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Henrik Hilmer steht am Schöpfwerk in Echem und kontrolliert über sein Handy die Pegelstände. Die Pumpen dort sind 2017 mehr als dreimal so viel gelaufen wie in normalen Jahren, das Wasser staut sich trotzdem auf den Äckern. (Foto: t&w)
Henrik Hilmer steht am Schöpfwerk in Echem und kontrolliert über sein Handy die Pegelstände. Die Pumpen dort sind 2017 mehr als dreimal so viel gelaufen wie in normalen Jahren, das Wasser staut sich trotzdem auf den Äckern. (Foto: t&w)

„Das Wasser lässt sich nicht einfach wegpumpen“

Echem. Als Hendrik Hilmer Anfang Juli seinen Job in der Geschäftsführung antrat, hat die Regenperiode gerade eingesetzt. Noch ist es nicht mehr als schlechtes Wetter, ein nasses Frühjahr, das dem künftigen Chef des Wasserverbandes der Ilmenau-Niederung keine besonderen Sorgen bereitet. Doch mit jeder weiteren Woche Dauerregen, mit jedem weiteren Niederschlagsrekord wächst der Druck auch auf den Verband. Der Vorwurf einiger Landwirte: Der Verband tut nicht genug, um das Wasser aus der Elbmarsch zu pumpen. Geschäftsführer Hilmer hält dagegen: „Man erwartet von uns eine Patentlösung. Doch die gibt es nicht, schon gar nicht in einem solchen Extremjahr. Das Wasser lässt sich nicht einfach wegpumpen.“

Richtig ist: Zu den Aufgaben des Ilmenauverbandes zählt auch die Be- und Entwässerung im Verbandsgebiet. Die Mittel, die ihm dafür zur Verfügung stehen, sind Gräben, Flüsse, Kanäle, Pump- und Schöpfwerke. Ein ausgeklügeltes System, „das in einem Jahr wie diesem allerdings an seine Grenzen gerät“, sagt Hilmer. „Auch wenn wir in diesem Jahr Tag und Nacht die Pumpen laufen lassen, steht das Wasser trotzdem auf den Äckern.“

Wenig Gefälle auf den Äckern

Grundsätzlich erfolgt die Entwässerung der Elbmarsch von Ost nach West über die Hauptgewässer: die Marsch- und Bruchwetter, die Neetze und den Hauptkanal. Weil es ein leichtes Gefälle gibt, fließt das Wasser über Gräben in einen der drei Flüsse und weiter Richtung Ilmenaukanal. „Über Schöpfwerke und Pumpen können wir die Be- und Entwässerung steuern“, sagt Hilmer. „Zumindest bis zu einem gewissen Grad.“

Das Problem in diesem Jahr: In den Böden und auf den Feldern staut sich das Wasser so hoch, „dass selbst leere Entwässerungsgräben da kaum Abhilfe schaffen“, sagt Hilmer. Zum einen gebe es dafür zu viele zu große Flächen und zu wenig Gräben, „zum anderen ist das Gefälle sehr gering, sodass sich das Wasser nur ganz langsam durch den Boden Richtung Graben bewegt“. In Echem zum Beispiel habe das Schöpfwerk im vergangenen Jahr 216 statt der üblichen 65,5 Stunden Wasser aus der Elbmarsch in den Elbeseitenkanal gepumpt. „Gebracht hat das vielleicht ein paar Zentimeter weniger Wasser in den Gräben“, sagt Hilmer, „auf den Feldern staut es sich aber trotzdem noch.“

Für den Verband ist das Thema Extremwetter nicht neu, seit einigen Jahren schon versuchen die Verantwortlichen sich auf Jahre wie 2017 vorzubereiten. Erste Ergebnisse sind der Neubau des Schöpfwerkes in Fahrenholz, die schrittweise Digitalisierung der Steuerung von Schöpfwerken und Wehranlagen sowie die Verbesserung der Leistungsfähigkeit einzelner Gewässerabschnitte. „Das sind Schritte, die wir teilweise schon abgeschlossen haben und teilweise aufgrund der Erfahrungen dieses Jahres beschleunigen werden.“ Wunder dürfen die Landwirte in der Elbmarsch allerdings auch dadurch nicht erwarten. „Ex­tremereignisse bleiben nunmal Extremereignisse.“

Von Anna Sprockhoff