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Jede freie Minute ist Marcel Müller mit seiner Kamera unterwegs, um Wetter- und Naturphänome einzufangen. (Foto: bol)
Jede freie Minute ist Marcel Müller mit seiner Kamera unterwegs, um Wetter- und Naturphänome einzufangen. (Foto: bol)

Wintertage im Zeitraffer

Lüneburg. Jetzt muss er raus. Sofort. Drei Grad minus, dicke Schneeflocken. Wenn andere froh sind, das Haus nicht verlassen zu müssen, streift Marcel Müller durch die Gegend. Filmt und fotografiert. Die Bilder sind meist schon Minuten später online. Auf Twitter, YouTube und auf seiner Website. Unter „Naturgewalten & mehr“ dokumentiert der Lüneburger Wetter- und Naturphänomene. Jede frei Minute ist er mit der Kamera unterwegs, wartet auch schon mal stundenlang auf das richtige Licht. Aus Leidenschaft. Geld verdient er damit nicht.

Sonnenschein und blauen Himmel findet der 39-Jährige allerdings ziemlich langweilig. Extreme Kälte, Stürme und Vulkanausbrüche sind das, was ihn fasziniert. Nun sind nennenswerte Erdbeben in der Region ja eher selten, aber auch der Schnee, der in dieser Woche fällt, sei ungewöhnlich, erklärt er. Vom „Lake Effect“ sprechen Fachleute, wenn die Luft über dem Meer kälter ist als das Wasser. Zusammen mit Wind aus Nordost beschert uns das gerade immer wieder Schnee – auch im Binnenland.

Rund 800 Wetter-Videos hat er bereits ins Netz gestellt. Etliche davon sind Zeitraffer-Filme. Dafür steht seine Kamera auf der Fensterbank und macht jede Sekunde ein Bild. Zusammengesetzt ergeben die Tage im Schnelldurchlauf Wolkenzüge wie aus den Hollywood-Studios. Die Kälte der vergangenen Tage hat Müller genutzt, um auf dem Dach seiner Wohnung zu zeigen, wie gefrierendes Wasser eine gläserne Vase sprengt. Und in der Sommerhitze hat er mal ein Ei auf der Dachpappe aufgeschlagen: „Gar geworden ist es zwar nicht, aber es hat schön geblubbert und ist verdunstet.“

Polverschiebungen und Jetstream

1999 ist Müller von Hitzacker nach Lüneburg gezogen. Seine ersten Bilder und Filme hat er vor gut zehn Jahren ins Internet gestellt. Anfangs nur unregelmäßig. Mit seiner ersten brauchbaren Kamera war er ständig unterwegs, hat beim Stadtfest Bilder geschossen, auch eine Zeit lang als Einsatzfotograf für die Feuerwehr. Seit 2016 beschäftigt sich Müller aber nur noch mit dem Wetter. „Das hat mich immer schon fasziniert.“ Oft zieht es ihn auf den Kalkberg, in die Altstadt und an die Ilmenau zwischen Lüneburg und Bardowick.

Marcel Müller dokumentiert nicht nur Sonnenhalos und Regenbögen, er informiert auch. Über neue Studien zu den Polverschiebungen, über den Jetstream, Sonnenstürme oder Superzellen. Und wenn er nicht sicher ist, ob es wirklich eine Trichterwolke war, die er aufgenommen hat, fragt er gern mal Jörg Kachelmann. Mit dem früheren TV-Wettermann tauscht er sich regelmäßig aus, gegenseitig kommentieren die beiden ihre Beiträge: „Der ist locker drauf.“

Gewitter ist ein YouTube-Hit

Wer sich durch Müllers Wetterwelt im Internet klickt, erwartet einen Arbeitsplatz mit aufwendigem Instrumentarium. Aber mehr als einen mittelgroßen Monitor, Maus, Tastatur und ein Stativ gibt in seiner kleinen Wohnung zwei Stockwerke über eine Kneipe am Stintmarkt nicht zu sehen. Und natürlich seine Kamera, eine schlichte Sony Alpha 55. „Eine teure Profikamera wäre mir bei dem, was ich mache, viel zu schade“, sagt Müller. Auch kostspielige Software nutzt er nicht. Trotzdem gelingen ihm atmosphärisch starke Aufnahmen, besonders in Schwarz-Weiß.

Am häufigsten aufgerufen worden ist aber ein Film, auf dem eher wenig zu sehen ist. Auf dem YouTube-Kanal „EMEM Films“, den Müller mit einem Freund gegründet hat. Der Streifen läuft satte zwei Stunden. Meist ist das Bild schwarz. Nur ab und zu blitzt und donnert es über den Giebeln am Stint. Regen rauscht eintönig. 260 000 Mal ist das Video „Gewitter“ angeklickt worden. Es gehört zu einer Serie mit „Naturgeräuschen“, die „Frühling am See“ oder „Abenddämmerung“ heißen. Da hört man dann Wasser plätschern, Wind rauschen und Vögel zwitschern. „Wir haben die Kamera auf ein Stativ montiert und einfach laufen lassen“, sat Marcel Müller. „Leute mit Einschlafproblemen“ seien ihm sehr dankbar dafür.

Von Klaus Bohlmann

9 Kommentare

  1. Wie mag denn die Website heißen? Habe im Artikel keinen hinweis darauf gefunden. Bei Google finde ich bei Eingabe der Suchebegriffe „Marcel Müller Naturgewalten & mehr“ alles mögliche, auch diesen Artikel in der LZ. Vielleicht kann man mir etwas auf die Sprünge helfen. Bin schon etwas neugierig.

  2. Kann mir bitte mal jemand sagen, warum so viele Fotografen auf die Verwendung der Streulichtblende verzichten?

    • Er hat ja nur kurz für das Foto posiert und selbst gar nicht fotografiert. bol/LZonline

    • Ich glaube früher nannte man sie sogar fälschlich Gegenlichtblende. Wobei es mit einer Blende des Objektives eigentlich gar nicht zu tun hat. Ob man sie einsetzt oder nicht hängt auch viel vom Stand der Sonne ab und ob die Sonne überhaupt „sichtbar“ scheint oder der Himmel bedeckt ist. Ich benutze sie hauptsächlich um Seiten- oder Querlicht zu unterdrücken, weil dies zu Blendenflecken führen kann, obwohl Blendenflecken als gestalterisches Element durchaus auch mal reizvoll sein können. Besonders deutlich treten sie aber bei seitlichem oder direktem Gegenlicht auf und hängen auch von der Blendenöffnung und dem Stand der Sonne ab. Deshalb ist die „Gegenlichtblende“ nicht immer zwingend erforderlich.

      • Nur sollte man sie m.E. immer drauf haben, dann kann man sie auch nicht vergessen. Sie stört nie und ist der beste und billigste Schutz für die Frontlinse den es gibt.

        • Moin moin. So eine Blende hatte ich mal vor Jahren, dann verloren und seit dem gehts auch ohne. Für meine Zwecke passt das so. Aber Recht haben Sie, dass es bei Gegenlicht oder von der Seite besser ist. Bin halt nur ein Hobbyfotograf und das Objektiv hat durch die Unwetter eh schon einen Ditsch weg 😉

        • Sorry, aber das ist Quatsch. Eine Gegenlichtblende schützt das Objektiv nicht. Der wirksamste Schutz ist ein UV-Filter und den sollte man ohnehin auf jedem Objektiv haben.

    • Weil du ganz einfach am besten fotografieren kannst…von allen Menschen auf der ganzen Welt!