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Fotos von freilaufenden Wölfen werden auch in der Göhrde aufgenommen. Manche Fotografen stellen den Tieren gezielt nach. Doch das ist eine Straftat. (Foto: privat)

Auf den Spuren der „Wolfs-Paparazzi“

Dübbekold. Wer sucht, der findet sie im Internet. Bilder von Wölfen, aufgenommen in der Göhrde. Es sind nicht viele. In Deutschland und gerade in Lüchow-Dannenberg Wölfe in freier Wildbahn zu finden und zu fotografieren, ist schwierig. Und vor allem verboten. Nicht das Fotografieren, wer zufällig einem Wolf über den Weg läuft und eine Kamera dabei hat, darf draufhalten. Doch die Tiere gezielt aufzusuchen, ihnen nachzustellen, ist kein Kavaliersdelikt – es ist eine Straftat, bis zu fünf Jahre Gefängnis drohen dem, der sich nicht an dieses Verbot hält.

Und doch gibt es einige Menschen, gibt es fanatische oder uninformierte Wolfsfreunde, die genau das tun: Wölfe gezielt aufsuchen. Und die damit nicht nur sich, sondern auch die Wölfe in Gefahr bringen. In Lebensgefahr.

Fotografen gehen im Tarnanzug auf Safari

Kenny Kenner ist Wolfsberater. In Dübbekold in der Göhrde betreiben er und seine Frau Barbara ein Hotel, „Kenners Landlust“, von dem aus regelmäßig geführte Wanderungen zu den Wölfen in der Göhrde stattfinden. „Ein geregelter Betrieb, wir gehen da hin, wo wir die Tiere nicht stören“, sagt Kenner. Ihm gehe es darum, zu informieren, und die Gäste, die mit ihm gehen, wollen informiert werden. „Diese Menschen sind es nicht, die uns Sorge bereiten“, sagt der großgewachsene Mann mit dem freundlichen Lächeln. Es sind andere, vor allem Fotografen, die sich mit Tarnanzügen und Teleobjektiven ausgerüstet auf Wolfs-Safari machen. „Die gehen dorthin, wo sie nicht sein dürfen“, sagt Kenner. Sie suchen gezielt nach den Wolfsbauten, wenn das Rudel Nachwuchs hat, oder ziehen zu den sogenannten Rendezvous-Plätzen, an denen die Wolfseltern ihre Welpen zurücklassen, wenn sie auf Jagd gehen. Manchmal betreut sie dort ein älteres Geschwistertier, oftmals aber auch nicht.

„Werden die Wölfe am Bau oder am Rendezvous-Platz gestört, kann das für die Welpen schlimme Folgen haben“, weiß Kenner. Die Eltern könnten fortgehen, wegbleiben, ihre Welpen im Stich lassen. „Wölfe verteidigen ihren Bau, gerade wenn Nachwuchs da ist – aber nicht gegen Menschen“, erklärt der Wolfsberater. Auch wenn die Tiere umziehen, sich also einen neuen Bau oder einen neuen Rendezvous-Platz, suchen, kann das für Welpen gefährlich sein: Sie können beim Umzug zurückbleiben, verloren gehen. „Und ohne Eltern sind die Welpen schutz- und hilflos. Sie sterben, verhungern, erfrieren, gehen elendig zugrunde. Oder sie werden Opfer anderer Raubtiere.“

Das ist eine der Gefahren, die den Wölfen droht, wenn ihnen selbsternannte Wolfsfreunde oder skrupellose Fotografen – Kenner nennt sie „Wolfs-Paparazzi“ – auf den Pelz rücken. Doch es gibt weitere, gefährlichere: „Wenn die Wölfe in Kontakt mit Menschen kommen, könnten sie sich an die Zweibeiner gewöhnen, könnten ihre Scheu verlieren, ihre angeborene Vorsicht ablegen. Sie könnten anfangen, die Nähe des Menschen zu suchen, und damit zu Problem-Wölfen werden“, erläutert Kenner: „Und da sind die Vorgaben ganz deutlich: Solche Wölfe werden entnommen.“ Erschossen.

