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Baustelle Grundschule: Sanierung oder Neubau, das scheint keine Frage mehr zu sein in Deutsch Evern. Jetzt geht es vielmehr daraum, wie groß der Neubau sein muss. (Foto: kre)
Baustelle Grundschule: Sanierung oder Neubau, das scheint keine Frage mehr zu sein in Deutsch Evern. Jetzt geht es vielmehr daraum, wie groß der Neubau sein muss. (Foto: kre)

Das Spiel mit den Prognosen

Deutsch Evern. Es ist der Blick in die berühmte Glaskugel, ein Spiel mit Zahlen und Prognosen: Oder, wie es Bauausschuss-Vorsitzender Karsten Fuhrhop von der B ürgerliste Ilmenau (in Anlehnung an Winston Churchill), formulierte: „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!“ Damit ist das Dilemma bereits perfekt beschrieben, in dem sich zurzeit die Kommunalpolitiker in der Samtgemeinde Ilmenau befinden. Seit Wochen diskutiert der Rat über einen möglichen Neubau der Grundschule Deutsch Evern. Denn die Sorge, die die Befürworter eines Neubaus umtreibt ist, dass das aktuelle Schulgebäude bald zu klein sein wird, eine Erweiterung unverhältnismäßig teuer kommt und zudem kaum praktikabel ist.

Während der Samtgemeinderatssitzung im Januar wurde die Verwaltung daher mit der Prüfung eines zweieinhalb- oder dreizügigen Neubaus beauftragt. Nun wollten die Bauausschuss-Mitglieder, die am Donnerstag gemeinsam mit dem Schulaussschuss tagten, über eine „To Do-“Liste beschließen, um möglichst schon vorab alle einen Neubau betreffenden Fragen zu klären. Angefangen von den Abstimmungsgesprächen mit den Baubehörden, dem SV Ilmenau über das mögliche Baugrundstück (Tennisplätze), bis hin zu Kosten und Finanzierung. Ein bunter Strauß an Aufträgen.

Unterricht im Container

Doch erst einmal ergriff Schulausschuss-Vorsitzender Ulrich Müller-Menzel (CDU) das Wort, um die Frage zu stellen: „Wie viel Schule braucht das Dorf?“ Es folgte eine lange Reihe von Zahlen, Statisitiken und Hochrechnungen – an deren Ende Müller-Menzel zu dem Schluss kam: „Der Zuwachs an Deutsch Everner Kindern müsste um 120 Prozent gesteigert werden, um dauerhaft eine Dreizügigkeit der Grundschule zu gewährleisten.“ Dass es geburtenstarke Jahrgänge gibt, das streitet auch Müller-Menzel nicht ab. Aber die seien nicht durchgängig. Der CDU-Politiker rät, Spitzen durch das Aufstellen von Containern abzufangen. Die Schulen in der Stadt würden das genauso machen: „Das ist nicht schön, aber die effektivste und kostengünstigste Variante.“

„Wir wissen beide nicht, wie sich die Zahlen künftig entwickeln werden“, konterte Samtgemeindebürgermeister Peter Rowohlt (SPD). Die Rechenmodelle des Schulausschuss-Vorsitzenden zweifelt der Rathauschef aber an. Schon jetzt zähle die Kommune knapp 4000 Einwohner. Deutsch Evern sei beliebte Zuzugsgemeinde. Neue Familien mit Kindern siedeln sich an. Zudem sei der Generationenwechsel in vollem Gange. „Junge Familien ziehen in die Häuser der älteren Generation. In zwei, drei Jahren haben wir eine Entwicklung, die der eines Grundzentrums entspricht“, mahnte Rowohlt. Wenn dann noch das Baugebiet „Fuchsberg-Nord“ realisiert werde, würden die Zahlen noch mehr Dynamik bekommen.

Modernisierung kostet 2,5 Millionen Euro

Rund 2,5 Millionen Euro verschlinge die Modernisierung des alten Gebäudes – und trotzdem sei das dann immer noch nicht dreizügig. „Weil sich das auf dem vorhandenen Grundstück nicht abbilden lässt“, so der Bürgermeister. „Wenn wir aber für 2,5 Millionen umbauen, nur um festzustellen, dass die Schule doch zu klein ist, und wir deshalb auf die Container-Lösung zurückgreifen müssen, dann müssen Sie das den Eltern sagen. Ich werde das nicht tun“, sagte Rowohlt in Richtung Müller-Menzel.

Im Übrigen gebe es viele Möglichkeiten, einen Neubau kostengünstig zu errichten: Zweizügig, zweieinhalbzügig mit Ausbaumöglichkeit oder auch Mietkauf… Es gebe viele Varianten, die es wert seien, genauer betrachtet zu werden. „Lasst uns anfangen zu arbeiten“, lautete Rowohlts Appell.

Von Klaus Reschke

2 Kommentare

  1. Wo bleibt da die Wertschätzung für unsere Kinder? Ich halte es für absolut inakzeptabel, Kinder in Containern zu unterrichten – und sei es auch nur für ein Jahr.

    • Die Investitionen dafür sind eben nicht Priorität. Es gibt andere „wichtige“ die „noch nicht so lange hier wohnen“ und deren Familiennachzug. Pro Kopf bei Minderjährigen(von 16-35) mehr als ich jährlich verdiene: 50.000€ .

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