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Ein Teil des Teams, das ein Jahr an der Jubiläumsschrift gearbeitet hat: Natalia Sophie Leipholz (l.) und Linda Macfalda. (Foto: t&w)
Ein Teil des Teams, das ein Jahr an der Jubiläumsschrift gearbeitet hat: Natalia Sophie Leipholz (l.) und Linda Macfalda. (Foto: t&w)

Wände, an denen keine Bilder halten

Lüneburg. „Die Logik, die in den kommunalen Gremien vertreten wird, ist ebenso pervers wie sie dennoch funktioniert: Das Zentralgebäude hat die Universität zu teuer gemacht, um bei drohenden Universitätsschließungen in Betracht zu kommen.“ Michèl Pauly, er hat jüngst den Fraktionsvorsitz der Linken im Stadtrat niedergelegt, äußert sich mit klaren Worten in der 260 Seiten umfassenden Publikation des Allgemeinen Studierendenausschusses, kurz AStA. „Eine Universität für das 21. Jahrhundert?“ ist der Titel der kritischen Festschrift, die das Ende der Vorlesungszeit des zehnten Leuphana-Semesters zum Anlass nimmt, um ein Resümee zu ziehen. Über 40 Personen haben daran mitgewirkt, insgesamt 22 Artikel verfasst.

Der Unterschied von Marke und Bild

Ein Jahr lang haben die Studenten Linda Macfalda, Natalia Sophie Leipholz und Kevin Kunze daran gearbeitet, sie konnten die Landtagsabgeordneten Miriam Staudte und Jörg Hillmer, ehemalige studentische Senatoren, Dozenten und AStA-Sprecher für das Projekt gewinnen, auch Prof. Dr. Christa Cremer-Renz, die frühere Fachhochschulpräsidentin, hat sich geäußert.

Zum Hintergrund sagt AStA-Sprecher Julius Finks: „Es geht um Wissensweitergabe. Wenn Masterstudenten die Universität verlassen, die hier vieles miterlebt haben, gehen die Erfahrungen verloren“, sagt er. „Als ich nach Lüneburg kam, hatte ich das Bild im Kopf, was die Marke Leuphana nach außen trägt.“ Erst nach einiger Zeit hätte er gemerkt, dass es durchaus auch kritische Positionen gäbe. Linda Macfalda sagt: „Uns ist es ein Anliegen, zu erklären, woher beispielsweise die Kritik für das Zentralgebäude kommt und was da eigentlich passiert ist.“

Die Leuphana hat ohne Frage eine bewegte Vergangenheit: Erwähnenswert ist nicht nur die Umwandlung in eine Stiftungsuniversität im Jahr 2003 oder die Fusion mit der Fachhochschule Nordostniedersachsen 2005, da ist auch die Grundsteinlegung des Libeskind-Baus (Mai 2011), die umstrittene Wiederwahl von Präsident Sascha Spoun und Vizepräsident Holm Keller im Jahr danach.

„Intransparente Verfahren“

Hinzu kommen die Rücktrittsforderung des AStAs und des Studierendenparlaments, als 2014 ein Prüfbericht der Oberfinanzdirektion zum Zentralgebäude öffentlich wird, und letztlich die Einweihung eben dieses Bauwerks. Die Endabrechnung steht bis heute aus.

Keller soll 2006 gegenüber dem AStA gesagt haben, dass das Audimax ein „Komplettgerücht“ sei. In dem Kapitel dazu heißt es: „Im März 2017 wurde es nach fünf Jahren Bauzeit feierlich eröffnet“. Kevin Kunze und Thorben Peters haben die Ursprungspläne aufgearbeitet, demnach sollten neben dem Zentralgebäude mit Veranstaltungszentrum Hotel, Parkhaus, Ausstellungsgebäude und ein Studentenwohnheim entstehen. Sie schreiben über Kosten, „intransparente Verfahren“ und Politiker, die „ihre Verantwortung nicht ernst genommen haben“. Kritik gilt auch der Architektur. Es ist von „Desorientierung“ und „mangelhafter Beschilderung“ die Rede, von Fenstern, die weniger Licht hinein lassen als vermutet, Wänden aus kahlem Beton, „die so schräg sind, dass sich weder Bilder aufhängen noch Schränke sinnvoll aufstellen lassen“.

Die Publikation, ISBN 978-3-00-058908-9, ist gegen eine Schutzgebühr von 4,50 Euro im AStA-Büro und bei „Unibuch“ auf dem Campus erhältlich

Von Anna Paarmann