Bewohner fürchten, dass Tiere angefüttert werden

So erging es Wolf MT 6, „Kurti“ genannt. Das Tier aus einem Rudel bei Munster hatte sich mehrfach Menschen genähert, angeblich auch einen angeleinten Hund angegriffen, und man beschloss, ihn zu erschießen, was am 27. April im Heidekreis geschah. „MT 6 war wohl in seiner Jugend mit Menschen in Kontakt gekommen, wurde vielleicht gefüttert“, berichtet Kenner. Das wurde ihm zum Verhängnis.

In der Göhrde befürchtet man, dass auch dort Fotografen oder andere Wolfsbegeisterte auf die Idee kommen könnten, Wölfe anzufüttern, um sie vor die Linse oder einfach in ihre Nähe zu bekommen. Und dagegen will man vorgehen. Doch das ist nicht so leicht, betont der Wolfsberater. Jeder dürfe sich im Wald frei bewegen, gerade die Göhrde sei „ein Besucherwald“, und es sei schwierig, nachzuweisen, dass jemand gezielt Wölfen nachstellt. „Einen Fotografen habe ich mehrfach erwischt und angesprochen. Doch er zeigte sich uneinsichtig, mittlerweile versteckt es sich, wenn er mich sieht, erzählt Kenner.

Dieser Fotograf sei „fast jeden Tag und oft morgens, mittags und abends im Wald“, doch bislang gebe es gegen ihn keine Handhabe. „Wir können keine Fotofallen aufstellen und ihn überführen, das ist verboten – aus Datenschutzgründen.“ Fotofallen, die zu wissenschaftlichen Zwecken in der Nähe der Wolfsplätze aufgehängt wurden, belegen aber, dass sich immer wieder Fotografen auch in der Göhrde den Wölfen nähern. „Derzeit können wir nur appellieren, die Tiere in Ruhe zu lassen“, sagt der Wolfsberater.

von Rouven Groß

10 Kommentare

  1. Es wer sinnvoll für alle, wenn solche Wolfs – Paparazzi auch einmal ihr Hirn einschalten würden! Es reicht doch schon aus, wenn diverse Politiker, sog. Besserwisser oder auch Wolfshasser genannt, ohne Hirn in der Gegend rumlaufen und nur Schaden anrichten!

  2. Wolf reißt Schaf. Wolf nähert sich Joggerin. Wolf durchstreift Innenstadt. Wolf spaziert an Kindergarten vorbei. Die Taktung beunruhigender Nachrichten über Wölfe wird proportional zu ihrem wachsenden Bestand immer enger. Die lange ausgerottete Art dringt von Osten her immer weiter ins Land vor und erobert sich in rasantem Tempo ihre einstigen Lebensräume zurück. Auch die damit einhergehenden Konflikte lassen sich in besonders betroffenen Regionen schon seit mehreren Jahren kaum mehr einhegen. Jäger, Weideviehhalter und Naturschützer geraten unentwegt aneinander.

    Das Gebot der Sachlichkeit gerät dabei nicht selten in Vergessenheit. Schon mehrfach sind von Wolfsgegnern Berichte über vermeintliche Angriffe auf den Menschen verbreitet worden, die einer Prüfung nicht standhielten. Die Wolfsfreunde hingegen müssen sich vorwerfen lassen, die Konflikte über Jahre verharmlost zu haben. Wenn man erst erklärt, der Wolf könne das Weiderind gar nicht gerissen haben, weil er keine solch großen Tiere angreife, kurze Zeit später aber ein DNA-Test das Gegenteil beweist, ist das wenig vertrauensbildend.

    Das Problem der politischen Debatte über den Wolf ist, dass man sich viel zu lange hinter Paragraphen verschanzt hat. Es mag schon sein, dass für den Umgang mit dem Wolf die FFH-Richtlinie der EU maßgeblich ist und die politischen Mechanismen träge sind. Die Natur nimmt darauf aber keinerlei Rücksicht. Die hohen Reproduktionsraten des Wolfes erhöhen unerbittlich den Problemdruck.

