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Vorsicht ist geboten bei kostenpflichtigen Partnerbörsen im Internet. Versteckte Klauseln können die monatlichen Kosten schnell in die Höhe treiben. (Foto: phs)
Vorsicht ist geboten bei kostenpflichtigen Partnerbörsen im Internet. Versteckte Klauseln können die monatlichen Kosten schnell in die Höhe treiben. (Foto: phs)

Statt der Traumfrau klingelt der Inkasso-Mann

Lüneburg. Die Suche nach seiner Traumfrau wäre einem jungen Lüneburger fast sehr teuer zu stehen gekommen. Er hatte sich auf der Internetseite einer Partnervermittlung angemeldet und einen Vertrag abgeschlossen. Er war davon ausgegangen, dass er lediglich einen Euro zu zahlen habe und der Vertrag nach einem Monat automatisch endet. „Irrtum, da er nicht gekündigt hatte, setzte sich der Vertrag fort und es wurden 89,90 Euro monatlich abgebucht“, sagt Sabine Oppen-Schröder von der Verbraucherzentrale in Lüneburg. Sie kümmert sich dort um den Fall. „Da er mit derartigen Beträgen nicht gerechnet hatte, ließ er das Geld zurückbuchen, aber das Problem war damit nicht gelöst. Jetzt kamen Rechnungen und Zahlungsaufforderungen vom Inkasso.“ Erst durch das Einschalten der Verbraucherzentrale konnte das Problem aus der Welt geschafft werden: „Der Anbieter schrieb, dass er ohne Anerkennung einer Rechtspflicht auf Basis der Kulanz keine Forderung geltend mache. Der Kunde musste nichts bezahlen.“

Ungewollter Abo-Abschluss

Immer mehr Menschen nutzen Online-Partnervermittlungen und Singlebörsen. Und bei den Verbraucherberatungen laufen immer mehr Fälle auf. Sabine Oppen-Schröder weiß: „Was so praktisch und komfortabel daherkommt, hat bei einigen Anbietern seine Tücken: fragwürdige Leistungen, überhöhte Rechnungen oder ungewollter Abo-Abschluss.“ Sie hat einige Tipps parat, damit die Suche nach der Traumfrau nicht zum Albtraum wird. Der wichtigste: „Einen Blick in das Impressum werfen: Sitzt der Anbieter im Ausland, ist es oft mühsam, Rückzahlungsansprüche durchzusetzen. Insbesondere, wenn ein Unternehmen seinen Sitz außerhalb der EU hat, etwa in der Schweiz oder in der Türkei.“

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Verbraucher sollten vorab prüfen, welche Leistungen sie tatsächlich erwarten können. Werden passende Partnervorschläge übermittelt oder wird nur Zugang zu einem Portal gewährt, um selbst nach einem Partner zu suchen? Die Lüneburger Beraterin: „Bei manchen Online-Dating-Plattformen kommunizieren auch Mitarbeiter des Anbieters anstelle echter Singles.“ Aufschluss geben die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Oppen-Schröder rät von angeblich kostenlosen Angeboten ab. „Kostenfreie Mitgliedschaften ermöglichen in der Regel keinen Austausch mit anderen Partnersuchenden und sind daher nutzlos. Auch bei Testangeboten wie ,1 Euro für 14 Tage‘ sollten Verbraucher vorsichtig sein. Diese Verträge verlängern sich – wie eben im aktuellen Fall des jungen Lüneburgers – nach Ablauf der Testphase oft in teure Mitgliedschaften. Da die Bankdaten vorliegen, wird der Folgebetrag einfach abgebucht.“

Viele Verträge sehen eine automatische Verlängerung vor. Nutzer sollten daher immer die AGB prüfen und gegebenenfalls rechtzeitig kündigen – am besten zeitnah nach Vertragsschluss und per Einwurf-Einschreiben. Sabine Oppen-Schröder weiß: „Einige Anbieter fordern, dass vorab für die gesamte Laufzeit bezahlt wird oder eine hohe Anzahlung.“ Ihr Tipp: „Besser ist eine monatliche Zahlweise – auch, wenn sie etwas teurer ist. Im Streitfall müssen Verbraucher ihrem Geld nicht hinterherlaufen.“

Profil auf Erotikplattform 

Die Lüneburgerin kann von einem weiteren Risiko berichten: „Manche Anbieter behalten sich vor, Profile auch auf weiteren Portalen zu verwenden. So wäre es möglich, dass ein Profil auch auf einer Erotikplattform zu finden ist, bei der sich der Nutzer nie angemeldet hat.“

Nach Vertragsende sollten alle persönlichen Daten gelöscht werden: „Wer auf Nummer sicher gehen möchte, fordert den Anbieter ausdrücklich dazu auf und lässt sich die Datenlöschung schriftlich bestätigen.“

Wer nach ein paar Tagen merkt, dass das Angebot nicht den Erwartungen entspricht, kann den Vertrag übrigens innerhalb von 14 Tagen nach Vertragsschluss widerrufen.

Von Rainer Schubert