Aktuell
Home | Lokales | „Sexismus ist allgegenwärtig“
Grafik: Ledün Özdemir

„Sexismus ist allgegenwärtig“

Lüneburg. Seit der Affäre um den US-Produzenten Harvey Weinstein berichten weltweit Millionen Frauen unter dem Hashtag #MeToo von sexuellen Übergriffen. Das hat weit über die Grenzen Hollywoods hinaus eine Debatte ausgelöst. Es geht um Sexismus und Gewalt von Männern gegen Frauen, um Machtverhältnisse, Chauvinismus und die Rolle von Frauen im privaten und im Arbeitsumfeld. Die LZ holt #MeToo nun ins Lokale und lädt am Donnerstag, 1. März, zur Diskussion in lockerer Runde ein. Der Abend für Frauen startet um 19.30 Uhr im Café Avenir an der Katzenstraße 2 in Lüneburg.

Was denken Sie über die Debatte? Was gilt noch als Flirt und was nicht? Wie erleben Sie die Diskriminierung von Frauen? Und wer kann was tun? Darüber möchten wir als LZ-Redakteurinnen mit Ihnen ins Gespräch kommen. Wir haben zudem drei Gäste eingeladen, die zu Beginn des Abends in einem kurzen Statement ihre Perspektive auf das Thema vorstellen werden.

Die Gleichstellungsbeauftragte der Leuphana Universität Lüneburg , Kathrin van Riesen, ist überzeugt, dass Sexismus in unserer Gesellschaft allgegenwärtig ist. „Schlechte Herrenwitze oder Grapschereien sind nur der Ausdruck einer Gesellschaft, in der Frauen als minderwertig betrachtet werden“, sagt sie. Am Donnerstagabend wird sie über Machtgefälle, patriarchale Strukturen, feindlichen und wohlwollenden Sexismus sprechen.

 

Die Geschäftsführerin des Landwirtschaftlichen Bildungszentrums Echem , Martina Wojahn, wird die „noch weit verbreitete Sexualisierung im Arbeitsalltag“ thematisieren. Sie hofft, dass durch die Debatte „Frauen (und auch Männer) unangemessenes Verhalten von Arbeitskollegen und Vorgesetzten offen ansprechen, ohne es einfach runterzuschlucken oder zu ignorieren“. Dies geschehe noch viel zu häufig, „da Frauen Befürchtungen haben, in eine Emanzen- oder Sensibelchen-Ecke gestellt zu werden“. Auch sei Frauen der Weg in die Führungsetagen oftmals noch versperrt durch eine „gläserne Decke“.

 

Die Sozialpädagogin von pro familia , Corinna Heider-Treybig, wird aus ihrer sexualpädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen berichten. Was sollten Kinder lernen, um Grenzen setzen und sich gegen Diskriminierung wehren zu können? „Wichtige Lernziele sind das Akzeptieren des eigenen Körpers, partnerschaftliches Verhalten, Rücksichtnahme und Zärtlichkeit“, sagt Heider-Treybig. Dies setze voraus, „dass jeder Mensch das Maß der Beteiligung selbst bestimmt und Grenzen anderer respektiert – und zwar in allen Lebensbereichen, in denen es zu zwischenmenschlichen Begegnungen kommt“.

Wir sind gespannt auf Ihre Meinung! Um eine Anmeldung per E-Mail an anna.sprockhoff@landeszeitung.de wird gebeten.

Von Anna Sprockhoff

Themenwoche zum Weltfrauentag

Ursachen, Auswirkungen, Lösungen

Die Debatte über Sexismus in allen Lebensbereichen ist ebenfalls Gegenstand einer Themenwoche anlässlich des Weltfrauentags am Donnerstag, 8. März. Von Sonnabend, 3. März, an berichtet die LZ eine Woche lang täglich aus unterschiedlichen Perspektiven über das Thema. Dabei geht es um Ursachen für Sexismus und die Frage, welche Strukturen Übergriffe auf Frauen begünstigen. Wir stellen die Frage, wie Frauen sich zur Wehr setzen können und welche Rechte sie im Arbeitsalltag schützen sollen. Weitere Themen sind Gewaltprävention und Stärkung des Selbstbewusstseins bei Kindern und Jugendlichen sowie Sexismus im Arbeitsalltag.