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Architekt Herbert Buddelmeyer erläutert den derzeitigen Stand der Hallenplanung. Auch Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer, Landrat Manfred Nahrstedt und Ausschussvorsitzender Hans-Georg Führinger (v.l.) hören interessiert zu. Foto: t&w

Warten auf ein Ja des Betreibers

Welche grundlegenden Beschlüsse gibt es bereits?

Der Kreistag hat am 16. Juni 2017 beschlossen, eine multifunktionale Sport- und Veranstaltungshalle an der Lüner Rennbahn zu bauen. Am 22. Juni 2017 beschloss der Lüneburger Stadtrat, sich vertraglich unter anderem mit 40 Prozent der Baukosten zu beteiligen.

Für welchen Zweck wird die Halle gebaut?

Der Fokus liegt auf kommerziellen Veranstaltungen. Die Rede ist von 120 bis 150 pro Jahr. Neben Konzerten zählen auch Heimspiele des Volleyball-Erstligisten SVG Lüneburg als kommerzielle Veranstaltungen. Der Trainingsbetrieb zählt nicht dazu. Ursprünglich war die Antriebsfeder für das Projekt, den Volleyballern eine heimische Spielstätte zu errichten, die ligatauglich ist, um eine Abwanderung nach Hamburg zu vermeiden.

Welche Änderungen an der Bauplanung hat es gegeben?

Unter anderem soll die Hallen­decke nicht nur über dem geplanten Spielfeld erhöht ausgebaut werden, sondern auch über dem Bühnenbereich. Zudem soll die Traglast der Deckenkonstruktion für Technikinstallationen erhöht und leistungsfähigere Stromanschlüsse eingebaut werden. Neu aufgenommen wurde der Bau einer Vollküche. Für den geplanten Catering-Betrieb soll auch der Lastenaufzug größer dimensioniert werden. Abstriche gibt es im Bereich der geplanten Büroräume. Und die Umkleideräume für die Sportler sollen mit mobilem Mobiliar ausgestattet werden, damit der Platz bei Konzerten auch für den Backstage-Bereich genutzt werden kann.

Die bereits von der Stadt Lüneburg erteilte Baugenehmigung soll im laufenden Prozess angepasst werden.

Wie teuer soll die Arena insgesamt werden und wer zahlt?

Der Landkreis geht von Bau- und Planungskosten in Höhe von 10,25 Millionen Euro netto aus. Den Löwenanteil trägt der Landkreis. Die Stadt Lüneburg beteiligt sich mit 40 Prozent an den Kosten, hat ihren Anteil aber gedeckelt. Die Umplanungen kosten weitere rund 400.000 Euro. Für das Grundstück wurden 1,5 Millionen Euro ausgegeben.

Welche Pachteinnahmen erwartet der Landkreis Lüneburg?

Über die mit FKP Scorpio vereinbarten Pachtzahlungen schweigt sich der Landkreis aus. Laut Erstem Kreisrat Jürgen Krumböhmer ist es schon ein Gewinn, wenn der Hallenbetrieb nicht umfangreich bezuschusst werden muss. Andere Kommunen würden jährlich eine sechsstellige Summe draufzahlen. Nach LZ-Information war bereits im Sommer 2017 intern von Pachteinnahmen in Höhe von 180.000 Euro jährlich die Rede. Der Betreibervertrag soll zunächst eine Laufzeit von fünf Jahren haben, mit Option auf Verlängerung.

Welche Kostenrisiken gibt es und wer trägt sie?

Da der Anteil der Hansestadt gedeckelt ist, liegt das volle Kostenrisiko beim Landkreis Lüneburg. Der Baubranche geht es derzeit relativ gut, deshalb steigen auch die Preise für Handwerksbetriebe. Wie sich das auf die Arena-Kosten auswirken wird, werden die Ausschreibungsergebnisse zeigen. Bereits im November hatte Krumböhmer gegenüber der LZ eingestanden: „Wenn die Unternehmen uns die Preise um die Ohren hauen, müssen wir noch mal vor die Politik treten und fragen, ob wir das so wollen.“

Ist der Betreibervertrag schon unterschrieben?

