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In wenigen Wochen ist es so weit, werden auch im Landkreis Lüneburg die Weidenkätzchen blühen und den Bienen mit die erste Nahrung des Jahres bieten. (Foto: Sonja Haase)
In wenigen Wochen ist es so weit, werden auch im Landkreis Lüneburg die Weidenkätzchen blühen und den Bienen mit die erste Nahrung des Jahres bieten. (Foto: Sonja Haase)

Es liegt was in der Luft

Lüneburg/Echem. Seit Jahren warnen Forscher vor dem Insektensterben. Im September 2017 wurde daher die Initiative „Die Region Lüneburg summt!“ ins Leben gerufen , die sich jetzt mit einem Workshop Bienenfreunden aus dem Landkreis vorgestellt hat. Aus Berlin angereist waren dafür die beiden Initiatoren von „Deutschland summt!“, Dr. Corinna Hölzer und Cornelis Hemmer. Rund 60 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, gemeinsam neue Ideen zur Bienenförderung und zum Erhalt des Artenreichtums zu entwickeln.

Monokulturen und Pestizide verschärfen Bienensterben

Insekten bestäuben rund 80 Prozent unserer Nutzpflanzen. Damit sind sie nicht nur für die natürliche Vielfalt und viele Kulturpflanzen, sondern auch als Nahrungsquelle für andere Tiere. Doch aufgrund von Monokulturen, dem Einsatz von Pestiziden, verstärktem Infrastrukturausbau oder dem Klimawandel schreitet das Insektensterben weiter voran. „Ohne Insekten bekommen wir alle immense Probleme“, betonte jetzt bei dem Workshop im Landwirtschaftlichen Bildungszentrum (LBZ) Echem Diplom-Geograph Cornelis Hemmer. Mit seiner Frau, Diplom-Biologin Dr. Corinna Hölzer, hat er 2010 die Stiftung für Mensch und Umwelt gegründet und die Initiative „Deutschland summt! – Wir tun was für Bienen“ ins Leben gerufen hat. Er und Hölzer waren nach Echem gekommen, „um Impulse zu setzen und zu schauen, was in der Region Lüneburg möglich ist, um die Insekten zu schützen“, so Hemmer.

Den Ernst der Lage hat auch der Landkreis Lüneburg erkannt. Der Kreis beteiligt sich deshalb seit Herbst letzten Jahres an der Initiative „Deutschland summt!“. Ziel ist es, Aufmerksamkeit für die Biene, die Stadtnatur und Abhängigkeit der Menschen von einem funktionierenden Ökosystem zu schaffen. Somit sei Lüneburg der zweite Landkreis Deutschlands, der summen will, erklärte Dr. Corinna Hölzer. Die Initiative vereint zahlreiche Aktivitäten und Engagements in Hansestadt und Landkreis Lüneburg, um dem drastischen Rückgang an Insekten entgegenzuwirken.

10000 Euro vom Kreis

Der Vereinbarung mit der Stiftung für Mensch und Umwelt hatte der Umweltausschuss im August zugestimmt. Auch der Kreisausschuss hatte kurz darauf grünes Licht für die Aktion gegeben, in die der Landkreis rund 10 000 Euro investiert. Landrat Manfred Nahrstedt, der ebenfalls an dem Workshop teilgenommen hatte, machte noch einmal deutlich: „Die Honigbiene und andere Insekten brauchen unsere Hilfe. Um sie zu unterstützen, muss man nicht gleich Imker werden.“

Nachdem sich die Workshop-Teilnehmer in Gruppen beraten hatten, stellten sie ihre Wünsche vor, die sie bezüglich des Insektensterbens an Politik und Verwaltung, Bürger, Vereine und Verbände, Forsten und Landwirtschaft haben. Genannt wurde eine breite Palette an Wünschen: Über das Thema bereits in Kindergärten und Schulen informieren oder sogar das Schulfach „Umweltschutz“ verpflichtend einführen, Jugendorganisationen für das Thema sensibilisieren, mehr Blühflächen und Ackerrandsteifen, diese sollten von Landwirten und Forsten zur Verfügung gestellt werden, Pflegeintensität auf Grünflächen reduzieren, Randstreifen an Gewässern oder Äckern sollen stehen bleiben, mehr natürliche Gartengestaltung, mehr Unterstützung für Landwirte und Imker, weniger Monokulturen und mehr Akzeptanz für Unkraut.

