Donnerstag , 20. September 2018
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Die Spieler der SVG beim Abklatschen mit ihren Fans. (Foto: A/Daniela Behns)
Die Spieler der SVG beim Abklatschen mit ihren Fans. (Foto: A/Daniela Behns)

Arena wäre ohne Volleyballer wirtschaftlicher

Lüneburg. Dass die Arena nur mit dem Konzertveranstalter FKP Scorpio als Betreiber gebaut werden sollte, daran lässt Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer keinen Zweifel. Doch wie sieht es anders herum aus? Die LZ wollte vom Landkreis wissen: Inwiefern würde das Arena-Projekt gefährdet, wenn die Volleyball-Erstligisten SVG Lüneburg aus dem Vorhaben aussteigen sollten? Dazu sagt Lüneburgs Kreissprecherin Katrin Holzmann: „Es besteht der große Wunsch und es würde uns sehr freuen, wenn die SVG hier bei uns in Lüneburg ihre Spielstätte finden würde. Betriebswirtschaftlich aber entsteht aus den SVG-Heimspielen kein positiver Deckungsbeitrag.“ Kurzgefasst: Das Arena-Projekt wäre ohne die SVG sogar wirtschaftlicher.

Dennoch wollte die LZ wissen, ob bei den Kosten des mobilen Bodens nicht eine andere Variante möglich ist, um die SVG finanziell zu entlasten und damit doch noch im Boot zu halten. SVG-Geschäftsführer Andreas Bahlburg sagt: „Wir haben die Probleme aufgezeigt, die uns dazu bewegen könnten, nicht mehr in die Halle zu gehen, weil es für uns unter den genannten Bedingungen sportlich und finanziell nicht darstellbar wäre.“

Wer bezahlt den Umbau des mobilen Hallenbodens?

Bauchschmerzen bereitet der SVG vor allem der Umgang mit dem mobilen Hallenboden. Bahlburg: „Wenn ich die Bodenverlegekosten auch für den Trainingsbetrieb aufs Jahr hochrechne, ist das für uns ein utopischer Betrag, den wir nicht leisten können.“ Anders wäre die Lage, wenn sich das Verhältnis umkehren würde und der mobile Boden standardmäßig als gesetzt gelten würde. Dann müsste der Arena-Betreiber die Kosten für Ab- und Aufbau des Sportbodens tragen. Bahlburg dazu: „Das wäre für uns ideal.“ Dazu sagt Kreissprecherin Holzmann: „Die Idee ist uns bekannt. Es entstehen bei jeder Variante Kosten für den Umbau des Bodens, die jemand tragen muss. Das ist Gegenstand der Vertragsverhandlungen, und ihre Interessen kann die SVG im persönlichen Gespräch einbringen.“

„Aus den Heimspielen der SVG entsteht kein positiver Deckungsbeitrag.“ Katrin Holzmann, Sprecherin Landkreis Lüneburg

Darüber hinaus darf der Kreis aus Gründen des Beihilferechts den Volleyballern finanziell nicht unter die Arme greifen. Zumal nicht der Verein, sondern deren angegliederte Sportbetriebsgesellschaft offiziell als Hallennutzer auftreten würde. Dazu heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme des Kreises: „Würde eine kostenlose Nutzungsüberlassung geregelt, wäre dies erst einmal rechtswidrig. Denn der Landkreis würde aus Steuermitteln für einen Zweck, der nicht zu seinem Aufgabenkreis zählt, einem Privatunternehmen eine Zuwendung gewähren.“ Aus der Traum.

Auch bei den externen Parkplätzen für den Shuttle-Service hatten sich die Träume in Luft aufgelöst, das Kino-Parkhaus an der Bockelmannstraße nutzen zu können, um den Rest der insgesamt 700 vorgeschriebenen Parkplätze für die Arena nachzuweisen. Doch inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass das Kino-Parkhaus vor allem abends, parallel zu möglichen Konzerten, gut von Kinobesuchern genutzt wird. Nun sei der Shuttle-Service mit der Anlaufstelle am Bahnhof vorgesehen. „Da bestehen auch Überlegungen, das Pendlerparkhaus zu benutzen“, sagt Holzmann. Das Parkhaus am Bahnhof sei am Wochenende nicht ganz so voll. Aber: „Es stehen noch weitere Ideen im Raum“.

