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Stefan Gruber bearbeitet den Baumstamm mit einer Axt. (Foto: t&w)

‚Kesurokai‘ heißt ‚Gemeinsam hobeln‘

Lüneburg. Während Claus Amarell und Stefan Höpner mit einer Klobsäge, einem alten Handwerkszeug, einen Balken durchsägen, bearbeitet Hannes Schnelle mit einem Breitbeil einen Baumstamm, damit die Oberfläche riss- und splitterfest wird. Die drei gehören zu zwölf Zimmermännern und Tischlern aus ganz Deutschland, die derzeit in Böhmsholz gefällte Douglasien- und Eichenstämme mit alten Handwerksgeräten und -techniken zu Kanthölzern verarbeiten. Im Sommer werden diese unter anderem verwandt, wenn bei dem internationalen Handwerkertreffen „Kesurokai“ eine neue Holzbrücke mit Dachkonstruktion über dem Hasenburger Bach im Tiergarten nahe der Roten Schleuse entstehen wird.

Austausch von traditionellen Techniken

„Kesurokai“ ist japanisch und heißt übersetzt „gemeinsam hobeln“. Unter diesem Motto brachte der Tempelbaumeister Sugimura San ab 1995 in Japan bei Treffen verschiedene Handwerker zusammen, um sich über traditionelle Handwerkstechniken auszutauschen und diese zu erhalten. Auf seiner Wanderschaft kam Hannes Schnelle, Zimmermann und Tischler aus Saren­seck/Göhrde, damit in Kontakt. Mit anderen gründete er 2005 den Verein Kesurokai in Klein Kühren, der von da an Treffen in Deutschland organisierte, an denen Handwerker aus ganz Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Tschechien, Schweden, den Niederlanden und Japan teilnahmen. Im Zentrum stand das gemeinsame Arbeiten, der Austausch von Handwerksfähigkeiten sowie die Förderung des gegenseitigen kulturellen Verständnisses. „2010 wurde unser Verein, eine Gruppe von rund 30 Europäern, auch zum internationalen ‚Chisana Kesurokai‘, zu Deutsch kleines gemeinsames Hobeln, in Japan eingeladen, wo wir mit japanischen Handwerkern in traditioneller Handarbeit zwei kleine Pavillons errichtet haben“, berichtet Schnelle.

In diesem Jahr ist Lüneburg der Ort, an dem sich 60 Handwerker aus Deutschland, Japan, Frankreich, Belgien, Tschechien und anderen Ländern in der Zeit vom 8. bis 22. Juli treffen werden. „Herr Schnelle und seine Vorstandskollegen Malte Teßmer und Jochen Köppe sind auf die Stadt mit der Idee zugekommen, dass der Verein mit Gästen ein Holzbauwerk mit traditionellen Handwerkstechniken errichten wolle“, berichten Uta Hesebeck, Fachbereichsleiterin Straßen- und Ingenieurbau, und Jörg Silex, Brückenbauexperte bei der Stadt. Schnell war man sich einig, dass der Neubau einer Brücke über den Hasenburger Bach ein geeignetes Objekt sein könnte. Diese soll ein Holzdach bekommen, „was als konstruktiver Holzschutz dient. Damit ist eine lange Haltbarkeitsdauer garantiert“, verdeutlicht Hesebeck. „Die Erneuerung hat noch einen positiven Effekt, denn die vorhandene Brücke im Tiergarten wird ins Lüner Holz umgesetzt, wo seit Längerem eine Querung fehlt“, ergänzt Silex.

Projekt steht für das Miteinander der Kulturen

Die Stadt stellt für das Projekt das Holz sowie Kost und Logis in Böhmsholz zur Verfügung, übernimmt zudem die Kosten für die Statik. Die geplanten Kosten belaufen sich auf rund 30 000 Euro. Gut angelegtes Geld, meint Uta Hesebeck in Anbetracht dessen, dass eine solche überdachte Holzbrücke sonst erheblich mehr Geld kosten würde. Die Handwerker, so berichtet Köppe, sind alle ehrenamtlich tätig, nutzen ihren Urlaub für den Brückenbau. Der stehe auch symbolisch für das Miteinander und Verbindende der Kulturen, die an diesem Projekt beteiligt sind. Auch diesen Aspekt begrüßt die Stadt ausdrücklich.

Weitere Informationen zu dem Verein gibt es unter www.kesurokai.com.

Von Antje Schäfer