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Diese beiden Röhrchen befestigt der ehemalige Bürgermeister Andreas Meihsies heute an einem Laternenpfahl an der Scholze-Kreuzung. Sie messen die Dieselabgase. (Foto: t&w)

Abgas-Check an Scholze-Kreuzung

Lüneburg. In drei Metern Höhe wird Andreas Meihsies heute zwei fingergroße Röhrchen anbringen, er befestigt sie mit Kabelbindern an einem Laternenpfahl an der Scholze-Kreuzung. „In Spitzenzeiten sind hier bis 40 000 Autos unterwegs“, sagt der ehemalige Bürgermeister, der sich 30 Jahre lang aktiv bei den Grünen eingesetzt hat. Diese sogenannten Passivsammler wurden ihm von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zugeschickt, Lüneburg gehört zu den 500 Orten, die für eine Messung der Dieselabgase ausgewählt wurden. Meihsies hatte die Kreuzung Schießgrabenstraße/Lünertorstraße vorgeschlagen. Bis 1. März messen die beiden Röhrchen jetzt die Luftqualität.

Viel muss der 58-Jährige dafür nicht tun, lediglich zur Aktivierung die roten Kappen durch grüne ersetzen. „Diese sind luftdurchlässig, ziehen also die Partikel ein.“ Nach einem Monat muss Meihsies die beiden Behälter wieder abnehmen und zurückschicken, in einem Labor der DUH werden die Messungen dann ausgewertet.

Lüneburg hatte Glück, der Rücklauf der Aktion „Decke auf, wo Atmen krank macht“ war groß: Über 1600 Zuschriften haben die Umwelthilfe erreicht, weniger als ein Drittel der Orte sind nun dabei. Es geht darum, das amtliche Messnetz für das Dieselabgasgift NO2, das bisher 247 verkehrsnahe Messpunkte in Deutschland umfasst, auszubauen. Bewohner konnten ihre Heimat vorschlagen, in einem Formular angeben, warum speziell dort gemessen werden sollte, wie es um die Verkehrssituation und die Bebauung vor Ort steht.

Eine von vielen belasteten Kreuzungen am Stadtring

Der Hintergrund: In 90 deutschen Städten wurde 2016 laut Umweltbundesamt die Jahresmittelgrenze von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten. Eine Untersuchung in Niedersachsen hat gezeigt, dass nicht nur die sieben Städte mit Messstationen, sondern insgesamt 40 Städte und Kommunen Probleme mit dem Lungengift Stickstoffdioxid haben.
Andreas Meihsies hat sich bewusst für diesen Knotenpunkt entschieden. „Er steht für all die anderen hochbelasteten Kreuzungen am Stadtring.“ Die Luftbelastung ist eines seiner Herzblutthemen, es erfährt zurzeit vor allem aufgrund des Abgasskandals eine neue Dramatik. Für Meihsies war es bereits Jahrzehnte vor der Dieselproblematik relevant: „Eigentlich seit dem Tag, an dem Lüneburg den Titel ‚Kurheilbad‘ verloren hat, weil die Feinstaubbelastung im Kurpark so immens hoch war.“ Seitdem gibt es auch die Forderung, eine Messstation in der Innenstadt einzurichten. Bislang gibt es eine solche nur weit draußen im Lüneburger Hafen. „Dafür hat bislang der politische Wille gefehlt.“

Ein besseres Busangebot als Maßnahme?

Die Ergebnisse für die jeweiligen Städte sollen Mitte März vorliegen. „Die Hoffnung ist, dass sich daraus Forderungen zum Gesundheitsschutz ableiten lassen“, sagt Meihsies, der in seiner Heimat auf gute Umstiegsangebote hofft. Das Radwegekonzept, das derzeit überarbeitet werde, sei erfreulich, ebenso der Nahverkehrsplan. „Das Busangebot in die Stadt sollte bis spät in die Abendstunden ausgeweitet werden, damit auch mal ein Theaterbesuch möglich ist.“ Der Trend zum Zweit- oder Drittauto sei nach wie vor ungebrochen, gute Alternativen seien seit Jahren überfällig.

