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Für Aufregung bei Kritikern hatte auch die Sandabfuhr auf dem Areal des geplanten Wohnbaugebiets gesorgt. Foto: t&w

Baugebiet nimmt letzte Hürde

Vögelsen. Einige der rund 30 Zuhörer applaudierten dem Vögelser Gemeinderat, als der einstimmig die Satzung für den neuen Bebauungsplan Nr. 19 „Süderfeld III“ b eschlossen hatte. Fast zwei Jahre hielt das umstrittene neue Wohngebiet im Südwesten des Ortes die Ratsgremien und Anwohner in Atem. Zumindest für den Gemeinderat ist dieses Kapitel mit seiner Entscheidung bei der Sitzung am Donnerstagabend im evangelischen Gemeindehaus nun abgeschlossen. Doch während sich die einen freuen, dass bald die Erschließungsarbeiten für das bei vielen heiß ersehnte Baugebiet losgehen können, erwägen einzelne Anwohner des benachbarten Kiefernweges gegen den B-Plan zu klagen.

Das Baugebiet gilt als mehrfach überzeichnet

Frohen Mutes zeigte sich zu Beginn der öffentlichen Ratssitzung Hermann Struck, Geschäftsführer der Lüneburger Sparkassen Hanse Immobilien GmbH (SHI). Im nichtöffentlichen Teil kurz zuvor hatte der Gemeinderat dem städtebaulichen Vertrag mit der SHI als Erschließungsträger für Süderfeld III zugestimmt. Demnächst solle der Vertrag beim Notar beurkundet werden. Das Baugebiet gilt als mehrfach überzeichnet. Laut Struck kämen auf gut 50 Grundstücke mehr als 400 registrierte Kaufinteressenten.

Bei der anfänglichen Einwohnerfragestunde blieb es wider Erwarten weitgehend ruhig. Allenfalls Felicia Theissen, die sich für die Vögelser Bürgerinitiative „Zugebaut und Weggeschaut“ engagiert, äußerte Bedenken, dass „Demokratie untergraben wird“, und erkundigte sich nach Klagemöglichkeiten und wann der B-Plan rechtskräftig sei. Verwaltungsvertreter Jürgen Rettberg (SPD) erklärte, dass der B-Plan Rechtskraft erlange, sobald der Satzungsbeschluss im Amtsblatt des Landkreises Lüneburg veröffentlicht wird. Rettberg: „Ich gehe davon aus, dass das in der zweiten März-Hälfte passiert. Dann beginnt die Jahresfrist für Klagemöglichkeiten gegen den Bebauungsplan, erstinstanzlich vor dem Oberverwaltungsgericht.“

Aufschiebende Wirkung für den B-Plan würde eine Klage aber nur dann entfalten, wenn das Gericht bei Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz schwerwiegende Mängel beim B-Planverfahren feststellt. Davon gehen zumindest die Verantwortlichen nicht aus. Zudem reagierte Bürgermeisterin Silke Rogge (SPD) auf Vorhalte, die Erschließungsarbeiten hätten bereits auf dem rund 5,9 Hektar großen Areal begonnen. „Das ist falsch! Da wird mit Einverständnis des Eigentümers nur Sand zwischengelagert.“ Zum Einsatz eines Baggers, der bei einzelnen Anwohnern zu Aufregung geführt hatte, sagte Rogge: „Es handelt sich um einen Minibagger, der vor der Brut- und Setzzeit für Rückschnittmaßnahmen im Außenbereich genutzt wird.“

„Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass es kein weiteres Entgegenkommen geben wird.“ – Silke Rogge, Bürgermeisterin

Im Vorfeld der Ratssitzung hatte es jüngst eine erneute Ortsbegehung mit Anwohnern des Kiefernweges gegeben, die befürchten, dass durch die neue Bebauung in der Nachbarschaft ihre Grundstücke verschattet werden. Dabei wurde allerdings auch deutlich, dass an vielen Grundstücksgrenzen bereits hohe Bäume stehen, die jetzt schon bei tiefstehender Sonne für Schatten sorgen. Nichtsdestotrotz habe die Gemeinde laut Rogge einen Vorschlag der Anwohner geprüft, die Baugrenzen von fünf auf acht Meter Abstand zu erhöhen. Eine erneute Änderung des B-Plans hätte aber wahrscheinlich eine weitere Teil­auslegung zur Folge gehabt. Manche Anwohner hatten zwar ihre Bereitschaft zur Einigung schriftlich erklärt, sich aber dennoch das Recht auf Normenkontrollklage vorbehalten. Vor diesem Hintergrund und nach Absprache mit Ortsplaner Frank Patt und der SHI sagte Rogge: „Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass es kein weiteres Entgegenkommen geben wird.“

70 bis 75 Wohneinheiten sollen entstehen

Ortsplaner Patt stellte ein letztes Mal die Grundzüge des neuen Baugebietes vor, wonach zwischen 70 bis 75 neue Wohneinheiten entstehen sollen, in zwei Mehrfamilienhäusern mit jeweils acht Wohnungen, zwei Dreier-Reihenhäusern sowie rund 50 Grundstücken, auf denen überwiegend Einfamilien- und Doppelhäuser entstehen sollen.

Vor der entscheidenden Abstimmung erklärte Ratsherr Manfred Leptien (SPD), dass er daran nicht teilnehmen werde, weil er sich als betroffener Anwohner persönlich befangen fühle: „Privat hätte ich den Bebauungsplan abgelehnt.“ Das wurde nur von einer Zuhörerin beklatscht.

Sowohl die Abwägungen zu den eingegangenen Stellungnahmen der jüngsten Auslegung als auch die B-Plan-Satzung nebst örtlicher Bauvorschrift wurde vom Rat jeweils einstimmig verabschiedet. Danach folgte die Namensgebung der ringförmigen Erschließungsstraße des neuen Baugebiets. Ein Zuhörer rief in den Raum: „Nennt sie doch Sparkassen-Ring!“ Darauf ging der Rat aber nicht ein und entschied sich für den Namen „Weidenring“.

von Dennis Thomas