    Selbst Bundestag und Bundesregierung sind damit beschäftigt. Union und SPD schlagen in ihrem Koalitionsvertrag deutlich wolfskritischere Töne an als bislang gewohnt. Von einer „notwendigen Bestandsreduktion“ sowie einem Maßnahmenkatalog zur „letalen Entnahme“, also der Tötung, ist die Rede. Die Sicherheit der Menschen müsse „oberste Priorität“ haben. Die große Koalition erkennt damit an, dass die entscheidende Währung in der Debatte die Akzeptanz der Bevölkerung sein wird. Was weiterhin fehlt, ist ein Konzept zum langfristigen Umgang mit dem Wolf, das nicht wie bisher der Lage hinterherhinkt, sondern die in wenigen Jahren bevorstehende Situation in den Blick nimmt. Die Zahl der Wölfe wird sich weiter stark erhöhen, und die Art wird ein Habitat nach dem anderen für sich in Beschlag nehmen.

    Die Vorstellung mancher Wolfsfreunde, der Bestand der Wölfe werde sich „wie in der Natur“ von selbst regeln, dürfte sich spätestens dann als naiv erweisen. Denn der Wolf kehrt nicht in die Naturlandschaft der Wälder Germaniens zurück, sondern in eine von Menschen gestaltete Kulturlandschaft.

    Naturromantiker mögen mit dieser Grundeinsicht bis heute Probleme haben – der Wolf hat sie definitiv nicht. Er ist anpassungsfähig und intelligent genug, den reichgedeckten Tisch zu erkennen, den seine neue Umgebung für ihn bereithält: gestern ein Rehbock aus dem Fichtenwald, heute ein saftiges Lamm von der grünen Au, morgen Pasta mista aus der Mülltonne. Auf eine natürliche Scheu des Wolfes, bei der Nahrungssuche auch menschliche Siedlungen zu betreten, sollte man nicht vertrauen. Die wichtigste Aufgabe besteht deshalb darin, die Wölfe durch Vergrämung oder notfalls auch Abschuss wieder darauf zu konditionieren, besser nicht in die Nähe des Menschen zu kommen.

    • rumballern war noch nie eine lösung, ganz im gegenteil. bleivergiftete kadaver , weil jäger die spielregeln nicht einhalten, vergiften adler. da wird auch schon mal ein pony für ein wildschwein gehalten und abgeballert. selbst liebespaare müssen in volle deckung gehen, wegen der rumballerei. wenn wölfe zum abschuss freigegeben werden, gibt es bald nur noch angebliche problemwölfe , die werden bestimmt dann alle bruno heißen. und so mancher hund wird dann wohl als wolf sterben müssen. wer ponys ,bundeswehrsoldaten, liebespaare und andere lebewesen für wölfe hält, damit geschossen werden darf, ist völlig ungeeignet für die angebliche sicherheit in der natur zu sorgen. man sollte den bürgern besser richtiges verhalten in der natur beibringen, anstatt mit dem schießprügel die natur noch unsicherer zu machen.

      • Sie schreiben kompletten Nonsense, Herr Bruns. Mit keinem Wort gehen Sie auf die guten Überlegungen von Herrn Forstdirektor Dr. Schulz ein.

        Sie hätten ebenso gut einfach ein übel müffelndes Blubbblub hersetzen oder – wie Sie es implizite immer tun – behaupten können: „Alle doof, nur ich, Klaus Bruns aus Reppenstedt, nicht!“ Wenn es weniger unbelehrbare Brassköppe wie Sie gäbe, ginge es der Welt besser!

        • Margot Winter
          kleine wette? sie gehen gern auf die jagd? wie ist es, sind sie ehrlich? seeadler und fischadler werden in der gegend um den schalsee mit bleikadaver vergiftet, weil jäger sich nicht an die regeln halten. es ist gerade zum ersten mal gelungen, einen vergifteten adler zu retten. wussten sie, dasss diese adler blind werden und jämmerlich verhungern? sie tun mir leid frau winter, ihr blubb blub kommt mir bekannt vor.

          • zusatz.
            es gibt gerade man nur ein pärchen , was fischadler betrifft am schalsee, sie fressen nur fische , deswegen können jäger zumindest nicht soviel blödsinn machen. aber steinadler und seeadler andere fressen auch mal aaß. und wenn der jäger sein ,,opfer,, nicht wiederfindet , wird es problematisch. blei verstreut sich leicht im körper. und blei vergiftet und macht nicht nur adler blind.

