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In Stöckte war heute trotz des nasskalten Wetters die Stimmung am Kochen. (Foto: phs)

Luhestadt in Narrenhand

Stöckte. Die Bässe der Musikanlagen wummern, je näher die Besucher dem Querweg in Stöckte kommen, desto lauter wird die Musik, eine ohrenbetäubende Mischung aus Schlager- und Disco-Rhythmen. Die Stimmung auf den Motivwagen ist schon lange vor dem offiziellen Start ausgelassen feucht-fröhlich: Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht nur, weil der ein oder andere Jecke schon ein wenig „vorglüht“, sondern weil Schneeregen die Straßen und Wege in schmutzige Rutschbahnen verwandelt hat. Echte Narren aber stört das Schmuddelwetter nicht. Sie nehmen es wie es kommt – und so standen auch am Sonntag wieder rund 25 000 Zuschauer in Winsen/Luhe an den Straßen, um einen der größten Faslams-Umzüge Norddeutschlands zuzuzubeln.

Faslam in Stöckte

Und weil man das Wetter ohnehin nicht ändern kann, versprühte Philip Goldschmidt, Sprecher der Stöckter Faslamsbrüder, von Beginn an gute Laune. 34 Motivwagen und Fußgruppen hatten sich zu einem bunten Lindwurm aufgereiht. Um kurz vor 12 Uhr war es dann soweit: Angeführt vom Bonbon-Bus, der Kutsche mit den Faslamseltern und der Faslamsgarde setzte sich die Narrenparade in Bewegung.

Monatelang hatten sich die Baugruppen im Ort immer wieder in ihrer Freizeit getroffen, hatten gehämmert, geschraubt und gemalt – heute durften sie ihre Kunstwerke endlich den vielen tausend Faslams-Fans vorstellen.

Faschingspartys in der Region

Wie im Karneval üblich, nahmen die Stöcker Faslamsbrüder und ihre Mitstreiter auch in diesem Jahr das eine oder oder andere Bundes- und lokalpolitische Thema humoristisch aufs Korn : Beispielsweise die Jamaika-Verhandlungen, aber auch den defizitären Parkhaus-Neubau in Winsen: „Das Parkhaus macht fleißig Miese, besser man hätte es gebaut auf einer anderen Wiese“, dichteten die „Tresencowboys“. Und die Rückkehr des Wolfes – seit langem wieder ein emotional heiß diskutiertes Thema – durfte als Motivwagen ebenfalls nicht fehlen: „Wölfe in der Lüneburger Heide – Rotkäppchen lässt grüßen“, lautete der Motivwagen der Wagenbaugruppe „Stöckter Granaten.“

Neuer Ortsvorsteher – frischer Wind für Stöckte? fragte dagegen die Wagenbaugruppe Beecken. Eine Hommage an Bud Spencer hatten „Die Neddelberger“ mit ihrem Motivwagen konstruiert: „Bud Spencer war doch das Idol unserer Jugend“, sagt Matthias Block – im echten Leben Lehrer am Berndhard-Riemann-Gymnasium in Scharnebeck. Jetzt aber fuhr er als Bud-Spencer-Double auf dem Motivwagen mit – und hatte ordentlich Spaß dabei.

25 Jahre Disneyland, der finanzielle Absturz der Air-Berlin und der Eierskandal waren weitere Themen, die beim Stöckter Faslamsumzug karnevalistisch aufs Korn genommen wurden.
Den Stöckter Faslamsumzug gibt es schon seit 1949, damals führte er nur durch das Dorf Stöckte, seit 1969 wurde die Route bis nach Winsen erweitert. Mehr als vier Stunden waren deshalb Wagen, Fußgruppen und Spielmannszüge auch am Sonntag wieder unterwegs, durften sich große und kleine Kinder an den Straßenrändern über Bonbons, Lollies und Popcorn freuen.

Von Klaus Reschke

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