Immer noch nicht. Ursprünglich sollte der ausverhandelte Vertrag mit FKP Scorpio bereits im Sommer 2017 den Kreistagsgremien zum Beschluss vorgelegt werden. Doch die Verhandlungen zogen sich hin. Die Ausschreibung für den Arenabetrieb hatte der Konzertveranstalter gewonnen, als der bis über beide Ohren in der Festivalsaison steckte und unter anderem das Rolling-Stones-Konzert im Hamburger Stadtpark vor der Brust hatte. Nach einer zwischenzeitlichen Gesprächspause stiegen beide Seiten in die Umplanung des Arena-Entwurfs ein. Ende 2017 standen noch juristische Fragen zur Klärung an, die Präsentation des Vertrags wurde ein ums andere mal verschoben. Zuletzt sollten Berechnungen des Konzertveranstalters abgewartet werden, der für den Betrieb einen Businessplan erstellt.

Wie soll die Arena heißen?

Der Arbeitstitel lautet bisher „Arena Lüneburger Land“. Der künftige Name hängt davon ab, welcher Hauptsponsor dafür gewonnen wird. Die Kreisverwaltung geht bislang davon aus, durch Namenssponsoring einen Teil des Inventars zu finanzieren. Im Raum steht eine Summe in Höhe von rund 800.000 Euro.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Derzeit werden die ersten Ausschreibungen vorbereitet. Die Ausschreibung für die Erdarbeiten soll ab 2. März beginnen – das Auftragsvolumen beträgt geschätzte 180.000 Euro. Und ab 22. März soll die Ausschreibungsfrist für den Rohbau beginnen bei einem Auftragsvolumen von rund zwei Millionen Euro. Läuft alles glatt, könnte der Baubeginn im August erfolgen. Die Fertigstellung des Baus würde dann im August 2019 erwartet. Der Betrieb könnte dann im Herbst 2019 starten.

Wird es in der Arena einen Sportboden geben?

Ja, einen mobilen. Als Grundboden wird auf Beton gesetzt, damit auch schwere LKW größere Bühnenaufbauten für einzelne Konzerte direkt in die Halle fahren können. Die Verlegung des mobilen Sportbodens koste jedes Mal 4000 bis 5000 Euro. Für einen Trainingsbetrieb würde sich das wohl kaum lohnen.

Welches Gewicht haben die Volleyballer beim Hallenbetrieb?

Offiziell haben sie aus Sicht des Landkreises „oberste Priorität“. Praktisch werden sie aber nur die zweite Geige spielen. Das hängt mit den Planungen des Konzertveranstalters als Betreiber zusammen. „Der Buchungsvorlauf für Kulturveranstaltungen ist ab einem bestimmten Niveau meist länger als die Festlegung des Rahmenspielplans oder des konkreten Spielplans der Volleyball-Bundesliga“, sagt Krumböhmer. Ein Direktzugriffsrecht der Volleyballer sei bisher nicht gefordert worden. Im Klartext: Wenn die Halle nicht schon längerfristig für große Konzerte verplant ist, können die Volleyballer ihre Heimspiele dort austragen. Und auch der Trainingsbetrieb ist nur nach Absprache mit dem Betreiber und bei freien Hallenkapazitäten möglich.

Welche Rolle spielt Schulsport bei der geplanten Arena?

So gut wie keine mehr. Durch den zwischenzeitlichen Bau der neuen Sporthalle an den Berufsbildenden Schulen (BBS) gebe es nun gar keinen Bedarf mehr für Schulsportunterricht in der Arena, so Krumböhmer. Denkbar seien noch schulübergreifende Ballsportturniere.

Wie wird das Parkplatzproblem gelöst?

Rechtlich erforderlich sind 700. Auf und neben dem Gelände sind zirka 500 Parkplätze. Der restliche Bedarf soll über einen Shuttle-Service abgedeckt werden, der im Ticketpreis für große Veranstaltungen enthalten sein soll. Ungeklärt sind die Folgen für die Kreuzung Lüner Rennbahn.

Von Dennis Thomas

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4 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen Bericht, Herr Thomas!

    Das ist meines Erachtens guter Journalismus: Sie sammeln Fakten, Sachstände und Aussagen, ergänzen diese behutsam um eigene Einschätzungen. Sie verschaffen so einen Überblick, der eine sachliche Abwägung erlaubt – in der Politik wie in der Bürgerschaft.

