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Einer der schönsten Plätze an der Ilmenau könnte schon bald als Anlegeplatz für Kanu-Wanderer genutzt werden. Die Gemeinde Deutsch Evern ist von solchen Plänen wenig begeistert. (Foto: phs)

Anleger im Revier des Eisvogels?

Deutsch Evern. Sanft schlängelt sich die Ilmenau durch die Niederung – vorbei an Wäldern, Wiesen und Feldern. Ein Natur-Idyll, das in der Sommerzeit auch immer mehr Freizeit-Paddler für sich entdecken. Doch diese Entwicklung beobachten nicht nur Naturschützer mit Sorge. Der Fluss ist schließlich auch das Revier des selten gewordenen Eisvogels, des Fischotters oder der vom Aussterben bedrohten Sandbiene. Doch jetzt kommt aus Uelzen der Vorstoß , im Rahmen eines Leader-Projektes neue Stege- und Einstiegsstellen für Wassersportler an der Ilmenau zwischen Grünhagen (Kreis Uelzen) und Deutsch Evern einzurichten. Dafür sollen auch möglichst EU-Mittel eingeworben werden.

Als mögliche Anlegerstelle ist die Wiese im Ilmenau-Knick am „Blocksberg“ in der Gemeinde Deutsch Evern im Gespräch – mitten im Naturschutzgebiet und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Eisvogel.

Strecke sehr lang für ungeübte Paddler

Die Begründung der Befürworter: Die Strecke zwischen Grünhagen und der Roten Schleuse sei für ungeübte Paddler doch ziemlich lang. Und damit die Freizeit-Wassersportler nicht unkontrolliert an jeder Flussbiegung der Ilmenau in die Böschung fahren und so Fauna und Flora zerstören, sei es sinnvoll, eine ausgewiesene Anlegestelle einzurichten. Doch Politik und Verwaltung in Deutsch Evern reagieren verhalten auf entsprechende Vorschläge.

Wenig begeistert ist auch BUND-Kreisvorsitzender Thomas Mitschke: „Der Druck auf die Natur wird immer größer“, zieht der Umweltschützer eine düstere Bilanz – „die ökologische Wertigkeit der Gebiete geht dadurch Stück für Stück verloren.“ Mitschke sieht aber auch, dass Lüneburg Zuzugsgebiet ist. „Die Menschen wollen die Natur erleben“, weiß der BUND-Vorsitzende. Er kann deshalb die Haltung von Kreis und Gemeinde Deutsch Evern nur unterstützen: „Wir brauchen ein Gesamtkonzept.“ Für Mitschke könnte das sogar so weit gehen, dass der Bootsverkehr an Feiertagen wie Himmelfahrt oder Pfingsten auf der Ilmenau komplett verboten wird: „Der Natur zuliebe.“

„Natürlich könnten wir den Wassersport auf der Ilmenau auch komplett verbieten, aber das ist nicht unsere Intention.“
Katrin Holzmann, Sprecherin Kreis Lüneburg

„Da muss ein Gesamtkonzept auf den Tisch“, fordert auch Deutsch Everns Gemeindedirektorin Stephanie Buntrock – „solange es das nicht gibt, solange wird auch nichts auf unserem Gemeindegebiet passieren.“ So sei zum Beispiel auch überhaupt noch nicht klar, wer später für die Folgekosten aufkommen müsste – etwa für Reparaturen und Reinigung am Kanuanleger. Denn schon jetzt wird das Areal vor allem von Jugendlichen in den Sommermonaten gern als „illegaler“ Bade- und Grillplatz genutzt. Und nicht selten sieht es dann nach einer Feier wie auf einer Müllkippe aus – leere Flaschen, Zigarettenkippen, Essensreste, ausgebrannte Grillstellen. Vor Jahren wurde der angrenzende Steilhang bereits eingezäunt – zum Schutz des Eisvogels, der in der Lehmwand in Bruthöhlen seinen Nachwuchs aufzieht. In die hatten Unbekannte seinerzeit Flaschen gestopft (LZ berichtete).

Anleger frühestens 2019?

Den Spagat zwischen „Natur erleben“ und „Natur schützen“ sieht man auch im Lüneburger Kreishaus. „Natürlich könnten wir den Wassersport auf der Ilmenau auch komplett verbieten“, sagt Kreissprecherin Katrin Holzmann, „aber das ist nicht unsere Intention.“ Vielmehr verfolge man als Ziel einen umweltverträglichen Wassersport auf der Ilmenau. „Wir wollen auch weiterhin das Kanuwandern auf der Ilmenau ermöglichen“, sagt Holzmann, „die Menschen sollen die Natur erleben können und begreifen, wie einzigartig und kostbar sie ist.“ Das funktioniere aber nur, wenn man Kanufahren nicht verbiete, sondern in geordneten Bahnen zulasse.

Auch der Landkreis Lüneburg plädiert deshalb für ein Gesamtkonzept beim Bau von möglichen Anlegestellen. Das gebe es aber noch nicht – „und damit ist auch noch nicht festgelegt, ob, und wenn ja, wo Anlegestellen für Kanuwanderer zwischen Grünhagen und Deutsch Evern eingerichtet werden.“ Stephanie Buntrock geht noch einen Schritt weiter: „Ich glaube nicht, dass dieses Jahr noch etwas in diese Richtung passieren wird.“

Dafür droht der Tier- und Pflanzenwelt wieder verstärkt Ungemach an Himmelfahrt und Pfingsten – jedenfalls dann, wenn das Wetter zum Verweilen im Freien einlädt: Denn dann werden wieder auch etliche Umweltfrevler wie schon in der Vergangenheit die Natur auf ihre Art „genießen“ – ohne Rücksicht auf Verluste. Der Landkreis weiß das – und hat daher „Ranger“ eingestellt, die nicht nur an diesen beiden Feiertagen besonders wachsam sein werden.

Von Klaus Reschke

One comment

  1. „(…) im Rahmen eines Leader-Projektes neue Stege- und Einstiegsstellen für Wassersportler (…) sollen auch möglichst EU-Mittel eingeworben werden.“ -… gute Nacht, Ilmenau, gute Nacht, Eisvogel … Besser wäre jetzt ein nachhaltiges Gesamtkonzept: Vollsperrrung der Ilmenau, attraktive Umschulungssangebote für Kanuvermieter und VR-Brillen für „flussbegeisterte“ Umweltfrevler.-