haltung machte die Verwaltung jüngst im Verkehrsausschuss deutlich. Anlass war der Antrag eines Lüneburgers, der in der Innenstadt eine für jedermann nutzbare Ladesäule für Elektroautos errichten möchte (LZ berichtete). Der Verwaltung schmeckt das nicht, sie verweist auf bestehende Parkplatznot und das noch fehlende Elektromobilitätskonzept des Landkreises. Mehrheitlich folgte der Ausschuss der Auffassung der Verwaltung und lehnte den Antrag ab.

„Es ist nicht sinnvoll, Ladestationen nach dem Windhund-Prinzip zu errichten“, sagte Verkehrsdezernent Markus Moßmann. Zwar begrüße die Stadt den Aufbau eines Netzes von E-Ladestationen, dabei sollte aber strategisch vorgegangen werden. Konkrete Handlungsanweisungen dazu erhofft sich die Stadt von dem Elektromobilitätskonzept für Stadt und Kreis, das derzeit aber noch beim Landkreis in Bearbeitung sei. Unter anderem soll es Auskunft darüber geben, wo Ladesäulen aufgestellt werden, wie diese beschaffen sein sollen und wie die Vergabe für die Betreiber der öffentlichen Ladestationen aussehen soll.

Landkreis soll die Richtung vorgeben

„Diesem Konzept wollen wir nicht vorgreifen“, sagte Moßmann auch mit Blick darauf, dass auf dem Parkplatz Marienplatz, also unweit der Stelle, für die jetzt die Sondernutzungserlaubnis beantragt wurde, zwei Stellplätze mit Lademöglichkeit für Elektroautos ausgewiesen sind. Weil hier die Auslastung aber nur bei etwa 20 Prozent liege, ergebe es aus Sicht der Stadt keinen Sinn, noch eine weitere Säule zu genehmigen. Zumal damit auch ein öffentlicher Parkplatz wegfiele, der in diesem Bereich dringend benötigt werde.

„Es kann nicht sein, dass mit einer Sondernutzungserlaubnis eine Privatperson ein Ladegerät für 900 Euro an die Wand schraubt und der Parkplatz dann für 12 bis 15 Stunden dem allgemeinen Zugriff entzogen wird“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Wenn überhaupt eine weitere Säule in diesem Bereich aufgestellt werden soll, dann eine Schnell-Ladesäule am Lambertiplatz.

„Die Fokussierung auf Schnell-Ladesäulen halte ich für einen Fehler“, erwiderte Michèl Pauly (Linke), der für Normal-Ladestationen plädierte. „Die Realität sieht aber anders aus“, konterte Mädge. Es gehe nicht um Freizeitverkehr, sondern darum, Fahrern, die beruflich mit einem E-Auto unterwegs sind, kurze Ladezeiten anbieten zu können. „Sechs Stunden oder länger wird keiner warten wollen.

Das Ziel sind möglichst kurze Ladezeiten

Claudia Schmidt (Grüne) wollte wissen, wie sich die Stadt die Vergabe vorstelle und ob auch Lünestrom zum Zuge kommen könne. Das sei möglich, erklärte Mädge, auch sei noch offen, wer den Innenstadtbereich bedienen soll. Klar sei aber, dass in den Randgebieten die Stadt selbst Betreiber sein werde.

„Die Entscheidungsgrundlage ist mehr als dünn, wie sollen wir denn jetzt vorgehen?“, fragte Frank Soldan (FDP) angesichts des noch fehlenden Konzepts und der unklaren Strategie der Stadt. Laut Moßmann werde die Stadt „bis dahin jeden einzelnen Antrag der Politik zur Entscheidung vorlegen“.

Von Ulf Stüwe

One comment

  1. Es ist kein Wunder, dass die Ladesäule am Marienplatz nur gering genutzt wird. Mit großem Pomp vom Bürgermeister eingeweiht, war die Ladesäule circa ein Jahr lang kostenfrei und ohne besondere Kundenkarte nutzbar. Seit einiger Zeit benötige ich doch jedoch eine spezielle Karte, um die Säule nutzen zu können (oder muss per App einen horrenden Preis für die Ladung bezahlen). Da ich nicht für jede Ladesäule eine extra Ladekarte haben kann, benutze ich diese Ladesäule nicht mehr Warum schließt man sich nicht einem der großen bestehenden Roaming-Systeme für Ladesäulen an und bitte den Strom zu einem fairen Preis an?