  3. .. @ Margot Winter .. aber warum Herr Bruns nun „kompletten Nonsens“ schreibt , das erfährt man von dir nicht. Also alles wieder nur dumme Polemik von dir.

    • Norbert Kasteinecke

      Trotzdem hätte ich gern von Klaus Bruns eine Quellenangabe zum vorsätzlichen Giftmord an den Fischadlern.

  4. Hallo Klaus Barharn Bruns:

    1.) Es geht hier nicht um die Jagd generell und auch nicht um Bleivergiftungen von Adlern, die zu einem Teil von Munition stammt, die verboten gehört, da kein Projektil Blei enthalten sollte oder darf. Insbesondere auch bleihaltige Teilmantelgeschosse müssen umgehend verboten werden!

    2.) Es geht hier um die Regulierung von Wolfpopulationen, die sich auf Dauer weder von selbst, noch durch gutes Zureden in einem erträglichen Rahmen werden halten lassen. Zu diesem Punkt – der hier das Thema ist (die gefährliche Vertrautheit und das notwendige Vergrämen bzw. Schießen von Raubtieren) – haben Sie, Herr Barhan-Bruns nichts geschrieben, sondern einfach das Thema gewechselt.

    Und da haben Sie ja recht, ein Großteil der vergifteten großen Greifvögel starb an Splittern von bleihaltiger Jagdmunition: http://www.ardmediathek.de/tv/Nordmagazin/Greifvögel-Tod-durch-Bleivergiftung/NDR-Fernsehen/Video?bcastId=25231222&documentId=49238746

    Die Aufnahme von Blei erfolgt bei Greifvögeln über die Nahrung. Hauptsächlich im Winter, wenn der Zugang zu Fischen und Wasservögeln erschwert ist, weicht der Seeadler auf Aas aus, welches er als Fallwild oder als Aufbruch (Organe von erlegten Wildtieren) findet. Aufbrüche und beschossene Wildtiere, die Reste von bleihaltiger Jagdmunition in sich tragen, stellen die wichtigsten Quellen für Bleivergiftungen bei Greifvögeln dar.

    Eine Bleivergiftung wird dann ausgelöst, wenn innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums wenige Milligramm Blei im Magen aufgelöst werden. Das kann aber AUCH durch das Fressen von Aas (Wühlmäuse) geschehen, das hundertmillionenfach in der Nähe stark befahrener Straßen (Autobahnen) aufgrund der eingeatmeten bleihaltigen Abgase verendet ist.

    Anstatt zu mosern und auszuweichen, sollten Sie sich an das von Schulz Geschriebene halten und es, falls Sie das möchten, Punkt für Punkt mit Gründen widerlegen – und anschließend konstruktive Vorschläge für alternative Verfahrensweisen machen!

    Bitteschön! Beginnen Sie damit.

    • Margot Winter
      ich habe es nicht nötig , mich hinter andere nickname zu verstecken, daher, klaus bruns reicht völlig. was sie hier gern trennen wollen, gehört aber leider zusammen. wer soll denn nun schießen? der förster, oder der jäger? ich ändere gern mal das angriff-ziel wenn ich der meinung bin, es geht mal wieder nur in eine richtung. der böse wolf. der böse mensch spielt leider dabei selten eine rolle. sie wissen schon, wie oft wölfe bei uns schon überfahren wurden? sehr waidmännisch geht das nicht vonstatten. ihre behauptung ,die wolfspopulation wird sich nicht selbst regulieren, ist eine behauptung , mehr nicht. das futterangebot regelt vieles, wie sie wissen. und wer gern wildschweine füttert, macht sich kaum gedanken darüber, wer noch alles nutznießer sein könnte. und wer ungeschützt seine fleischtheke zur schau stellt, darf sich nicht wundern, wenn ,,gäste,, sich da in reihe aufstellen. und wer weiß, was es bei uns für beutetiere im wald für den wolf gibt, weiß auch, große rudel werden da nie entstehen können. viel panikmache ist bei diesem thema dabei, finden sie nicht Margot Winter? ich nehme an , es ist nicht ihr echter name? oder soll ich sie helga sommer nennen? schmunzeln.