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Margitta Glienke steht an dem Pfosten, der sich vergangene Woche nicht entriegeln ließ. Der Rettungsdienst muste daher zu Fuß ihren Mann versorgen, der sich den Oberschenkel gebrochen hatte. (Foto: kre)
Margitta Glienke steht an dem Pfosten, der sich vergangene Woche nicht entriegeln ließ. Der Rettungsdienst muste daher zu Fuß ihren Mann versorgen, der sich den Oberschenkel gebrochen hatte. (Foto: kre)

Störrischer Pfosten stoppt Rettungswagen

Lüneburg. Wolf-Dieter Glienke ist nach den Worten seiner Frau ein routinierter Läufer. Doch am vergangenen Sonnabend wäre dem Lüneburger sein Hobby fast zum Verhängnis geworden. Auf seiner täglichen Laufrunde war der „Mann mit der roten Mütze“, wie er sich selbst beschreibt, ins Straucheln geraten und dabei so schwer gestürzt, das er sich den Oberschenkel brach. Bewegungsunfähig lag er nun – bei Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt – auf dem Schotterweg unterhalb des KVG-Betriebsgeländes. Mindestens 20 Minuten rief Glienke laut um Hilfe. Glück im Unglück: Ein Anwohner hörte schließlich die Hilfeschreie und alarmierte den Rettungsdienst. Doch der hatte Schwierigkeiten, den Verletzten überhaupt zu erreichen.

Beinbruch beim Joggen

Der Grund: Dort, wo die Zufahrt zum KVG-Betriebsgelände endet und der Schotterweg beginnt, hat die Stadt den Weg mit einem Pfosten gesperrt. Mit einem Dreikantschlüssel lassen sich solche Sperrpfosten gewöhnlich auch entriegeln und umlegen, sodass die Rettungskräfte ohne Probleme den Einsatzort erreichen. Doch dieser Pfosten trotzte allen Bemühungen der ASB-Sanitäter. Er blieb standhaft stehen und versperrte dem Rettungswagen die Weiterfahrt zum Verletzten. Über die Gründe kann Frank Maruhn vom ASB nur mutmaßen: „Möglicherweise war Wasser in die Arretierung des Sperrpfostens gelaufen und aufgrund der Minusgrade zu Eis gefroren.“

Der Besatzung des Rettungswagens blieb also nichts anderes übrig, als den Wagen vor dem Sperrpfosten stehen zu lassen und den Verletzten zu Fuß auf einer rollenden Trage zum Wagen zu bringen. Gut 150 Meter und das im wahrsten Sinne über Stock und Stein. Eine ziemlich schmerzhafte Erfahrung für den Patienten, „denn diese Tragen sind für unebene Wege nicht gebaut“, erklärt Maruhn. Solche Einsätze kämen zum Glück nur selten vor, trotzdem äußert der ASB-Einsatzleiter dann doch einen Wunsch: „Wenn die Stadt sich dazu entscheidet, Straßen und Wege durch Poller und Pfosten zu sperren, dann wäre es gut, das auch den Rettungsdiensten mitzuteilen.“

„Normalerweise kein Wartungsbedarf“

Und im Übrigen gelte: Wer Poller und Sperrpfosten aufstellt, ist auch für deren Wartung verantwortlich. „Wir haben die Kollegen, die sich um die Sperrpfosten kümmern, gebeten, sich die Situation vor Ort anzusehen“, sagt Ann-Cathrin Behnck vom Pressereferat der Stadt Lüneburg auf LZ-Anfrage. Klappbare Sperrpfosten seien mit einer Dreikantschließung versehen, „daher bestehe normalerweise kein Wartungsbedarf“, erklärt Behnck. Feuerwehr und Rettungsdienste verfügten über entsprechende Dreikantschlüssel, mit denen sie die Steckpfosten in der Regel problemlos öffnen könnten.

In diesem einen Fall hat das nicht geklappt – Wolf-Dieter Glienke konnte dennoch gerettet werden. Inzwischen wurde er operiert – „und macht auch wieder seine ersten Gehversuche“, berichtet erleichtert Margitta Glienke.

Von Klaus Reschke

One comment

  1. Der Poller ist bereits seit über 10 Jahren in OpenStreeMap eingezeichnet.
    https://www.openstreetmap.org/?mlat=53.24079&mlon=10.45209#map=17/53.24079/10.45209

    Übrigens kann jeder OpenStreetMap kostenlos verwenden und sich dort nach Pollern informieren. Wer mitmachen möchte, kann auch heute (Di, 20.2. um 19 Uhr) zum OpenStreetMap-Stammtisch in die Gaststätte September in Lüneburg kommen.