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Beispiele für die Idee gibt es in Lüneburg längst: Über dem Rewe-Markt im Hanseviertel gibt es Wohnungen. (Foto: t&w)
Beispiele für die Idee gibt es in Lüneburg längst: Über dem Rewe-Markt im Hanseviertel gibt es Wohnungen. (Foto: t&w)

Berliner Verhältnisse

Lüneburg. Wohnraum schaffen ist eine der dringlichsten Aufgaben, die Kommunen bewältigen müssen. In Lüneburg sollen deshalb bekanntlich weitere Neubaugebiete und Wohnungen durch Nachverdichtung entstehen. Die Fraktion der Grünen im Rat bringt nun eine weitere Idee ins Spiel. Über Discountern könnte günstiger Wohnraum entstehen, wie das Aldi Nord für Berlin angekündigt hat. In einem Antrag zur Ratssitzung 15. März beauftragt die Fraktion die Verwaltung, in Verhandlungen mit Aldi Nord zu treten. Ziel müsse sein, die Standorte von Lüneburger Aldi-Märkten daraufhin zu überprüfen, unter welchen Bedingungen die „Berliner Lösung“ hier realisiert werden könnte.

Mehr als 2000 Wohnungen

Aldi Nord hatte angekündigt, dass das Unternehmen an mindestens 30 Standorten in Berlin sogenannte gemischt genutzte Immobilien umsetzen wolle. Insgesamt sollen mehr als 2000 Wohnungen in Kombination mit Aldi-Nord-Märkten mit einer Verkaufsfläche bis zu 1400 Quadratmetern entstehen. Zwei „Leuchtturmprojekte“ seien in Neukölln und Lichtenberg bereits in der Umsetzungsphase. 15 weitere Standorte in der Kombination Aldi-Markt und Wohnungsbau befinden sich in der konkreten Planung, heißt es seitens des Unternehmens. „Wir möchten aktiv bei der Nachverdichtung Berlins und beim ökologischen Stadtumbau unterstützen“, sagt Jörg Michalek, Geschäftsführer der Aldi Immobilienverwaltung.

Die Lüneburger Grünen möchten nun die Weichen stellen, dass bei der Ansiedlung von Aldi-Märkten auch vor Ort diese Kombination umgesetzt wird. Zumal sie laut einem Bericht der Immobilien-Zeitung erfahren haben, „dass Aldi dabei 30 Prozent Sozialwohnungen bauen will, die für 6,50 Euro pro Quadratmeter vermietet werden sollen, aber auf eine öffentliche Förderung verzichtet. Die übrigen Wohnungen sollen für 10 Euro pro Quadratmeter vermietet werden“, berichtet der Fraktionsvorsitzende Ulrich Blanck. Die Grünen hatten bereits bei den Planungen für die künftige Nutzung des Lucia-Quartiers darauf gedrungen, dass bei der dortigen Ansiedlung der Aldi- und Rossmann-Märkte darüber Wohnungen entstehen.

Auflage sollte zur Plicht werden für Discounter

Blanck fordert, dass bei der Ansiedlung von wohnortnahem Einzelhandel eine Kombination mit Wohnraum grundsätzlich zur Auflage gemacht werden sollte. Im Hanseviertel gebe es dafür bereits gute Beispiele an der Lübecker Straße, wo es über dem Rewe- sowie dem Alnatura-Markt Wohnungen gibt.

Die LZ fragte bei Aldi Nord nach, ob die Kombination von Märkten und angeschlossenem Wohnraum auch für andere Städte geplant sei. Verena Lissek vom Bereich Kommunikation erklärte, dass sich die Planungen bisher ausschließlich auf Berlin beziehen.

Blanck sagt, es gehe darum, schon einen Schritt nach vorne zu gehen. Man wolle mit Aldi Nord ins Gespräch zu kommen, um Voraussetzungen zu schaffen für mögliche Projekte. „Inzwischen haben wir dazu auch mit unseren Gruppenpartnern CDU und FDP gesprochen, die den Antrag begrüßen. Ich gehe davon aus, dass er als Gruppenantrag übernommen wird.“

Von Antje Schäfer