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Nutrias sind bei Barförde auf Nahrungssuche. Hans Röhr hat die Tiere an seinem Hof an der Elbe fotografiert. Foto: Röhr

Bündnis will Vormarsch der Nutrias stoppen

Lüneburg. Die Nutria macht an Ufern, Dämmen und Deichen immer größere Probleme. Das nahm jetzt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen zum Anlass, gemeinsam mit Fachleuten aus Deutschland und den Niederlanden Strategien zur Eindämmung der Population zu diskutieren. Auch im Landkreis Lüneburg hat die Zahl der Tiere zuletzt stark zugenommen. Deshalb unterstützt die Kreisverwaltung die Jäger im Kampf gegen die weitere Ausdehnung des Nagers.

Ein Nutria-Erlass, abgestimmt zwischen Landwirtschafts- und Umweltministerium, soll künftig in Niedersachsen die Bekämpfung des Nagetiers regeln. Zudem soll eine Arbeitsgruppe aus deutschen und niederländischen Fachleuten ins Leben gerufen werden, die Strategien zur weiteren Eindämmung der Nutria-Population entwickeln soll. Deren Wirksamkeit soll dann in einem noch unbekannten grenznahen Versuchsgebiet überprüft werden.

„Es muss etwas getan werden“

Auch in Niedersachsen ist die Zahl der Nutrias gestiegen: Wurden im Jagdjahr 2010/11 rund 4500 Tiere erlegt, war es sechs Jahre später mit knapp 22.000 Tieren bereits das Vierfache. Die Nutriastrecke, inklusive Fallwild, lag im Landkreis Lüneburg laut Niedersächsischem Landesjagdbericht im Jagdjahr 2016/17 bei 1092 Tieren, im Jahr davor waren es 310. Immer mehr Schäden beobachten auch Jürgen Sahs vom Neuhauser Deichverband sowie Hendrik Hilmer vom Wasserverband der Ilmenau-Niederung schon seit ein paar Jahren. Die beiden sind sich einig: Es muss etwas getan werden, „ansonsten sind die Kosten für Reparaturen immens“.

„Schwanzprämie“ für Jäger

Seit letztem Jahr gibt es daher auf Empfehlung des Wasserverbandstages Niedersachsen eine „Schwanzprämie“. Jeder Jäger, der seinem jeweiligen Hegering einen abgeschnittenen Schwanz eines erlegten Nutria vorlegt, bekommt sechs Euro – Geld, das der Wasserverband der Ilmenau-Niederung zur Verfügung stellt, „als Anreiz für die Jäger“, sagt Hilmer. Denn anders als bei Wildschäden, seien Jäger für Nutria-Schäden nicht haftbar. Im Verbandsgebiet des Neuhauser Deichverbandes wurde 2017 eine Schwanzprämie für insgesamt 55 erlegte Tiere gezahlt, berichtet Sahs. Im Verbandsgebiet des Wasserverbandes der Ilmenau-Niederung waren es rund 1500 erlegte Tiere, so Hilmer.

Keine Prämie hingegen zahlt der Artlenburger Deichverband. Zwar gebe es an den Deichen in dessen Verbandsgebiet „bisher noch keine Probleme“, sagt Ansgar Dettmer, dennoch habe auch der Artlenburger Verband erkannt, dass gehandelt werden muss: „Seit drei Jahren stellen wir daher den Jägern Lebendfallen zur Verfügung“, so Dettmer.

Von Patricia Luft

Hintergrund

Population und Schäden nehmen zu

Die Nutria ist eine aus Südamerika stammende, am Wasser lebende Nagetierart. Sie wurde früher in Pelztierfarmen gezüchtet, durch Freilassung konnte sie sich in der Natur etablieren und stabile Populationen aufbauen. Mit Ausnahme des Südens kommen Nutrias in Niedersachsen inzwischen fast flächendeckend vor. Zurzeit wird eine verstärkte Ausbreitung in den Marschgebieten beobachtet.

Schäden entstehen durch Wühltätigkeit an Ufern, Dämmen und Deichen sowie Kahlfraß an Kulturfrüchten. Auch Pflanzen der Wasservegetation werden stark geschädigt. Somit beeinträchtigen die Tiere die heimische Tier- und Pflanzenwelt, da wertvolle Biotope vernichtet werden. Außerdem besteht die Gefahr der Übertragung von Krankheiten auf Menschen und Nutztiere.

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