▶ Mehr Informationen zu dem Projekt der DUH unter www.duh.de/abgasalarm. Bald soll dort auch eine interaktive Karte, die die einzelne Orte auflistet, zu finden sein.

Studie der Umweltagentur

Jedes Jahr sterben 400 000 Menschen in der EU vorzeitig an den Folgen der Luftverschmutzung, viele leiden unter Atemwegs- und Herz-Kreislauferkrankungen. Aus einer Studie der Europäischen Umweltagentur geht hervor, dass in Deutschland jährlich 66 000 vorzeitige Todesfälle allein durch zu hohe Feinstaubbelastung verzeichnet werden. Dazu sagt die Wendländerin Rebecca Harms, umweltpolitische Sprecherin der Grünen im EU-Parlament: „Die Mitgliedsstaaten müssen endlich beweisen, dass sie Maßnahmen ergreifen, um die Luft – und damit auch die Lebensqualität in den Städten entscheidend zu verbessern.“

Von Anna Paarmann

5 Kommentare

  1. Gabriele Werner

    Daß Meihsies so tut, als würde er was gegen Luftverschmutzung unternehmen, um dabei (siehe Bild oben) in Wirklichkeit nur gezielt Schleichwerbung (Product Placement) für Jack Wolfskin Wetterjacken zu machen, finde ich schon ziemlich hart. Wird solche Art von viraler Reklame wirklich so wahnsinnig gut bezahlt, dass es sich für einen von der eigenen Parteibasis geschassten Politiker lohnt, sein ihm verbliebenes Restansehen dafür aufs Spiel zu setzen?

  2. Herr Meihsies sollte endlich mit öffentlichen Verkehrsmittel zu seiner Arbeitsstelle fahren und weniger an Verkehrsbrennpunkten plakativ vom Untergang philosophieren.
    Wie sehen die Messergebnisse in den Lüneburger Büros aus? Warum wird da nichts unternommen? Die Feinstaubbelastung ist in Büroräumen weit aus höher und an Krewuzungen sollte man sich nicht 8 Stunden am Tag aufhalten.

    • Wenn ich ein bestimmtes Untersuchungsergebnis haben will suche ich mir die besten Voraussetzungen dafür. In diesem Fall die extrem stark befahrene Kreuzung. Eine Messung in Oedeme, Auf der Höhe oder auf dem Kreideberg und anderen Stadtteilen bietet dagegen wenig Aussicht auf den gewünschten „Erfolg.“
      Aber warum empfehlen sie Herrn Meihsies den ÖPNV? Kennen sie auch sein schon in die Jahre gekommenes Auto? Ich erinnere mich an eine ehemalige sehr engagierte Grünen-Politikerin die einen fast schon antiquierten schwedischen Diesel fuhr. Damals war „Diesel“ bei den Grünen schick und Umweltfreundlich.
      Ein Bericht über die Autos von Lüneburger „Politikern“ wäre sicher interessant. Der Fuhrpark des Bundestages, bzw. die Dienstwagen der Minister (-innen) wurde auch schon kritisch unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse waren alles andere als Umweltfreundlich. Es gibt eben manchmal einen Unterschied zwischen dem was man redet und dem was man selber macht.

  3. Ein Außenstehender

    Die jetzige Entwicklung des ehemaligen Bürgermeisters Andreas Meihsies, der von den Grünen aus Politik und Partei zurückgezogen wurde, wundert mich nicht. Herr Meihsies hat es mit der Wahrheit nie so genau genommen. Nach dem Abgang des langjährigen Mädge-Gegners folgt jetzt die Eigenreklame in Kombi mit Marken-Influencer-Bemühungen. Damit ist die persönlichkeitsinterne Meihsies-Koalition aus Groll, Karriereabsichten und Ego-Provokationen, d. h. Meihsies als in B90/Grünen Konzepten marodierender Mädge-Behinderungstroupier ohne eigene Ideen und Inhalte gescheitert.