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Mira Lambertz, Mitarbeiterin des Lüneburger Frauenhauses, freut sich, dass dank der Spenden das Kinderzimmer renoviert und neu möbliert werden konnte. (Foto: t&w)
Mira Lambertz, Mitarbeiterin des Lüneburger Frauenhauses, freut sich, dass dank der Spenden das Kinderzimmer renoviert und neu möbliert werden konnte. (Foto: t&w)

Zufluchtsort Frauenhaus

Lüneburg. Frisch renoviert und neu möbliert sind das Kinderzimmer sowie der Aufenthaltsraum im Lüneburger Frauenhaus. „Möglich wurde dies dank einer großzügigen Spende von Karstadt und durch verschiedene Einzelspenden. Dafür sind wir sehr dankbar“, sagen Gudrun Strötges und Mira Lambertz, Mitarbeiterinnen des Frauenhauses, das vom Verein „Frauen helfen Frauen“ betrieben wird. Denn aus dem laufenden Budget wäre diese „Generalüberholung“ nicht möglich gewesen.

Das Lüneburger Frauenhaus ist seit 38 Jahren Anlaufstelle für Frauen, die den ersten Schritt aus der Spirale der häuslichen Gewalt machen wollen. Das Land Niedersachsen fördert die Personalkosten der Einrichtung anteilsmäßig gemäß der „Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung von Maßnahmen für Frauen und Mädchen, die von Gewalt betroffen sind“.

Zuletzt wurde für fünf Jahre festgesetzt, dass vom Land pro Jahr 113 000 Euro fließen – mehr als zuvor. Dadurch müssen Stadt und Landkreis weniger freiwillige Leistungen aufbringen. Waren es zuvor jeweils 34 000 Euro pro Jahr, sind es jetzt 27 000 Euro. Auch die Gemeinde Adendorf beteiligt sich mit 5000 Euro. Außerdem müssen Frauen im Frauenhaus Lüneburg pro Tag 15 Euro quasi als Miete entrichten, das Jobcenter übernimmt dies bei Frauen, die auf Grundsicherung angewiesen sind. Und das sorgt bei den Mitarbeiterinnen des Frauenhauses und Ute Gailing, Vorsitzende des Fördervereins, für Kritik.

„Es ist unlogisch und nicht hinnehmbar, dass Frauen, die vor häuslicher Gewalt fliehen, dafür in Niedersachsen auch noch zahlen müssen. In Hamburg und Schleswig-Holstein ist das nicht so“, sagt Ute Gailing. Die autonomen Frauenhäuser würden seit Jahren eine bundesweit einheitliche Förderung verlangen, „aber die Finanzierung ist immer noch Länderhoheit und es gibt unterschiedliche Bedingungen“.

176 Frauen mit 133 Kindern

Von 2015 bis Ende 2017 suchten 176 Frauen mit 133 Kindern Zuflucht und Unterstützung im Lüneburger Frauenhaus. Alle entscheiden selbst, welche Angebote sie zur Krisenintervention und an Hilfen für einen Aufbruch in eine neue Zukunft in Anspruch nehmen wollen. Manche bleiben Wochen, andere ein halbes Jahr – auch weil der Lüneburger Wohnungsmarkt angespannt ist. „Als das Gewaltschutzgesetz 2002 in Kraft trat, wonach der Gewalttäter polizeilich der Wohnung verwiesen werden kann, während das Opfer von häuslicher Gewalt bleiben kann und nicht Zuflucht suchen muss, hatten manche gedacht, dass Frauenhäuser überflüssig werden. Aber es ist nicht spürbar geworden, dass weniger Frauen in Frauenhäuser gehen.“

Verbessert habe sich jedoch im Zuge des Gewaltschutzgesetzes das Hilfesystem für Frauen, sagt Mira Lambertz. Die Beratungs- und Interventionsstellen, kurz BISS, arbeiten eng mit der Polizei zusammen und informieren über die rechtlichen Möglichkeiten nach dem Gesetz, über Schritte und Verfahrensweisen, wenn Frauen Opfer von körperlicher, sexueller oder psychischer Gewalt geworden sind, sowie über Schutz und Hilfemaßnahmen für Frauen und ihre Kinder. Die BISS-Beratungsstelle in Lüneburg ist ebenso wie das Frauenhaus und die Beratungsstelle FiF unter dem Dach des Vereins „Frauen helfen Frauen“.

Von Antje Schäfer