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Planer Robert Läer und Bürgermeister Torsten Rödenbeck im Festsaal. Foto: t&w

Einmal Europa und zurück

Barum. Die Gemeinde Barum musste sich ein Fachanwaltsbüro zur Seite holen, um die europaweite Ausschreibung für Sanierung und Umbau des ehemaligen Gasthauses Flindt zu meistern. Nach fast einem Jahr Verfahrensdauer steht das Ergebnis jetzt fest: Den Architektenauftrag für das Millionen-Projekt erhält dasselbe Büro, das schon die Vorplanungen im Rahmen der Machbarkeitsstudie erarbeitet hatte: das Baubüro Läer aus Lüneburg. Einerseits freut sich Barums ehrenamtlicher Bürgermeister Torsten Rödenbeck über das Resultat. Auf der anderen Seite zweifelt er an Sinn und Zweck europaweiter Ausschreibungen. Unterdessen macht sich Architekt Rober Läer gleich wieder an die Arbeit. Zusammen mit Barums Ortsplaner Volker Warnecke hofft er, den Bauantrag für das Vorhaben im Mai einreichen zu können.

Die Gemeinde Barum zählt zu den großen Gewinnern des Förderprogramms Dorferneuerung, das vom Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) begleitet wird: Vor einem Jahr erhielt die Kommune den insgesamt dritten Zuwendungsbescheid für die Neugestaltung des Barumer Ortskerns rund um das ehemalige Gasthaus Flindt. Zum einen soll es 260.000 Euro für die Erneuerung der Dorfstraße geben. Noch wichtiger: 844.000 Euro wurden für Sanierung und Umbau des Gasthauses zugesagt bei Gesamtausgaben von voraussichtlich 1,3 Millionen Euro. Und weitere rund 500.000 Euro Zuschuss stehen für den Umbau des alten Festsaals bereit. Inklusive Eigenanteil ist das viel Geld. Und das war auch der Grund für die europaweite Ausschreibung der Planungsleistungen, die wegen Überschreitens eines Schwellenwertes vorgeschrieben ist.

Die Bewerbung war nicht so nebenbei gemacht

Bürgermeister Rödenbeck sagt: „Für einen ehrenamtlichen Bürgermeister ist ein solches Vergabeverfahren ohne externe Hilfe nicht umsetzbar. Selbst die um Amtshilfe gebetene Samtgemeinde Bardowick konnte mangels Erfahrung mit solchen Verfahren nicht helfen.“ Ein Fachanwaltsbüro aus Hannover wurde mit der Durchführung beauftragt. Rödenbeck: „Nach zuvor festgelegten Kriterien ist letztlich der Zuschlag erfolgt.“ Dabei war aber nicht nur der Preis ausschlaggebend, sondern es ging auch um die Erreichbarkeit des Auftragnehmers, Erfahrungen mit ähnlichen Projekten sowie das Kostenmanagement.

Architekt Läer sagt: „Die Bewerbung war nicht so nebenbei gemacht. Ich fand das sehr aufwendig, da sind etliche Stunden und Tage reingegangen.“ Denn Läer konnte sich nicht darauf ausruhen, schon einmal den Vorentwurf für die Gasthausumgestaltung erarbeitet zu haben. Läer: „Neben der Darstellung der Umsetzung mussten wir auch acht Referenzprojekte angeben, die die Kriterien von Denkmalschutz und Bauen im Bestand erfüllen, wie es beim Gasthaus Flindt der Fall sein wird.“ Dass er den Zuschlag bekommen hat, stimmt ihn zufrieden: „Das ist eine schöne Herausforderung.“

Letztlich hatten sich nur drei Bieter an dem Verfahren beteiligt. Einer aus dem Kreis Harburg, einer aus der Region Hannover und eben der Ausschreibungsgewinner Läer aus Lüneburg. Rödenbeck sagt: „Da stellt sich mit Blick auf die Kosten und die Dauer des Verfahrens die Frage nach der Sinnhaftigkeit.“ Zumal das ArL der Gemeinde ursprünglich enge Ausführungsfristen vorgegeben hatte, die Verwendung der Zuschüsse zügig nachzuweisen. Rödenbeck: „Die Fristen sind aber wegen des Ausschreibungsverfahrens verlängert worden – zunächst bis Dezember 2019.“ Rödenbeck weiter: „Als nächsten Schritt habe ich mit unserem Ortsplaner Warnecke und Herrn Läer besprochen, dass wir zur Abwendung eines ebenso langen Baugenehmigungsverfahrens ein Gespräch mit den Landkreis Lüneburg alsbald führen möchten – damit nicht noch Fristen aus den Förderbescheiden während der Laufzeit des folgenden Baugenehmigungsverfahren verstreichen, ohne dass der Klang von Werkzeugen und schwerem Arbeitsgerät im Gasthaus Flindt zu hören ist.“

Vorgesehen ist, im denkmalgeschützten Haupthaus insgesamt sieben neue Wohnungen einzurichten, dafür soll auch das ganze Dachgeschoss ausgebaut werden. Der Flachdachverbindungsbau zwischen dem Gasthaus und dem Tanzsaal mit dem Sanitärbereich soll abgerissen werden. Stattdessen plant Läer einen Glasanbau, der anteilig auch dem neuen Gastronomiebereich zur Verfügung stehen soll. Die Kegelbahn soll erhalten bleiben. Bei der Sanierung des Festsaals sollen auch die alten Deckenmalereien, die hinter einer Holzschale verborgen sind, wieder zu neuer Geltung gelangen, so Läer.

Fertigstellung im Herbst 2019

Als nächstes werde der Entwurf weiter ausgearbeitet und der Bauantrag vorbereitet. Als Barums Orts- und Dorferneuerungsplaner achtet Volker Warnecke darauf, dass die Baumaßnahmen mit den Vorgaben aus dem Förderprogramm konform sind von der Gestaltung der Fenstergliederungen bis zur Wahl der Steinformate. Ähnliches gelte für die Begleitung der Straßenbaumaßnahme. Sollte der Bauantrag noch im Mai gestellt werden, hofft Warnecke, dass die Ausschreibungen der Handwerkerleistungen dann zeitnah erfolgen können und Umbau und Neugestaltung noch in diesem Jahr beginnen können. Ziel: Fertigstellung im Herbst 2019. Viel länger will Rödenbeck auch nicht mehr warten: „Denn eines hat das Jahr 2017 als Jahr eins nach der Ära Gasthaus Flindt deutlich gemacht: Vereine, Verbände und die Bewohner unserer Gemeinde brauchen einen Saal und eine Gaststätte als Treffpunkt und Veranstaltungszentrum – auch mit Blick auf das Saalsterben und Gasthaussterben in der Samtgemeinde.“

Von Dennis Thomas