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Immer mehr Kühe auf immer weniger Betrieben. Das ist ein Trend, der auch vor dem Landkreis Lüneburg nicht halt macht. Ein Grund: die häufigen Preiskrisen. Foto: t&w

„Die nächste Krise zieht an“

Scharnebeck. Hans-Helmut Stuck ist ein Mann klarer Worte. Jedes Jahr im Feburar tritt er als Molkerei-Vertreter mit einer Prognose vor die Mitglieder der Lünebu rger Milcherzeugergemeinschaft. „Kein Licht am Ende des Tunnels“, prophezeite er 2016. „Noch nicht über den Berg“, hieß es 2017. Am Dienstag stand er bei der Mitgliederversammlung im Scharnebecker Hotel Europa erneut am Mikrofon und redete auch in diesem Vortrag zu „aktuellen Entwicklungen auf dem Milchmarkt“ nicht drumherum: Der nächste Einbruch der Milchpreise sei absehbar. „Außerdem sollten Sie mit mehr politischen Auflagen und weniger politischer Unterstützung rechnen!“

Die Landwirte schwiegen, einige nickten, andere schenkten sich eine neue Tasse Kaffee ein. Sie sind die schlechten Nachrichten längst gewöhnt, kennen sich aus mit langen Tiefpreis- und kurzen Hochpreisphasen, haben akzeptiert, dass sie mit jedem Jahr weniger werden. Acht Mitglieder hat die Milcherzeugergemeinschaft allein 2017 verloren. Manche haben die Molkerei gewechselt, andere für immer das Handtuch geworfen. Geblieben sind aktuell 53 Bauern, die ihre Milch an das Lüneburger Hochwald-Werk liefern.

Für besonders gute Milchqualität ehrten Christian Mauer (l.), Ottfried Wolter und Gerhard Müller (v.r.): Rolf Müller aus Gödenstorf, Kornelia Stegen aus Holzen und Henning Böther aus Echem. Foto: t&w
Für besonders gute Milchqualität ehrten Christian Mauer (l.), Ottfried Wolter und Gerhard Müller (v.r.): Rolf Müller aus Gödenstorf, Kornelia Stegen aus Holzen und Henning Böther aus Echem. Foto: t&w

Bezahlt hat die Molkerei dafür 2017 im Schnitt 33,15 Cent pro Liter. Fast acht Cent mehr als im Krisenjahr 2016, aber deutlich weniger als andere Molkereien. Vor allem die hohen Butter- und Käsepreise haben in einigen Regionen für Milchauszahlungspreise von bis zu 40 Cent pro Liter geführt. Die Lüneburger Milchbauern hatten als Lieferanten einer vor allem auf Joghurt spezialisierten Molkerei das Nachsehen. „Dafür wird unser Milchpreis im Februar einer der höchsten in der Region sein“, sagte Stuck.

Wie es danach weitergeht mit den Milchpreisen, kann mit Gewissheit auch Stuck nicht vorhersehen. Doch alle Zeichen deuten auf einen erneuten Einbruch. „Die stabilen Milchpreise haben weltweit für eine Ausweitung der Produktion geführt“, berichtete er. Die Folgen: „Der Absatz sinkt, der Weltmarkt stagniert, ist vielleicht sogar rückläufig.“ Das immer gleiche Auf und Ab.

Ähnlich ernüchternd sieht es auf dem deutschen Markt aus. „Zu glauben, dass sich hier bessere Preise durchsetzen lassen, ist eine Illusion“, sagte Stuck. Kaum hätten die Preise für Milchprodukte im letzten Jahr angezogen, sei der Absatz gesunken. „5 Prozent waren es weniger bei der Milch, 10 Prozent bei der Butter.“ Der Binnenmarkt als Alternative zum Weltmarkt? „Das wird vielleicht von manchen gefordert“, sagte Stuck, „aber es funktioniert nicht.“

„Nicht positiv, nicht dramatisch.“ Das ist Stucks Kurz-Prognose für 2018. Deutlicher formulierte es in diesem Jahr der Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft, Ottfried Wolter: „Die nächste Krise zieht an.“

Von Anna Sprockhoff

Milchprodukte aus Lüneburg

Griechischer Joghurt der Renner

Die Deutschen essen weniger Joghurt, „um 3,4 Prozent ist der Absatz im vergangenen Jahr gesunken“, berichtete der Leiter der Lüneburger Hochwald-Molkerei, Christian Mauer. Einbußen gab es vor allem beim Fruchtjoghurt, „der Trend geht zum Naturjoghurt“. Im Lüneburger Werk ist mit 77 Prozent nach wie vor der Griechische Joghurt der Renner, die Lünebest-Produkte hingegen tun sich schwer und machen nur noch einen Anteil von 10 Prozent aus. Insgesamt wird die Hochwald-Molkerei 2018 voraussichtlich 345 Millionen Becher und 100 verschiedene Artikelarten produzieren. Beschäftigt sind bei Hochwald in Lüneburg insgesamt 129 feste Mitarbeiter, zehn Auszubildende und zehn Zeitarbeitskräfte.