Finanzierung auf 20 Jahre angelegt

Kopfzerbrechen bereitet noch ein anderes Problem. Sollte der vom Landkreis Lüneburg favorisierte Konzertveranstalter FKP Scorpio den Betreibervertrag unterschreiben, hätte der eine garantierte Laufzeit von nur fünf Jahren. Sollte sich das Projekt Konzerthalle wider Erwarten als nicht rentierlich erweisen, stünde der Kreis dann ohne Betreiber da mit einer noch nicht abbezahlten Arena, deren Finanzierung auf 20 Jahre angelegt ist.

Dabei hätte der Kreis für eine längere Vertragslaufzeit, beispielsweise mindestens zehn Jahre sorgen können. Jedoch: „Bei zehn Jahren hätten wir europaweit ausschreiben müssen“, sagt Holzmann auf LZ-Nachfrage. Sie begründet aber nicht, warum das nicht geschehen ist. Dabei dürfte vergangenes Jahr die Zeit ein Faktor gewesen sein, auf eine langwierige europaweite Ausschreibung zu verzichten. Da galt schließlich noch das Anliegen als dringend, den Volleyballern so schnell wie möglich eine Heimspielhalle zu bauen.

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Von Dennis Thomas

6 Kommentare

  1. Anfangs wurde der geplante Bau der „Arena“ mit der Schaffung einer Bundesligatauglichen Halle für die SVG (was ich anderen Vereinen gegenüber etwas unfair fand) und zusätzliche Halle für Schul- und Breitensport angepriesen. Ergänzend sollte sie auch Events und Künstlerauftritten dienen. Doch die Prioritäten haben sich offensichtlich verlagert. Jetzt scheint es nur noch um die kommerzielle Nutzung der Halle durch Konzerte, andere Künstlerauftritte und vielleicht Partyevents zu gehen. Wunderbar dazu der Satz von Lüneburgs Kreissprecherin Katrin Holzmann: „Es besteht der große Wunsch und es würde uns sehr freuen, wenn die SVG hier bei uns in Lüneburg ihre Spielstätte finden würde. Betriebswirtschaftlich aber entsteht aus den SVG-Heimspielen kein positiver Deckungsbeitrag.“ War es vielleicht von Beginn an geplant der SVG das Interesse an der Nutzung der Halle durch zu hohe Kosten (unglückliche Bodenbeschaffenheit) zu nehmen? Aber warum hat man es dann als Argument genutzt? Um die Bürger zu täuschen?
    Auch externe Parkplätze für einen Shuttle-Service sind noch nicht gefunden. Aber es wird weiter geplant und mit einem Betreiber verhandelt. Irgendwie kommt mir das so vor als wird hier ein Pferd von hinten aufgezäumt. Es entwickelt sich langsam zur Posse. Wenn es nicht schon eine ist. Und meine Befürchtung dabei was es noch werden kann… Ein Millionengrab für Stadt und Landkreis.
    Und damit komme ich zu einem entscheidenden Punkt. Beruflich bedingt kannte ich auch einige Künstler die früher in der Nordlandhalle aufgetreten sind. Und dort machte der Spruch die Runde: Einmal Nordlandhalle Lüneburg, nie wieder Lüneburg. Es war eine gauenvolle Akkustik, denkbar schlechte Voraussetzungen für akzeptable Künstlergarderoben und immer wieder ein riesiges (Transport-) Problem für die Techniker.
    Wenn jetzt also kommerzielle Veranstaltungen aus der Unterhaltungs- und Künstlerbranche im Focus stehen, dann darf man um himmels willen nicht weiter eine Sportarena planen, sondern muss ganz andere Aspekte in der Planung berücksichtigen. Und das dürfte die Kosten weiter nach oben treiben. Na ja. Der Libeskindbau war anfangs auch mit 50 Mio. veranschlagt.
    Aber muss man jetzt wirklich zwingend für FKP Scorpio eine Veranstaltungshalle bauen nur weil ein Grundstück erworben wurde? Zumal zunächst nur ein Betreibervertrag über fünf Jahre abgeschlossen werden soll. Ist das ein sorgfältiger und verantwortungsvoller Umgang mit Steuergeldern? Ich habe da große Zweifel.

