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Der Flecken wollte auf der Wiese Am Dorn die Kinderkrippe errichten. Ohne zu wissen, dass dieses Areal als Biotop rechtlich streng geschützt ist. Jetzt geht die Suche nach einem geeigneten Standort von Neuem los. Foto: behns

Krippenplan für den Papierkorb

Dahlenburg. Es ist fast schon bittere Ironie: Während die Mitglieder des Bauausschusses im Flecken Dahlenburg in der letzten Dezemberwoche noch engagiert um de n richtigen Platz für den Bau einer Krippe stritten und letztlich die Wiese Am Dorn vis-á-vis dem Schulzentrum favorisierten, schuf der Landkreis Lüneburg zur selben Zeit Fakten. Mit dem neuen Landschaftsrahmenplan veröffentlichte die Behörde am 28. Dezember im Amtsblatt, was in Dahlenburg offenbar niemand gewusst hatte: Die Feuchtwiese ist ein „Biotop“ und damit streng geschützt.

Die Feuchtwiese ist streng geschützt

Für den Flecken bedeutet das: Die bisherigen Krippen-Planungen sind obsolet, die Dahlenburger müssen wieder bei Null beginnen. Besonders pikant: Ab dem Sommer kommt die Gebührenfreiheit für Kindertagesstätten. Dann wird der Druck der Eltern auf den Flecken nach einem Krippen- oder Kindergartenplatz noch größer.

Was die Kommunalpolitik in Dahlenburg aber besonders ärgert, bringt Bürgermeisterin Christine Haut (CDU) auf den Punkt: „Wir hatten keinerlei Informationen darüber erhalten, dass es Bestrebungen gibt, die Wiese als gesetzlich geschütztes Biotop auszuweisen. Deshalb bin ich, was die Informationskette betrifft, etwas irritiert.“ Und dies umso mehr, nachdem die Bürgermeisterin, die für die CDU auch im Kreistag sitzt, herausgefunden hat, dass der Naturschutzbund (Nabu) schon im Mai 2016 festgestellt hatte, dass die Wiese Am Dorn schutzwürdig sei. „Aber auch im Umweltausschuss des Kreises ist dies nie ein Thema gewesen“, kritisiert Haut, die aus dem Informationsdefizit Lehren ziehen will: „Wir werden darüber sprechen müssen, wie wir künftig mit solchen Vorkommnissen umgehen.“

Stefan Bartscht, Fachdienstleiter Umwelt beim Landkreis Lüneburg, ist sich indes keiner Schuld bewusst. „Wir haben dieses Biotop nicht geschaffen, das war schon vorher da und hätte das Bauvorhaben auch ohne unsere Kartierungen verhindert.“ Spätestens der Planer hätte bei seinen Kartierungen festgestellt, dass es sich bei der Wiese um ein Biotop handelt, meint Bartscht.

Auch die Naturschützer halten die Wiese als Bauplatz für vollkommen ungeeignet: „Dort ist aufgrund der Feuchtigkeit ein wertvolles Biotop mit Seggen-, Binsen- und hochstaudenreichen Flutrasen entstanden, dessen Zerstörung nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten ist“, mahnt Nabu-Kreisvorsitzender Thomas Mitschke. Die Fläche, so der Naturschützer weiter, dürfe auch in keiner Weise verkleinert werden, da dann die Funktionsfähigkeit des Biotops in Frage gestellt werde.

„Billiger wird der Kita-Bau dadurch nicht.“ Thomas Behr, Grünen-Politiker

Als ob es die CDU-Fraktion im Flecken Dahlenburg bereits während der Bauausschusssitzung im Dezember geahnt hätte: Deren Vertreter hatten „massive Bedenken an der Bebauungsfähigkeit“ des Grundstückes Am Dorn angemeldet. „Über den Standort muss gesprochen werden“, forderte Ulrich Schulz (CDU) damals. Schließlich bestehe der Baugrund aus moorigem Boden. Sorgen, die SPD und Grüne da noch nicht teilten: „Von der Logistik her ist die Lage des Grundstücks ideal, weil zentral gelegen,“ hatte Karl May (SPD) noch im Dezember für den Kauf der Wiese von der Samtgemeinde und einen schnellen Baustart geworben (LZ berichtete). Jetzt sind diese Forderungen Geschichte.

Das ärgert heute Thomas Behr (Grüne): „Das ist wirklich bitter“, bedauerte er. Dabei wäre das Problem seiner Ansicht nach vermeidbar gewesen: „Wenn die Bauverwaltung vorab beim Landkreis, der Unteren Naturschutzbehörde, nachgefragt hätte, ob sich unser geplantes Bauvorhaben an dieser Stelle überhaupt verwirklichen lässt, hätten wir den Schlamassel jetzt nicht!“ So aber stehe der Flecken jetzt ohne Bauplatz da. Und Behr schwant: „Billiger wird der Kita-Bau dadurch nicht“.

Verwaltung sucht alternative Fläche

Enttäuscht reagiert nun auch Karl May (SPD) – und zieht seine Lehren: Wenn jetzt ein neues Grundstück gefunden wird, drängt auch er vorab auf eine Bauvoranfrage und Bodengutachten. Und Richtung Kreis sagt er: „Die Förderung des ländlichen Raums findet doch nur auf dem Papier statt.“

Die Verwaltung ist bereits auf der Suche nach einer alternativen Fläche: „Wir haben auch schon eine ins Auge gefasst“, sagt Gemeindedirektor Christoph Maltzan. Welche, will er noch nicht verraten: „Weil wir noch in den Kaufverhandlungen stehen.“

von Klaus Reschke

One comment

  1. Wilfried Bergmann

    Da läuft ja die Kommunikation zwischen Landkreis und Gemeinde ganz hervorragend. Schlechter geht’s nicht? Wo liegt das Problem? Jaja, ich weiß Einzelfall usw..