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Sie möchten Lüneburgern die Möglichkeit geben, verpackungsfrei einzukaufen: (v.l.) Elisabeth Birkner, Gillian Guerne, Alexander Löffler, Tobias Mönck, Lena Hampe, Vicky Heijnk und Charlot Pagel. Foto: t&w

Der Verzicht auf Plastik

Lüneburg. Was einst als Projekt „Lebenshilfe“ startete, hat heute einen neuen Namen. „Unverpackt“ lautet der Titel des Konzepts, das acht Studenten der Leuphana entwickeln. Sie möchten einen Laden in Lüneburg eröffnen, der ganz ohne Verpackungsmaterial auskommt. Reis, Nudeln und Müsli aus großen Spendern, Käse- und Milchprodukte können in mitgebrachte oder ausgeliehene Behälter gefüllt werden, Obst und Gemüse vom Einkaufskorb direkt in die Tasche wandern. Es ist eine Idee, die in Ansätzen schon im Edeka-Markt an der Saline getestet wird. Auch dahinter verbergen sich Studenten (LZ berichtete). Die Konkurrenz plant größer, benötigt aber einen Kooperationspartner, der das Geschäft später allein weiterführen soll.

Soziale Komponente ist wichtig

Eigentlich waren die Planungen schon weit fortgeschritten: Die Lebenshilfe war mit der Idee, ein Café zu eröffnen, in dem Menschen mit Behinderungen arbeiten, an den Verein Enactus herangetreten. Zunächst war das Interesse groß, ein Business-Plan wurde erarbeitet, die Produktpalette verschiedener Lieferanten stand fest, eine Immobilie stand in Aussicht. Letztlich scheiterte das Projekt an unterschiedlichen Vorstellungen. Nun hat sich das Team mit der Idee des Unverpackt-Ladens umorientiert und sucht einen neuen Partner.

Charlot Pagel sagt, dass ihnen eine soziale Komponente wichtig sei. „Wir würden gern bedürftige Leute dabei unterstützen, sich selbst zu helfen. Wir könnten uns gut vorstellen, das Konzept mit Menschen mit Behinderungen umzusetzen.“ So sei eine Möglichkeit, ihnen eine ausbildungsähnliche Anstellung anzubieten, die auf den Arbeitsmarkt vorbereitet und sie dann nach einem gewissen Zeitraum dorthin entlässt.

Hamburg bietet gleich drei solcher Läden

Dass Unverpackt-Läden gefragt sind, zeigt die Entwicklung: In fast jeder großen Stadt gibt es inzwischen einen solchen Einkaufsmarkt. Hamburg bietet gleich drei solcher Läden, in Niedersachsen ist Braunschweig mit dabei und auch Göttingen soll bald nachziehen.

Den Bedarf in Lüneburg hat das Team, das in dieser Konstellation seit November zusammenarbeitet, in einer Umfrage abgeklopft. Dabei wurden insgesamt 400 Lüneburger befragt. Herausgekommen ist, dass das Interesse an einem solchen Laden groß sei, die Leute auch bereit seien, mehr zu zahlen. Bei der Frage nach einem Wunschstandort hätten viele angegeben, dass Parkplätze wichtig seien. „Das schließt die Innenstadt aus, wir orientieren uns also eher am Randgebiet Lüneburgs, suchen nach einer Fläche, die mindestens 100 Quadratmeter umfasst“, sagt Gillian Guerne. Die BWL-Studentin treibt das Projekt seit einem Jahr voran. „Wir haben ein Konzept und Lust, es umzusetzen, sind aber auch offen für alles, was der potenzielle Partner an Ideen mitbringt.“ Dieser trägt schließlich auch das finanzielle Risiko, die Studenten übernehmen in dem Konstrukt nur eine beratende und unterstützende Funktion. „Wir können dem Gründer viel Zeit ersparen.“

Wer Interesse hat, ein solches Projekt in Lüneburg umzusetzen, kann die Studenten per E-Mail an Vicky.Heijnk@lueneburg.enactus.de erreichen.

Von Anna Paarmann

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