    Faktisch betreibt Herr Krummböhmer als Erster Kreisrat hier seit Sommer 2016 eine Immobilien-Projektentwicklung einer Spezialimmobilie, die keinen wirtschaftlichen Betrieb beabsichtigt, sondern Unterhaltung für Lüneburg an jedem dritten Tag im Jahr, für fünf Jahre gesichert, falls der Konzertveranstalter jetzt einen Betreibervertrag unterzeichnet.

    Diese Immobilien-Projektentwicklung wird in einem Gewerbegebiet jenseits der Autobahn realisiert, also einem Standort, der vom Bahnhof und der Innenstadt aus nicht zu Fuß und (wohl von den meisten Besuchern) auch eher nicht per Fahrrad erreicht wird.

    Der Standort ergibt sich daraus, dass diese Immobilien-Projektentwicklung von dem OB der Stadt Lüneburg gemeinsam mit einem lokalen Projektentwickler festgelegt wurde, als die Gelegenheit günstig erschien, endlich für die SVG eine neue Sporthalle zu bauen, deren Zweck vor allem damit begründet wurde, dass öffentlicher Schulsport und Bundesliga-Volleyball eine neue Heimat benötigen.

    Dank Ihrer Auflistung kann nun jeder nachlesen, wie in Lüneburg Stadt und Kreis seit Jahren agieren im Bereich der Stadtentwicklung. Anfangs müssen politische Beschlüsse immer schnell gehen, dann hört man lange Zeit nichts Verbindliches mehr.

    Ergänzen ließe sich der Hinweis: So kurzsichtig wie bei diesem Arena-Projekt agiert und geplant wird, so verkürzt begründet und argumentiert wird, genau so wird auch bei dem Wohnungsbauprojekt Wienebüttler Weg der Elephant im Raum verschwiegen:

    Die Neuerschließung dieser Stadterweiterungsfläche muß unbedingt eine Straßenverbindung zwischen Hamburger Straße bis nach Volgershall mitplanen, denn der Pkw-Innenstadtverkehr überlastet bereits längst die Innenstadtstraßen, wie auch Anlieger ja monieren. Doch nun werden weitere Bewohner angesiedelt, ohne dabei die letzte Chance zu einer überfälligen gesamtstädtischen Straßenkonzeption zu nutzen!

    Aber natürlich würden alle aufschreien, wenn eine – oh Gott! – Umgehungsstraße mitgeplant würde, die den Verkehr im Norden und Westen der Innenstadt zwischen Domstadt Bardowick – Autobahnanschluss – Schlafstadt Reppenstedt umweltverträglich aufnehmen würde.

    Kurze Sicht und Nachhaltigkeit sind eben bei Projektentwicklungen klar zu unterscheiden: das erste ist übliche Praxis in der öffentlichen Darstellung politischer Entscheidungen – das zweite ist langfristig erforderlich und politisch unerlässlich, aber es bringt keine Beliebtheitspunkte der agierenden Entscheidungsträger.

    Ich wünschte mir mehr Mut zu Ehrlichkeit für langfristig sinnvolle Städtebauprojekte. Auch gegen kurzfristige Interessen nach dem St.-Florians-Prinzip.

    Danke daher noch einmal für diesen klaren journalistischen Beitrag!

    • Sehr geehrter Herr Lüneburger,

      am auffälligsten ist doch, wie wenig Konkretes bisher feststeht. Eigentlich nichts. Vor dem Hintergrund der vielen anstehenden Planungsänderungen und den sehr teuren, bisher noch gar nicht exakt bezifferbaren Anpassungen von Straßen- und Parkraum ist eine Kostenverdoppelung (statt 12 dann 24 Mio. Euro) aber mehr als wahrscheinlich. Die sogenannte „Deckelung“ der Stadt ist reine Fiktion und Augenwischerei. De facto und de jure gibt es keinen Deckel. Verbindlich zugesagt ist eine 40 prozentige Beteiligung unabhängig von den tatsächlichen Kosten. (Was macht eigentlich Jürgen Salliers Architekt Herbert Buddelmeyer immer noch unter den Arenaioniken? Müsste die Bauplanung nicht längst europaweit ausgeschrieben und neu besetzt sein?)

