Donnerstag , 22. Februar 2018
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Tomte Parker mit Frau und Sohn jubelnd am Ortsschild von Jergul. Der Ort liegt schon in Norwegen und die schwierigste Etappe der Tour hinter der Familie. (Foto: privat)
Tomte Parker mit Frau und Sohn jubelnd am Ortsschild von Jergul. Der Ort liegt schon in Norwegen und die schwierigste Etappe der Tour hinter der Familie. (Foto: privat)

„Ich lieg‘ dann mal los“

Clenze. Es war „pure Abenteuerlust“, sagt Tomte Parker, die Abenteuerlust eines „Mittvierzigers mit Bauchansatz“, der angesichts befürchteter Midlifecrisis eine ganz besondere Reise antritt: Die führt ihn vom Wendland aus zum Nordkap über 3 000 Kilometer auf einsamen Routen – auf einem Liegerad: „Herrlich bekloppt“ findet er das selbst. Über diese Reise – und damit auch über seine Entwicklung „von der Sofakartoffel zum Liegeradsuperhelden“ – hat Parker nun ein Buch geschrieben: „Ich lieg dann mal los“. Das Titelblatt zeigt ihn als Supermann. Parker ist einer, der offensichtlich unbegrenzt zu Selbstironie fähig ist – auf den knapp 300 Seiten seines Buches zur Freude der Lesenden.

Unter einem anderen Namen ist der in Clenze lebende Autor, der vor vielen Jahren das Wendland urlaubend kennenlernte, als Internist am Salzwedeler Krankenhaus tätig. Sein Pseudonym ist seiner Liebe zu Schweden und zu Comics geschuldet: Tomte ist eine Art nordischer Wichtel, Parker der Nachname von Spiderman…

Ein City-Rad, das er allerdings bald gegen ein Tourenrad eintauscht, weckt in Parker vor mehr als zehn Jahren die Lust am Radfahren. Er nimmt an lokalen Radrennen teil, und wird mehr und mehr vom Radfahrvirus infiziert, was ihm gleichzeitig wohl auch ein bisschen unheimlich vorkommt. Vielleicht als Gegenmittel schildert er deshalb die schmerzenden Begleiterscheinungen in unteren Körperhälften. Überhaupt muss der Radfahrer Parker auf seinen Touren durchaus öfter die Hilfe seiner Kollegen in Notfallambulanzen in Anspruch nehmen.

Die Ziele für ihn als Aufrecht-Fahrer liegen immer ferner – Bretagne – und dann ist eines Tages diese „Schnapsidee“ da: Warum nicht bis zum Nordkap? Parker ist da mittlerweile vom Aufrecht-Fahrer zum Liegend-Fahrer geworden. Und auch Frau und Sohn können sich mehr und mehr mit dem Radfahren der besonderen Art anfreunden. Liegend zu fahren, sagt Parker, sei die entspannteste Art Rad zu fahren, man fühle sich wie im Fernsehsessel, bleibe ohne Schulterschmerzen und sei zudem aerodynamisch den Aufrechten gegenüber im Vorteil. Das Liege­rad sei vor allem ein Rad für Überlandfahrten, ein Reiserad, das einen Blick auf die umgebende Landschaft ermöglicht, statt auf den Asphalt zu starren.

Einfach drauflos fahren, raus aus dem Alltag, sich ausprobieren und herausfinden, was einem in der zweiten Hälfte des Lebens bleibt, neuen Spleens Raum lassen: Das sind Parkers Antworten nach dem Warum. Aber, und da kommt dann auch der motivierende Arzt durch: Da selbst er, aus dem Fernsehsessel heraus, das geschafft habe, könne es auch jeder nachmachen, „jeder kann sportlich was bewerkstelligen – wenn er denn will“.

45 Tage in drei Etappen

Nordkap: 45 Tage, aufgeteilt in drei Etappen, ist Parker ab Clenze unterwegs. Auf der ersten Etappe radelt er eine Zeit lang mit einem Freund, die zweite Etappe bewältigt er allein, bei der dritten, die im nordschwedischen Kiruna startet, begleiten ihn Frau und 13-jähriger Sohn. In seinem Reisebericht schildert Parker Erlebnisse, menschliche und tierische Begegnungen, kleine und größere Katastrophen, und schreibt darüber, dass auch die beste Vorbereitung immer von der Wirklichkeit geschlagen werden kann. Dazu beschreibt er die schöne nordische Landschaft, die, je nördlicher es geht, auch fiese Steigungen zu bieten hat. Im Nordkaptunnel etwa quält sich die Familie bei vier Kilometern pro Stunde ans Tageslicht. Dazu kommt in diesen Gefilden – auch wenn es Juli ist und die Sonne nicht untergeht – subarktisches Wetter mit beißendem Wind. „Es war mehr Kampf als Lust auf der letzten Etappe – aber in der Familie war es zu schaffen“, bilanziert Parker.

Wieder zu Hause, entdeckt er die Lust am Schreiben, was es letztlich auch einfacher machte, andere an dieser Reise teilhaben zu lassen. Und erzählen kann er wirklich. Tomte Parkers Buch ist im eigens von ihm gegründeten Verlag Fjällbunny Verlag erschienen, es hat die ISBN 978-3-00-058264-6 und kostet 12 Euro.

Von Christiane Beyer