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Die Flüchtlingsunterkunft am Ochtmisser Kirchsteig ist nicht mehr voll belegt. Die Stadt erwägt deshalb, einige Container für eine Kita zu nutzen. Denn die Nachfrage nach Kita- und Krippenplätzen ist weiter groß. Foto: be

Neue Kita in Containern

Lüneburg. Plätze in Kindertagesstätten sind in Lüneburg stark nachgefragt, und der Bedarf wird weiter steigen. Die Verwaltung hat ausgerechnet, dass bis 2020/21 zusätzlich 727 Plätze in Krippen und Kitas notwendig sind. Zügig umgesetzt werden könnte eine neue Kita auf dem Gelände der Flüchtlingsunterkunft am Ochtmisser Kirchsteig. Dafür müssen der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Den Grünen im Bauausschuss geht das zu schnell, sie traten auf die Bremse. Doch die Mehrheit der Ausschussmitglieder gab grünes Licht.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge erläuterte, an welchen Standorten in der Stadt Kindertagesstätten ausgebaut werden oder neu entstehen sollen. Groß sei der Bedarf auch in den Stadtteilen Kreideberg und Ochtmissen. Als stadtteilübergreifendes Angebot könnte deshalb aus Sicht der Verwaltung auf einem Teil des Geländes der Gemeinschaftsunterkunft am Ochtmisser Kirchsteig eine Einrichtung für drei Kita- sowie zwei Krippengruppen entstehen. Möglich wäre das, weil inzwischen weniger Geflüchtete nach Lüneburg kommen. Dadurch konnten sieben von ehemals 14 Gemeinschaftsunterkünften abgebaut werden. Auch die Unterkunft am Ochtmisser Kirchsteig ist nur noch zum Teil belegt.

Detaillierte Planungen demnächst im Jugendhilfeausschuss

Laut Stadtbaurätin Heike Gundermann soll die Lüneburger Wohnungsbaugesellschaft (Lüwobau) die Nutzung einiger Container der Kita planen. Einige Module sollen auch entfernt werden, damit ein adäquates Außengelände für die Einrichtung entstehen kann. Detaillierte Planungen sollen im nächsten Jugendhilfeausschuss vorgestellt werden.

Ulrich Löb (Grüne) bestreitet nicht, dass Lüneburg weitere Krippenplätze brauche. „Aber heute sollen wir den zweiten vor dem ersten Schritt machen.“ Der Fachausschuss für Jugendhilfe habe dazu noch nicht beraten, aber jetzt solle der Bauausschuss schon über den Bebauungsplan entscheiden. Aus seiner Sicht ist der Standort für eine Kita „weniger gut geeignet“, weil er Eltern dazu verleite, ihre Kinder mit dem Auto abzuholen. Außerdem habe es ehedem geheißen, der Standort zur Unterbringung von Flüchtlingen würde nur auf bestimmte Zeit vorgehalten. Danach solle es auch wieder zur Aufforstung kommen, wie auch Bürger in Einwohnerfragen zum Ausschuss erinnerten. Mädge hatte im Juli 2014 bei einer Ortsratssitzung in Ochtmissen tatsächlich von einer Übergangslösung gesprochen, danach sei keine weitere Bebauung geplant.

Großer Bedarf an Kita-Plätzen

Inzwischen gebe es aber eine andere Situation, nämlich einen großen Bedarf an Kita-Plätzen, machte Mädge deutlich. Und es sei auch ein gutes Projekt für die Integration. „Immer, wenn es vorangeht, gehen Sie zurück“, sagte er in Richtung Löb. Man habe im Rahmen der Kitabedarfsplanung Zahlen ermittelt, und für ihn sei der Standort sehr gut geeignet.

Zustimmung für die Planungen gab es von Christel John (CDU) und Birte Schellmann (FDP). Stefan Minks (SPD) zeigte sich irritiert über Löbs Einwände. „Was sollte sich durch die Diskussion im Jugendhilfeausschuss ändern?“ Die Pläne stünden für eine sinnvolle künftige Nutzung des Geländes und der Container. Da die Kita schon am 1. Oktober an den Start gehen soll, sei die Aufstellung des Bebaungsplanes nicht zu schieben. Heiko Meyer (SPD-Fraktion) sprach gar von einem Super-Standort, der sowohl per Rad, als auch mit dem Auto gut erreichbar sei. Rainer Petroll (Linke) gab zu bedenken, dass der Ochtmisser Kirchsteig auch als Rennpiste genutzt werde. Deshalb müsse über Tempo reduzierende Maßnahmen im Bereich der geplanten Kita nachgedacht werden.

Weitere Einrichtung geplant: Kita am Johanneum
Die Stadtverwaltung hat laut Oberbürgermeister Ulrich Mädge einen weiteren Standort für einen Kita-Neubau im Blick. Im Zuge der Erweiterung des Johanneums soll voraussichtlich in dem Bereich des Gymnasiums eine weitere Einrichtung für vier bis sechs Gruppen entstehen. Die Eröffnung ist zum 1. August 2020 geplant. In diesem Sommer soll dem Bauausschuss der Bebauungsplan für die Schulerweiterung sowie die Kita vorgestellt werden.

von Antje Schäfer

2 Kommentare

  1. Das Lösungen für die erhöhte Nachfrage von Kita- und Krippenplätzen gefunden werden müssen steht außer Frage. Was liegt da näher als die kleinsten bei der Entwicklung Ihrer sozialen Kompetenzen in Container zu stecken. Auch die nicht vorhandenen Erzieher werden sich nicht um einen Arbeitsplatz in einem Containerkindergarten reißen. Vielleicht sollten auch Fachbereiche der Stadt in die Container ziehen. Dann ständen einige schöne Schulen und Kindergärten zur Verfügung. Lösungen wie diese sind aus meiner Sicht kurzfristig und nicht im Sinne der betroffenen gedacht.

    Bei der Suche nach geeigneten Standorten stellt sich bei mir auch die Frage, wie in Lüneburg immer Baulücke nach Baulücke mit Mehrparteienwohnungen in wenigen Monaten geschlossen wird, der Bau oder die Suche nach Plätzen für Schulen oder Betreuungseinrichtungen aber Jahre dauert.

    Beispiele gibt es zu Hauf. Mir fällt da das neue LüWoBau Gebäude ein. Was passiert eigentlich mit den alten Gemäuern?