      Angesichts dieser unglaublichen Schildbürgerei ist der irre, von Herrn Schulz heute Morgen an anderer Stelle gepostete Beitrag herrlich aufschlussreich:

      OB Mädge, heißt es dort, „widerspricht sensationell allen Pro-Arena-Argumenten: ‚Eine Stadthalle kostet 25 bis 30 Millionen Euro, nochmal zehn Prozent dieser Summe pro Jahr kommen an Folgekosten hinzu‘, rechnet Mädge vor. Anderswo seien Stadthallen Verlustgeschäfte, mit jährlich rund einer Million Euro Zuschuss kalkulierte die Verwaltung in Lüneburg. ‚Das ist bei der der zeitigen Haushaltslage nicht darstellbar, wir brauchen das Geld für Straßen, Schulen, Kitas, Brücken und Museen‘, sagt Mädge und wird noch deutlicher: ‚Unter die Pläne für eine Stadthalle mit 3000 Plätzen und mehr müssen wir vorerst einen Schlussstrich ziehen.‘ Mit der kleineren Lösung Audimax ist der Oberbürgermeister auch zufrieden: ‚Wer Großkonzerte sehen will, kann heute bequem nach Hamburg fahren. In den meisten Tickets ist der HVV-Tarif schon drin.'“
      Aus der LZ vom 17.März 2008

      Gefunden bei Bembel/Jenckel: https://jj12.wordpress.com/2017/12/06/event-halle-auf-treibsand-geplant/#comment-1507

  2. Klasse Kommentare zu dieser Tragödie.

  3. Bundesliga trifft auf Kreisklasse
    Franz-Josef Kamps (SPD) „Das ist eine Halle die nicht für einen Volleyballverein gebaut wird …… sondern das ist eine Halle für alle Sportarten hier und für Veranstaltungen in unserer Region.“ (Bei der Beschlussfassung des Kreistages Juni 2017 zur Arena Lüneburger Land.)
    Und heute? Kreisrat (Kreisklasse) Krumböhmer stellt gegen den Beschluss des Kreistages Juni 2017 fest, dass die Arena ohne den Betreiber FKP Scorpio („Bundesliga“ der Veranstalter) nicht gebaut wird. Woher hat er die Legitimation gegen den Kreistagsbeschluss so zu handeln?
    Ohne Businessplan, ohne Vertragsunterschrift, aber mit teuren Änderungsforderungen entgegen der Ausschreibung, läßt sich die Lüneburger Kreisklasse vom Bundesligisten über den Tisch ziehen.
    Wer hat, angesichts der Nähe zu Hamburg, in Lüneburg den Bedarf an Großveranstaltungen mit angeblichen Weltstars (120-150 pro Jahr) glaubhaft bekundet?
    Eigentlich wollten viele doch nur einen Raum der es endlich wieder ermöglicht „größere“ Veranstaltungen in Sport und Kultur durchzuführen. Nach jahrzehntelanger Untätigkeit der regionalen Politik seit Zerstörung der Nordlandhalle ist der Wunsch sicherlich legitim gewesen und durch die Bundesligavolleyballer ins rollen gebracht worden.
    Eine Räumlichkeit für die Veranstaltungen der Region Lüneburg sollte es werden. Könnte es sein, dass der Kreisrat bewußt durch größenwahnsinnige Ausbreitung des Objektes dieses zum scheitern bringen will um das dann den ablehnenden Politikern in die Schuhe zu schieben?
    Ist der Begriff „Konzerthalle“ im Artikel der LZ vom Freitag 16.02.18 nur versehentlich darein gekommen oder schon das Signal, dass man nicht mehr eine „Veranstaltungshalle“ bauen will.
    Wer gewinnt im Sport wenn Bundesliga auf Kreisklasse trifft?

    Danke Herr Hagemann für die Erinnerung an die Aussage des OB. Dazu soviel: was ist der Unterschied zwischen einem hässlichen Zweckbau Lüneburger Museum oder Libeskindbau und einer der Bevölkerung dienenden Veranstaltungshalle? Das Museum genauso wie der Libeskindbau arbeiten nicht wirtschaftlich d.h. gewinnbringend. Sie werden nur von einem kleinen Bevölkerungsteil (weit kleiner als der Teil der Konzerte, Sport- und sonstige Veranstaltungen besucht) genutzt. Aber das eine ist die alte Kulturvorstellung, dass andere die Ausgeburt eines Stararchitekten, dem es gelang die Lüneburger Kreisklasse zu umgarnen. Der wirtschaftlichen Schaden auf Kosten der Bürger hat man da hingenommen.

    Thomas Koch

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