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Bewohner können nur auf einen Parkplatz hoffen. Denn in den Straßen dürfen auch Besucher ihren Wagen abstellen.

Ausweis kein Garant für einen Parkplatz

Lüneburg. Wer in der Stadt lebt und ein Auto, aber keinen Stellplatz oder keine Garage besitzt, kennt das Problem der Parkplatzsuche. Wer in einer sogenannten Parkraumbewirtschaftungszone wohnt, kann sich immerhin einen Bewohnerparkausweis ausstellen lassen. Der berechtigt zum gebührenfreien Parken. Allerdings wird für das Ausstellen des Ausweises eine Gebühr fällig. Da gibt es – wie jetzt ein bundesweiter Vergleich unter großen Städten ergab – durchaus Preisunterschiede. Lüneburg liegt im oberen Bereich. Eine Garantie für einen Parkplatz ist der Ausweis aber nicht.

Die Online-Plattform Campanda hat die Kosten des Bewohnerparkens untersucht. Danach kassieren Städte wie Hannover, Bremen, Bielefeld oder Bonn rund 30 Euro für ein Jahr Gültigkeitsdauer. Münster hingegen verlangt 15 Euro. In Berlin ist die Ausstellung eines Ausweises nur für zwei Jahre möglich und kostet 20,40 Euro. Viel teurer ist es in Göttingen mit 61,40 Euro sowie Bielefeld mit 60 Euro. In Bremen schlagen 50 Euro zu Buche.

Am Bahnhof ist es billiger

In Lüneburg gibt es zwei Kategorien. Für den größten Teil sind Gebühren pro Jahr von 30,50 Euro zu berappen, für zwei Jahre also 61 Euro. In Straßen im Umfeld des Bahnhofs beläuft sich die Jahresgebühr auf 15,50 Euro (2 Jahre: 31 Euro). Als Grund dafür, dass es hier billiger ist, benennt die Stadt, dass der Parkdruck durch Auswärtige oder Bewohner aus anderen Stadtteilen größer ist. Dadurch haben Besitzer des Bewohnerparkausweises geringere Chancen auf einen Parkplatz.

Die Gebühren hat die Stadt auf Basis der „Allgemeinen Gebührenordnung für Maßnahmen im Straßenverkehr“ festgelegt, die einen Rahmen von 10,20 Euro bis 30,70 Euro pro Jahr vorsieht. Sollte ein Anwohner in einen anderen Bewohnerparkbereich umziehen, kann der Ausweis auf einen neuen Bereich umgeschrieben werden. Dafür werden dann 2,50 Euro fällig. Immerhin ist das im Vergleich zu den Städten, die Campanda ins Visier genommen hat, günstig. Andernorts werden für eine Änderung schon mal 10 bis 15 Euro genommen. (Quelle: https://www.campanda.de/magazin/bewohnerparken-im-deutschlandweiten-vergleich/)

Stadt nimmt 53.000 Euro ein

Aktuell gibt es in Lüneburg 1789 Bewohnerparkausweise. „Aber der Inhaber hat keinen Anspruch auf einen Parkplatz. Sind alle Plätze besetzt, muss das Auto anderswo abgestellt werden“, sagt Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck. Wie viele Anwohnerparkplätze es gibt, darüber lägen keine genauen Zahlen vor, da es sich um Bereiche handle. Die Gebühren für die Ausweise bescheren der Stadt Einnahmen von rund 53.000 Euro. Allerdings weist Suzanne Moenck darauf hin, dass Gebühren immer kostendeckend kalkuliert würden: „Ihnen stehen Ausgaben für Personal, Material und Technik in mindestens derselben Höhe gegenüber“.

Fahrer, die ihr Auto ohne entsprechenden Ausweis in einem Bewohnerparkbereich abstellen, müssen mit einem Knöllchen rechnen – je nach Beschilderung sind es 10 (Verkehrszeichen „Parken“ und dem Zusatz „Bewohner mit Parkausweis…“) oder 15 Euro („Eingeschränktes Halteverbot“ mit dem Zusatz ‚für Bewohner mit Parkausweis … frei‘).

Kein Limit für Familien

Genehmigung nur für eigenes Auto

Beantragt werden kann der Bewohnerparkausweis beim Bürgeramt. Voraussetzungen: Der Antragsteller muss in einem ausgewiesenen Bewohnerparkgebiet mit Haupt- oder Nebenwohnsitz gemeldet und der Halter des Autos sein. Außerdem darf er für sein Fahrzeug weder eine Garage noch einen Einstellplatz besitzen oder gemietet haben. Wenn mehrere Familienmitglieder ein eigenes Auto angemeldet haben, können sie auch jeweils einen Ausweis beantragen.

Von Antje Schäfer

One comment

  1. Zweifellos: der Parkdruck nimmt weiter zu, auch in Lüneburg. Hat das „Bewohnerparken“ irgendetwas daran geändert? Ich meine, nein. Aber offensichtlich lieben wir Deutschen ja Behördengänge, amtliche Reglementierung und penibel definierte Genehmigungsverfahren; können ohne Münzautomaten und Parkraumbewirtschaftungszonen nicht mehr leben. Für jeden Besuch aus Bottrop wird eine Ausnahmegenehmigung fällig. Da zahlen wir gerne! Mich erinnert das Ganze an den Brauch vieler deutscher Urlauber, morgens um 8 mit Handtüchern die Liegen am Swimmingpool zu reservieren. Bemerkenswerterweise scheint es da – über alle Parteigrenzen hinweg- großen Konsens zu geben: Bewohnerparken ist eine tolle Sache und eigentlich alternativlos. Zumindest enthält der serviceorientierte LZ-Artikel kaum Hinweise auf Gegenmodelle und Utopien der Stadtentwicklung. (Möglicherweise, weil es diese gar nicht gibt. (?)