Aktuell
Home | Lokales | So wenige Arbeitslose wie seit 25 Jahren nicht
Die Stellensuche ist aussichtsreich, aktuell suchen viele Unternehmen händeringend Mitarbeiter. (Foto: ahe)

So wenige Arbeitslose wie seit 25 Jahren nicht

Lüneburg. Der Landkreis Lüneburg verzeichnete nach Harburg im vergangenen Jahr die niedrigste Arbeitslosenquote im Agenturbezirk Lüneburg-Ue lzen: „Die Quote lag 2017 mit 5,6 Prozent unter der des Vorjahres, 5280 Betroffene oder 4,5 Prozent weniger als 2016. Ein neuer Rekord, es ist der niedrigste Wert seit 1992.“ Diese positive Bilanz präsentierte jetzt Kerstin Kuechler-Kakoschke, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen. Sie blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Für 2018 prognostiziert das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung für unseren kompletten Bezirk einen Rückgang der Arbeitslosigkeit um 3,9 Prozent und bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ein Wachstum von 2,3 Prozent.“

Mitte Juni 2017 gab es in Stadt und Landkreis Lüneburg 56 613 sozialversicherungspflichte Arbeitsplätze, 1549 mehr als 2016. Und 67 014 Einwohner waren hier und in anderen Orten, etwa Hamburg, unter Vertrag, ein Plus von 1552 Personen. Dazu hat Kerstin Kuechler-Kakoschke weitere Zahlen parat: „Es gab 15 459 Einpendler in den Landkreis und 25 879 Auspendler.“

Altersgruppe 50plus profitiert

Die Hauptbranchen in der Lüneburger Region sind das Gesundheits- und Sozialwesen (Anteil: 17 Prozent), der Handel und der Kfz-Bereich (15) sowie das verarbeitende Gewerbe (15). Und gerade hier sehen die Agentur-Chefin und die Geschäftsführerin des Jobcenters Landkreis Lüneburg, Angelika Brauer, schon jetzt einen akuten Fachkräftemangel. „Das wird sich weiter zuspitzen, der Mangel sich durch alle Branchen ziehen“, sagt Kuechler-Kakoschke. Schon jetzt würden Langzeitarbeitslose, die mehr als ein Jahr erwerbslos gemeldet sind, laut Brauer davon profitieren, dass sich das unternehmerische Denken gewandelt habe. Die Agentur-Chefin weiß: „Die zweite profitierende Gruppe ist die Altersgruppe 50plus. Lange Zeit saß das Vorurteil in den Köpfen vieler Unternehmer fest, dass ältere Arbeitnehmer geistig nicht mehr fit seien und gesundheitliche Einschränkungen hätten. Das hat sich inzwischen stark verändert.“ Die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Stadt und Kreis sank um 7,2 Prozent auf 1564 Betroffene, Kerstin Kuechler-Kakoschke: „Das sind aber immerhin noch fast 30 Prozent aller Arbeitslosen.“

Profitiert haben auch viele Lüneburger von der Amazon-Ansiedlung im Herbst in Winsen, wenngleich laut Angelika Brauer rund 60 Prozent der Mitarbeiter aus dem Hamburger Raum kämen: „Das Unternehmen fordert als Mindestqualifikation: Die Mitarbeiter müssen die deutsche Sprache verstehen können, gut auf den Beinen und flexibel bei den Schichtzeiten sein. So kamen beispielsweise auch viele Langzeitarbeitslose und Flüchtlinge in Arbeit.“

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die Unternehmen müssten im Wettbewerb um Mitarbeiter attraktive Arbeitsbedingungen bieten, sagen die beiden Arbeitsmarkt-Expertinnen. Das gelte auch für das Umfeld: Ein Bus-Shuttle zum Unternehmen, ein Dienstfahrzeug, an Unternehmen gekoppelte Kitas oder ein Wohnblock für die Mitarbeiter seien positive Ideen. Kerstin Kuechler-Kakoschke: „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird immer wichtiger.“

Dem Agenturbezirk stehen in diesem Jahr für die Agenturen Lüneburg, Buchholz, Lüchow, Uelzen und Winsen für seine Maßnahmen von der Qualifizierung über die Berufsorientierung bis hin zur Förderung von Beschäftigten – in etwa auf Vorjahresniveau – 22 Millionen Euro zur Verfügung, das Budget des Lüneburger Jobcenters für Eingliederungsleistungen beträgt 7,2 Millionen Euro.

Hier geht es zum aktuellen Arbeitsmarktreport. 

Chancen für Geflüchtete

178 Flüchtlinge in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt und 62 in eine Ausbildung haben Arbeitsagentur und Jobcenter 2017. Ende Dezember wurden bei der Agentur 40, beim Jobcenter 432 Flüchtlinge aus den Herkunftsländern Syrien, Irak, Iran, Eritrea, Somalia, Afghanistan, Pakistan und Nigeria betreut. Die meisten von ihnen kommen aus Syrien, mehr als 50 Prozent sind Männer, 20 Prozent sind jünger als 25 Jahre.

20 Prozent der Flüchtlinge besitzen laut Kuechler-Kakoschke und Brauer eine formale Berufsausbildung, die in Deutschland anerkannt werden kann. Ihnen wird empfohlen, eine Ausbildung im Dualen System mit Theorie und Praxis zu absolvieren, die aber in der Regel drei Jahre dauert. Brauer: „Viele stehen aber unter Druck, weil sie ihren Familien Geld in die Heimat schicken müssen, sie nehmen einen Job an, bei dem es mehr Geld als in der Ausbildung gibt.“

Von Rainer Schubert

2 Kommentare

  1. So wenige Arbeitslose wie seit 25 Jahren nicht

    und soviele prekäre arbeitsverhältnisse wie noch nie. und das sogar, wo sich die angeblichen intelligenten stapeln.

  2. Liebe LZ, warum feiert ihr z.B. nicht den Auflagenschwund der Tageszeitungen genauso ab, wie das sogenannte “Job-Wunder“. Beides hat primär den gleichen Grund: den demografischen Wandel. Mit kleinen Unterschieden. Im Gegensatz zum natürlichen “Abonnenten-Ableben“, stirbt ein “Arbeitsloser“ den “Statistik-Tod“ in der Regel mit 58 Jahren, spätestens aber mit Rentenbeginn.

    Zur Veranschaulichung der Bedeutung des demografischen Faktors: Wären alle 1960 in Deutschland Geborenen “arbeitslos“ und ihnen seit 12 Monaten kein Job mehr angeboten worden und alle, die 2000 hierzulande das Licht der Welt erblickten, würden 2018 “arbeitslos“, dann gäbe mit Ende dieses Jahres statistisch ca. 500.000 “Arbeitslose“ weniger.