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Das Hanseviertel wächst rasant, doch reichen die Zahlen für eine eigene Grundschule? (Foto: be)
Das Hanseviertel wächst rasant, doch reichen die Zahlen für eine eigene Grundschule? (Foto: be)

Stadt setzt auf Anbau statt Neubau

Lüneburg. Das Hanseviertel wächst, es ist das größte Neubaugebiet Lüneburgs. 1500 Menschen wohnen schon heute im neuen Viertel. Für den noch geplanten dritten Bauabschnitt, in dem rund 650 Wohneinheiten entstehen sollen, rechnet die Stadt mit bis zu weiteren 1800 Bewohnern im Quartier. Da kommt zwangsläufig die Frage auf, ob angesichts dieses Zuzugs auch eine eigene Grundschule im Hanseviertel vonnöten ist. Diese Frage war jetzt auch Thema im Schulausschuss. Dort wurde eifrig diskutiert, ein Beschluss aber erging nicht.

Die Grünen hatten sich vorab mit dem Gedanken auseinandergesetzt. Und auch schon drei mögliche Standorte ins Visier genommen: die ehemalige Kleingartenanlage zwischen Hanseviertel und Speicherquartier, Freiflächen zwischen bestehenden Gebäuden an der Bleckeder Landstraße und ein Areal im Hanseviertel III. Susanne Neuhaus (Grüne) wollte in einer Anfrage von der Verwaltung wissen, welchen dieser Standorte die Stadt für geeignet hält. Oder ob sie Alternativen im Blick habe. Doch Bildungsdezernentin Pia Steinrücke machte deutlich: Die Stadt sieht gar keine Notwendigkeit für eine neue Grundschule. Die Zahlen gäben das nicht her. Das sei eigentlich auch Konsens in der Arbeitsgruppe, die sich mit Schulentwicklung beschäftigt und in der die Fraktionen vertreten sind. Stattdessen werden aktuelle und sollen auch künftige Grundschüler aus dem Gebiet an den Grundschulen in Lüne und Hagen unterrichtet werden.

Lüne und Igelschule können das stemmen

Die Verwaltung argumentiert: Im Hanseviertel I und II leben pro Jahrgang durchschnittlich 35 Kinder. Mit etwa 20 weiteren pro Jahrgang rechne sie im dritten Bauabschnitt – alles in allem also etwa zwei Züge für eine Schule. Und diese Zahlen dürften sich in einigen Jahren für den Grundschulbereich verringern, da die Kinder dann aus dem Alter raus sind und nicht im selben Maße junge Familien ins Viertel ziehen würden. Pia Steinrücke: „Deshalb sehen wir keine Notwendigkeit, hier eine neue Schule zu errichten.“

Stattdessen werde die Schule Lüne mittelfristig fünfzügig geplant. Dort wäre Platz für Kinder aus dem Teil des Hanseviertels, der schon bebaut ist. Kinder aus dem künftigen Teilgebiet sollen an der Igelschule lernen. Der Fußweg bis zur Schule betrage im Höchstfall 21 beziehungsweise 23 Minuten. Sollte auch das nicht reichen, könne man schon aus Gründen der Wirtschaftlichkeit auch darüber nachdenken, einige Kinder mit dem Bus nach Häcklingen zu bringen, „die ist aktuell nicht voll“.

Für Neuhaus aber ist es wichtig, zumindest die Option zu haben, doch noch eine Schule zu bauen, wenn sich die Zahlen anders entwickeln als prognostiziert. Die Stadt sollte sich deshalb ein Areal reservieren. „Denn die Grundstücke sind begehrt.“ Frank Soldan (FDP) wandte ein: „Der Standort für eine Schule dürfte aber nicht an der Ostumgehung liegen, sondern sollte im Zentrum sein.“

Casino bietet das Potenzial für späteren Stadtteiltreff

Unterstützung erhielt Neuhaus auch von Michèl Pauly (Die Linke). Seine Fraktion hatte in der zurückliegenden Legislaturperiode bereits einen Prüfauftrag für eine Grundschule im Hanseviertel auf den Weg gebracht. Nach dem Motto ,kurze Beine, kurze Wege‘ sollten wir zumindest darüber nachdenken.“ Die Schule könne ja von vornherein so geplant werden, dass sie, sobald sie nicht mehr benötigt werde, anderweitig genutzt werden kann – als Seniorenzentrum oder Stadtteiltreff.

Steinrücke erinnerte daran: „Mit dem ehemaligen Casino haben wir bereits eine solche Möglichkeit.“ Denn die Verwaltung geht davon aus, dass die Zahl der Kita- und Krippenplätze in absehbarer Zeit zurückgeht und der Platz dort dann nicht mehr komplett für die Kinderbetreuung benötigt wird. Die Stadt habe zudem andere Prioritäten. Ein Neubau wäre schließlich deutlich teurer als eine Erweiterung an bestehenden Schulen. Die Bildungsdezernentin nannte den Ausbau der Christianischule und die Schaffung weiterer Kita- und Krippenplätze. Steinrücke: „Ich wüsste nicht, von welchen Mitteln wir eine neue Schule bezahlen sollten.“ ahe

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