    • Heidi,

      die SVG-GmbH von Andreas Bahlburg ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen der Unterhaltungsbranche mit klaren kommerziellen Gewinnzielen. Würde für Herrn Bahlburg eine kostenlose Nutzungsüberlassung geregelt, wäre dies rechtswidrig. Denn der Landkreis würde aus Steuermitteln für einen Zweck, der nicht zu seinem Aufgabenkreis zählt, einem Privatunternehmen eine erhebliche Zuwendung (sprich ein Geschenk in Millionenhöhe) gewähren. (Außerdem ist Herr Bahlburg, der immer nur fordert, aber nichts zu geben hat, bis heute nicht in der Lage, anhand von belastbaren Zahlen zu belegen oder auch nur wahrscheinlich zu machen, ob, dass, wie und in welchem Umfang seine Volleyball-Unternehmung eventuell zur Image- oder Standortaufwertung Lüneburgs auch nur das Allergeringste beitragen kann.)

      • „Die Arena muss sein; der Verein hat sie verdient; die Politik will es so; die Region wird profitieren; Veranstaltungssegen; Lebensqualität; Motivationsaspekt; Besucherzahlen; bla, bla, bla …“

        Alles Gerede! Reines Wunschdenken! Keine dieser Behauptungen können Sie mit Zahlen und Fakten unterfüttern, wie es auch Herr Bahlburg und Herr Hoppe (und Herr Krumböhmer) nicht können. Nicht einmal, dass es „die Politik“ (und nicht allein Herr Mädge) so will (und alle anderen es bloß haben wollen müssen: http://www.luenepost.de/lokales/bekommt-lueneburg-eine-neue-sport-und-stadthalle/)!

        Nichts kommt von Ihnen zu den berechtigten Einwänden gegen diese finanziell und stadtplanerisch schildbürgerlich hanebüchene Winkelanfertigung zugunsten von ökonomischen Sonderinteressen: die Enge des Schlachthofgeländes ist der falsche Ort für eine Multifunktionsarena, das finanzielle Engagement von Stadt und Kreis ist nicht gerechtfertigt, es fehlt ein GEMEINWOHLDIENLICHES Nutzungskonzept, es fehlt eine valide Bedarfsanalyse, es fehlt immer noch ein überzeugendes Betreiberkonzept, ein Verkehrskonzept ist nicht zu erkennen, ebensowenig eine belastbare verbindliche Kostenplanung. Die Befürchtung, neben dem Millionen vertilgenden Zinkplattenmonstrum, das sein Riesenmaul senkrecht zur Uelzener Straße aufreißt, werde bald ein zweites Euro-Loch unter den hanseartigen Haushaltskassen klaffen, scheint mehr als berechtigt.

        Stattdessen verkehren Sie die Begründungspflichten, entlasten „Politik“ und SVG-Management davon, ihre euphorischen, goldglitterumflorten Prophezeiungen, die mit dem Ansehen apodiktischer Gewissheiten vorgetragen werden, endlich mit Tatsachen und realem Anhalt zu beglaubigen, und fordern von kritischen Beobachtern den Nachweis, wie sich deren Skepsis mit empirischen Daten erhärten lässt. Sie würdigen Zweifler zu Bedenkenträgern und Missgünstigen herab, Sie unterstellen Neid und Blockadementalitäten, und ignorieren einfach, dass alle Diskutanten (und Onkel (hihi!)) immer betont haben, den Volleyball und seine Lüneburger Vertretung NICHT gering zu schätzen — sondern nur eine für den Lüneburger Sport insgesamt langfristig ökonomisch (und ökologisch) sinnvolle Gesamtlösung zu befürworten und nicht ein blödes, teures Stückwerkgestümper zugunsten der wirtschaftlichen Anliegen von zwei sozialdemokratischen „Parteifreunden“!

  2. Ich bin der Ansicht, Stadt und Kreis haben bei solchen Projekten überhaupt rein gar nichts verloren. Es handelt sich vor allem bei der Arena m. E. um die rein private Angelegenheit zweier Unternehmers aus dem Entertainment-Business, die keinerlei Ansruch auf öffentliche Unterstützung haben. Das gleiche würde für ein reines LSK-Stadion gelten.