Fördergeld für Projekte und junge Landwirte

Aber auch Fördergelder für Projekte oder zum Beispiel für junge Landwirte, die ökologische Landwirtschaft betreiben wollen, bessere Vernetzung aller Akteure, mehr Laubgehölze in den Wäldern, mehr Platz für Wildnis, Verzicht auf schwere Forstmaschinen, Forschung zu dem Thema intensivieren, Flurbereinigung rückgängig machen und Ökosysteme wieder verbinden. zählten zu den Vorschlägen.

In sechs bis acht Wochen soll es dann einen zweiten Workshop geben, „der zeigen soll, welche Hebel als nächstes in Bewegung gesetzt werden können“, erklärte Cornelis Hemmer.

10 Tipps

Jeder kann zum Bienenretter werden

Mit einfachen Mitteln kann jeder beim Insektenschutz helfen:

  • Mehr Bio-Produkte kaufen
  • Ohne Gift gärtnern, natürlichen Pflanzenschutz oder Dung verwenden
  • Insektenhotels/Wildbienennisthilfen aufstellen
  • Strukturen schaffen (Totholz, Trockenmauer, Teich)
  • Auf giftige Mückensprays verzichten
  • Heimische Gehölze und Stauden pflanzen
  • Regionales Saatgut verwenden
  • Wildkraut und bunte Blumen stehen lassen
  • Torffreie Blumenerde und Kompost nutzen
  • Lichtverschmutzung vermeiden: Licht lockt Insekten an, wo sie an der Lampe verglühen oder an Erschöpfung sterben.

Weitere Informationen gibt es im Netz unter www.deutschland-summt.de.

Von Patricia Luft

One comment

  1. 80% unserer Nutzpflanzen sind nicht auf Fremdbestäubung angewiesen,
    nicht ohne Grund sind Mais, Reis, Getreide Grundnahrungsmittel über Jahrtausende hinweg geworden. Das sind alles Selbstbefruchter.
    Wieso sich der Fake von etwas anderem seit Jahren hält ist unerklärlich, wer damit in das Thema Natur, Pflanzen und Insekten einsteigt hat sich eigentlich schon disqualifiziert.

    Und in Deutschland gibt es kein Bienensterben, die Zahl der Völker steigt seit 15 Jahren kontinuierlich an.
    Was den Bienen zu schaffen macht ist die Varroa und neuerdings immer öfter die Amerikanische Faulbrut. Hier sind die Imker gefragt mehr Hygiene walten zu lassen.

    Ob mehr Unkraut in Lebensmittel die Lösung ist, darf man bezweifeln und da sollte man gewarnt sein, denn immer mehr Alkaloide werden in Lebensmitteln gefunden und sind daher nicht mehr essbar.

    Viel mehr sollte man den Jahrzehnte alten Naturschutz in Deutschland mal hinterfragen, dort ist laut Krefelder Studie die Zahl der Insekten Rückläufig.
    Warum? Es fehlt an Pflanzen, die für Insekten interessant sind, verbuschte Naturschutzgebiete bieten keinen Platz für Insekten.
    Da wird aber dringlichst nicht drüber gesprochen, warum?

    Auch die Bebauung hat ihren Teil geleistet, die Gärten von „früher“ findet man auch fast nicht mehr, kaum jemand hat einen Obstbaum im Garten oder heimische Blumen. Nicht alles was blüht wird auch von Bienen und Co angenommen, viele blühende Modepflanzen in heutigen Gärten sind ungeeignet.
    Wenn sich dann noch Baumärkte an der Aktion „Deutschland summt“ beteiligen mit pollenfreien Sonnenblumen, dann muss man sich fragen, ob die Aktion völlig sinnbefreit ist und worum es den Akteuren überhaupt geht?