Donnerstag , 17. Oktober 2019
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Wird der grüne Strom durch eine verbesserte Netzführung direkt vor Ort genutzt, könnte der Netzausbau mit weiteren Stromleitungen verringert werden. Das erhofft sich die Avacon als Ergebnis ihres Projekts. (Foto: A/t&w)

Das intelligente Stromnetz

Lüneburg. Der Hausbesitzer erhält seinen Strom über eine Photovoltaik-Anlage und speist selbst nicht benötigte Energie ins Netz ein, sein Nachbar verfügt über einen Warmwasserspeicher. Die Nachbarn könnten voneinander profitieren, wenn überschüssige Energie direkt vor Ort verteilt wird und nicht erst lange Wege durch Stromleitungen zurückgelegt werden müssen. Das soll künftig per intelligenter Steuerung Erneuerbarer Energien möglich sein.

Der Energieversorger Avacon startet nun ein Pilotprojekt, nimmt an dem EU-Großprojekt „Interflex“ teil, das in einer zweijährigen Forschungsphase he­rausfinden soll, wie das Stromnetz der Zukunft aussehen kann. An dem einige Millionen teuren Projekt beteiligen sich die Städte Eindhoven, Malmö, Nizza, einige Standorte in der Tschechischen Republik – und die Avacon in der Region Lüneburg.

Ziel ist, Stromverbrauch zu senken

Jetzt bauen Mitarbeiter die ersten Steuerboxen in Haushalten ein, montieren dafür die alten Stromzähler ab. Mit der Installation der von einer Schweizer Firma entwickelten Steuerungssoftware startet die Testphase dann offiziell im Mai bei 200 von 357 Kunden, die sich um die Teilnahme beworben hatten. Sie kommen aus dem Landkreis (ohne Bleckede und Amt Neuhaus) und den Gebieten Salzhausen und Elbmarsch, allein in der Hansestadt werden 58 Geräte installiert. Es nehmen Kunden teil, die beispielsweise eine PV-Anlage, einen Batteriespeicher, eine Elektroheizung oder eine Wärmepumpe haben.

Geklärt werden soll laut Avacon-Projektleiter Thorsten Gross die Frage, wie Strom aus Erneuerbaren Energien besser genutzt und mit dem Verbrauchsverhalten der Kunden in Einklang gebracht werden kann: „Unsere Aufgabe ist es, von unserer Netzwerkstelle in Salzgitter aus die lokale Erzeugung von grüner Energie und den Verbrauch vor Ort zu koordinieren und dafür die vielen Anlagen zeitgleich und bedarfsgerecht zu steuern. Ziel ist es, den Stromverbrauch in Spitzenzeiten zu senken oder Energiespeicher nur dann zu befüllen, wenn das Angebot an Strom aus erneuerbaren Energiequellen hoch ist. Wir erwarten, dass durch eine verbesserte Netzführung auch der notwendige Netzausbau verringert wird.“

Aktuelle Verbrauchsdaten über Internet

Für die teilnehmenden Haushalte hat das Projekt einen Vorteil: Wie wirkt sich das Laufen der Waschmaschine auf den Stromverbrauch aus? Wieviel Strom verbraucht das Staubsaugen? Aktuelle Verbrauchsdaten können die Lüneburger künftig schnell übers Internet abfragen. Durch die intelligenten Zähler erhalten die Verbraucher mehr Transparenz, haben die Übersicht über ihren Verbrauch im Online-Portal. Dort wird schnell deutlich, wie sich Energiesparmaßnahmen bemerkbar machen. Die Ablesung wird komfortabler, erfolgt durch die automatische, sichere und zeitgenaue Datenübertragung, der Kunde braucht nicht mehr selbst abzulesen. Projektleiter Gross betont, dass im Vorfeld datenschutzrechtliche Fragen abgeklärt wurden und eine neutrale Stelle den Datenschutz sicherstellt.

Es ist zwar noch Zukunftsmusik, doch deutet Thorsten Gross im Falle des Gelingens des Projektes und der späteren netzweiten Umsetzung an: „Im besten Fall führt das zu günstigeren Tarifen für den Kunden.“

Neue Wege der Versorgung Das Forschungsprojekt

„Interflex“ ist Teil des EU-Forschungsprogramms „Horizon 2020“ mit einem Gesamtvolumen von 23 Millionen Euro. Ziel ist es, neue Wege der Stromversorgung auf lokaler Ebene aufzuzeigen. Wieviel Geld die Avacon erhält, verrät sie nicht, äußert aber, dass sie selbst etwa in gleicher Höhe in das Projekt investieren wird. 20 Projektpartner sind europaweit beteiligt.

Die Schwerpunkte liegen auf den Bereichen Energiespeicherung, intelligente Ladeverfahren für E-Fahrzeuge, Lastüberwachung sowie der Integration verschiedener Energieträger.

Von Rainer Schubert