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Der schwer verletzte Waldarbeiter im Garlstorfer Wald konnte noch selbst einen Notruf absetzen. Foto: t&w

Nicht schnell genug am Unfallort

Marschacht. Lange mussten die Bewohner der Samtgemeinde Elbmarsch warten, ehe sie eine Rettungswache in ihrem Bereich bekamen. Noch 2007 wurden 5000 Unterschriften dafür gesammelt – zunächst ohne Erfolg. Vor viereinhalb Jahren, im Sommer 2013, war es dann endlich soweit. Ein Rettungsstützpunkt als Außenstelle der Wache in Winsen wurde in Drage eingeweiht. Geht es nach dem Willen der Gruppe Freie Wähler/Unabhängige/FDP im Harburger Kreistag, soll die Wache jetzt schon wieder verlegt werden – nach Marschacht. Einen entsprechenden Antrag hat die Gruppe für die nächste Sitzung des Ausschusses für Ordnung und Feuerschutz des Landkreises gestellt, die am Dienstag, 20. Februar, 16 Uhr, im Kreishaus stattfindet.

Zur Geschichte: Vor 2006 wurden Rettungsfahrzeuge aus Winsen, Geesthacht oder dem Landkreis Lüneburg gerufen, wenn Einwohner in der Elbmarsch in Not waren. Am 1. Januar 2006 trat eine Vereinbarung in Kraft, nach der der Kreis Herzogtum Lauenburg von Geesthacht aus die Notfallversorgung für den Osten der Samtgemeinde Elbmarsch übernimmt, weil Tespe, Avendorf und Bütlingen von Winsen aus nicht in den vorgeschriebenen höchstens 15 Minuten erreicht werden konnten. Der Westen der Samtgemeinde wurde weiter von Winsen aus versorgt.

Für eine eigene Wache ist die Zahl der Notfallrettungseinsätze zu gering

Der damalige Harburger Landrat Joachim Bordt eröffnete die Außenstelle Drage der Rettungswache Winsen, gelegen an der Winsener Straße, dann im Sommer 2013. Von den zuvor in Winsen stationierten drei Fahrzeugen wurde eines nach Drage verlegt. Denn, sagte Landrat Bordt damals, „für eine eigene Wache war und ist die Zahl der Notfallrettungseinsätze in der Elbmarsch einfach zu gering.“ Aber auch damit waren die Verantwortlichen der Samtgemeinde Elbmarsch zufrieden. „Wir freuen uns sehr über diese Einrichtung“, sagte Bürgermeister Rolf Roth.

In Drage stehen seitdem ein Container als Arbeits-, Aufenthalts- und Ruheraum für die Rettungsassistenten sowie eine Garage. Als Kostenträger übernehmen die Krankenkassen 110.000 Euro pro Jahr für den Standort. Der Standort wird seit 2016 vom „Rettungsdienst Landkreis Harburg“ betrieben.

Mittlerweile, so Ulf Riek, Ratsherr im Tesper Gemeinderat und im Samtgemeinderat Elbmarsch und für die Freien Wähler im Harburger Kreistag, habe sich aber herausgestellt, dass die Wache „am westlichsten Zipfel“ der Samtgemeinde ungünstig gelegen sei, wenn es etwa zu Einsätzen nach Tespe oder Bütlingen geht, mindestens 15 Kilometer von Drage entfernt.

Im Antrag der Gruppe Freie Wähler/Unabhängige/FDP heißt es nun, „dass der Standort für die Einsatzfahrten in der Elbmarsch falsch gewählt wurde“. Hintergrund: Nach dem „Niedersächsischen Rettungsdienstgesetz“ müssen erste Rettungskräfte in 95 Prozent der Fälle innerhalb von 15 Minuten am Einsatzort sein. Das sei bei Einsatzfahrten in den Osten der Samtgemeinde nicht immer möglich, erklärt die Gruppe. 15 Minuten seien nur zu schaffen, „wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit um 30 Prozent überschritten wird“.

Bei geringem Verkehrsaufkommen, vorzugsweise nachts, sagt Ulf Riek, sei eine Fahrzeit von 15 Minuten zu erreichen. Aber, so heißt es im Antrag der Gruppe: „In Zeiten des Berufsverkehrs ist die Landesstraße 217 so überlastet, dass auch ein Einsatzfahrzeug nicht mehr zügig vorankommt.“ Dies noch weniger, als die Samtgemeinde plant, auf Abschnitten der Straße Tempo 30 einzuführen. Die Gruppe fordert deshalb, den Rettungsstützpunkt in das Zentrum der Samtgemeinde, „auf das Gebiet der Gemeinde Marschacht“, zu verlegen.

Plan muss angepasst werden

In ihrem Antrag fordert die Gruppe Freie Wähler/Unabhängige/FDP auch, den seit Anfang 2016 gültigen Rettungsbedarfsplan für den ganzen Landkreis Harburg fortzuschreiben. „Die Zahl der Einsätze ist stark angestiegen“, erklärt Ulf Riek. Zugleich hat die Gruppe ein Fragenpaket an den Landkreis gerichtet, will etwa wissen, „in welchen Gemeinden bzw. Ortschaften die Mindesteintreffzeiten nicht eingehalten werden“.

Die Fortschreibung des Rettungsbedarfsplans für den Landkreis Harburg sei ohnehin vorgesehen, erklärte auf Nachfrage Kreissprecher Bernhard Frosdorfer. „Die Einsatzzahlen sind in den letzten Jahren enorm gestiegen“, bestätigt er. Im Sinne der Sicherheit der Bürger im Landkreis müsse der Plan angepasst werden und hat eine Zahl parat: Eine „Erhöhung der Rettungsmittel um 17 Prozent“ werde die Verwaltung dem Ausschuss für Ordnung und Feuerschutz vorschlagen. „Das muss dann in den politischen Gremien diskutiert werden“, sagte Frosdorfer.

Von Ingo Petersen