    Allerdings gibt es hier vier wesentliche Unterschiede zu beachten:

    1. Jedes Detail des sogenannten Arena-Projektes mieft nach Vetternwirtschaft. Wer den ersten Anlauf verfolgt hat, weiß, dass nur der plötzliche Abbruch den Auftritt der Staatsanwaltschaft verhindern hat. Lassen wir mal das Bubenstück mit den „Investoren“ beiseite. Das Grundstück, auf dem gebaut werden soll, ist komplett ungeeignet für die beabsichtigten Zwecke. Die Kosten der Finanzierung sind nicht beherrschbar. Und die städtische Bezuschussung aus dem Bildungs- und Sporthaushalt unzulässig: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/980422-arena-lueneburger-land-4

    2. Anders als monatelang behauptet, dient die Arena nicht dem Gemeinwohl, sondern ausschließlich den kommerziellen Interessen von SVG und Betreiber. Weder Schul- noch Vereins- oder Breitensport werden die Arena nutzen können.

    3. Der LSK, liebe Heidi, ist ein Lüneburger Traditionsverein mit einer glanzvollen sportlichen Tradition. Daran wird die SVG in fünfzig Jahren nicht heranreichen. Und – der LSK spielt in der Regionalliga! Sie dürfen sicher sein, schon in der dritten Liga würden sich die jetzigen Zuschauerzahlen verzehnfachen. Würde der LSK – wie die SVG jetzt – in der ersten Bundesliga spielen, würden wir von dreißig bis sechzigtausend Besuchern reden.

    4. Es werden vermutlich deutlich mehr als 15 Millionen Euro in ein Marketing-Vorhaben gepulvert, dessen Untauglichlichkeit abzusehen ist, da die Umgebung weder den aufkommenden Verkehr verkraften wird, noch einen zukunftsfähigen Ausbau der Anlage erlaubt.

    Jeder klar denkende Mensch mit ein wenig Umsicht würde für einen Sportpark mit Stadion, Arena, Trainingsplätzen, Freizeitanlagen sowie mit Hotel- und Gastronomiebetrieben plädieren, in denen alle Ballsportarten und vielleicht sogar die Leichtathletik ein Zuhause finden könnten. Die egozentrisch eingetütete Spezialanfertigung für ein mikroskopisches Sonderklientel, über die wir hier streiten, verhindert diesen Weg auf Jahre hinaus. DAS ist die Katastrophe im Gefolge dieser mutlosen Schmierenkomödie.

  3. Mädge begräbt Hallenpläne

    Der OB widerspricht sensationell allen Pro-Arena-Argumenten: „Eine Stadthalle kostet 25 bis 30 Millionen Euro, nochmal zehn Prozent dieser Summe pro Jahr kommen an Folgekosten hinzu“, rechnet Mädge vor. Anderswo seien Stadthallen Verlustgeschäfte, mit jährlich rund einer Million Euro Zuschuss kalkulierte die Verwaltung in Lüneburg. „Das ist bei der der zeitigen Haushaltslage nicht darstellbar, wir brauchen das Geld für Straßen, Schulen, Kitas, Brücken und Museen“, sagt Mädge und wird noch deutlicher: „Unter die Pläne für eine Stadthalle mit 3000 Plätzen und mehr müssen wir vorerst einen Schlussstrich ziehen.“ Mit der kleineren Lösung Audimax ist der Oberbürgermeister auch zufrieden: „Wer Großkonzerte sehen will, kann heute bequem nach Hamburg fahren. In den meisten Tickets ist der HVV-Tarif schon drin.“
    Aus der LZ vom 17.März 2008
    Gefunden bei Bembel/Jenckel: https://jj12.wordpress.com/2017/12/06/event-halle-auf-treibsand-geplant/#comment-1507

    MfG, Adrian Schulz

  4. Was bedeutet dieser Hallenboden für andere Sportarten? Ich kenne einige Fußballvereine, die sich darauf freuen in so einer Halle Zuschauerstarke Hallenturniere abzuhalten. Sind das völlig falsche Hoffnungen? Ist ein Sportbodenbelag für andere Sportarten außer Volleyball gar nicht vorgesehen? Im übrigen möchte ich anmerken, dass der SVG als Verein diese Halle nicht benötigt, sondern nur die in der Kapitalgesellschaft geführte erste Mannschaft in der Bundesliga. Würde diese Mannschaft, die fast ausschließlich aus externen Spielern besteht auseinander fliegen oder absteigen, würde die Arena für Volleyball nicht mehr benötigt. Wäre es da nicht gut alternative Veranstaltungen im Sport mit einzuplanen? Vielleicht wies wirklich gut mal eine Dachanhebung der Gellersenhalle durchzurechnen, dann stände Geld für einen Sportpark zur Verfügung.