Donnerstag , 15. November 2018
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Eine Deichrückverlegung im Bereich Vitico könnte eine der Möglichkeiten sein, den Wasserstand im Fall von künftigen Hochwasserereignissen zu begrenzen. (Foto: t&w)
Eine Deichrückverlegung im Bereich Vitico könnte eine der Möglichkeiten sein, den Wasserstand im Fall von künftigen Hochwasserereignissen zu begrenzen. (Foto: t&w)

Alles im Fluss an der Elbe

Alt Garge. Das Thema Elbe, und wie künftige Hochwasserereignisse in den Griff zu bekommen sind, zieht. Und so war das alte Kurhaus Elbblick in Alt Garge mit fast 80 Interessierten gut besucht, als der Umweltausschuss des Lüneburger Kreistags vier Experten zu diesem Thema eingeladen hatte. „Wir wollten den Ausschussmitgliedern und den Bürgern die Gelegenheit geben, sich aus erster Hand auf den aktuellen Stand bringen zu lassen“, erklärt Stefan Bartscht, Leiter des Fachdienstes Umwelt beim Landkreis Lüneburg. Geballte Informationen gab es – allerdings auch die Erkenntnis, dass vorerst zu hoffen bleibt, dass das nächste Hochwasser noch möglichst lange auf sich warten lässt.

Nur mit Glück keine massiven Überflutungen

Die Experten in Alt Garge waren: Klaus-Jürgen Steinhoff vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz (NLWKN), der über den Stand der Umsetzung des Rahmenplans über abflussverbessernde Maßnahmen an der unteren Mittelelbe berichtete. Weiter Prof. Dr. Andreas Dittrich, ehemaliger Mitarbeiter des Leichtweiss-Instituts an der Technischen Universität Braunschweig, der über die Sedimentation in der Elbe sprach (Bericht unten). Dann Prof. Dr. Johannes Prüter, Leiter der Biosphärenreservatsverwaltung Niedersächsische Elbtalaue, mit dem Thema Auenmanagement, und schließlich Tim Perschau von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes – die Sicherung der Buhnen und der Fahrrinnen stehe für seine Behörde im Vordergrund, erklärte er.

Wie dringend ein effektiverer Hochwasserschutz an der Elbe ist, haben die Hochwasserereignisse im August 2002, im April 2006, im Januar 2011 und zuletzt im Juni 2013 gezeigt. Speziell beim Hochwasser 2013, erklärte Klaus-Jürgen Steinhoff, habe man neben allen Anstrengungen auch „großes Glück“ gehabt, dass es nicht „zu massiven Überflutungen“ gekommen sei.

Die Länder Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein schlossen im Spätsommer 2012 einen Kooperationsvertrag mit der „Bundesanstalt für Gewässerkunde“. Auf der Basis des daraus entstanden „zweidimensionalen hydraulischen Modells“ für die untere Mittelelbe, von Wittenberge bis Geesthacht, wird seitdem das Verhalten der Elbe untersucht.

Über zahlreiche Maßnahmen wird seitdem diskutiert – vom Gehölzrückschnitt im Deichvorland bis zur Deichrückverlegung, von der Flutrinne bis zur Beseitigung von Engstellen. Eine aus den bisherigen Überlegungen gewonnene Erkenntnis, so Steinhoff: „Isolierte Einzelmaßnahmen haben nur begrenzte Effekte. Wir denken um, es geht nur gemeinsam“.

Bündel von fünf Maßnahmen

Klaus-Jürgen Steinhoff nannte ein Bündel von fünf Maßnahmen, vier am östlichen Elbufer, eines am westlichen Elbufer, das auf einer Strecke von zehn Kilometern eine Absenkung des Elbewasserstandes bei Hochwasser um 20 Zentimeter bringen kann – am westlichen Elbufer ist das eine Deichrückverlegung im Bereich Vitico zwischen Bleckede und Radegast. „Nur eine mögliche Variante, nur eine Diskussion“, betonte Steinhoff.

Am östlichen Elbufer, auf mecklenburg-vorpommerschem Gebiet, gehört eine Deichrückverlegung am Hafen Boizenburg zum „Paket“, weiter die Verlegung des Sude-Sperrwerks, eine Deichrückverlegung im Bereich Mahnkenwerder und eine bessere Steuerung des Polders Gothmann.

Über das Auenmanagement auf den 7900 Hektar umfassenden Flächen des Biosphärenreservats Niedersächsische Elbtalaue berichtete dessen Leiter Dr. Johannes Prüter. Die nach dem Hochwasser von 2013 vorgenommenen vorgezogenen Gehölzrückschnittmaßnahmen hätten keine positive Wirkung gehabt, sagte Prüter. Teilweise sei der Bewuchs dort heute dichter als vorher.

„Kooperatives Auenmanagement“

Auf Hochtouren und unter Federführung des NLWKN, erklärte Prüter, laufen die Arbeiten für den „Aufbau und die Etablierung eines kooperativen Auenmanagements“. Bewährt habe sich bereits die Arbeit in den vier regionalen „Auenpflegeverbänden“. Man versuche, Hochwasser- und Naturschutz vereinbar zu machen, dabei auch noch die Interessen der Landwirtschaft zu berücksichtigen.

Zufrieden war nach drei anstrengenden Stunden der Ausschussvorsitzende Michael Gaus (Grüne), der souverän durch Vorträge und engagierte Diskussion führte: „Ich freue mich, dass wir diese Sitzung in Alt Garge hatten und dass sich die Bevölkerung so rege daran beteiligt hat. Deren Interesse und auch Besorgnis war deutlich zu spüren.“

Von Ingo Petersen