Donnerstag , 20. September 2018
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Eigentlich sollte die Grundschule Hasenburger Berg im Sommer zum Ganztagsbetrieb übergehen, jetzt wurde eine Aussetzung bis August 2019 beantragt. Foto: t&w

Rumoren um den Nachmittag

Lüneburg. Es sind nicht nur die Sanierungsmaßnahmen, die an der Grundschule Hasenburger Berg derzeit für Unruhe sorgen. Eltern fühlen sich bei der Entwicklung z um Ganztagsbetrieb nicht mitgenommen, sie kritisieren das pädagogische Konzept, das Schul- und Hortleitung präsentiert haben. Es weicht in ihren Augen erheblich von den ursprünglich genehmigten Plänen ab. Streitpunkte sind zudem die angekündigte Schließung des zweiten Horts, die mangelhafte Flexibilität des Ganztagsangebots und die Kosten.

Erst vor wenigen Tagen hat ein klärendes Gespräch in der Schule stattgefunden, anwesend waren neben der städtischen Bildungsdezernentin Pia Steinrücke und Bereichsleiter Thomas Wiebe Mitglieder des Schulvorstands und des Schulelternrats, die Leiterin des Horts und Schulleiterin Marianne Borowski. Der Austausch sei konstruktiv gewesen, hieß es von den Beteiligten, eine Einigung aber gab es nicht.

Rund 7,8 Millionen Euro werden investiert

Sicher scheint nur, dass der Ganztagsbetrieb nicht wie angekündigt im August startet. Das bestätigt die Rektorin: „Die Grundschule ist ein großes Gebäude mit einem großen Sanierungsbedarf.“ Seit August 2016 wird gebaut, rund 7,8 Millionen Euro werden investiert. „Zurzeit ist der Verwaltungstrakt im Umbau“, sagt die Schulleiterin. In den Sommerferien soll der Südflügel mit neun großen Klassenzimmern geschlossen werden. „Wir sind also mittendrin.“

Für den Ganztagsbetrieb bedarf es auch eines pädagogischen Konzepts. Das wurde erstmals 2013/2014 entwickelt – allerdings mit anderen Inhalten als heute, kritisiert Heide Uffhausen, Vorsitzende des Schulelternrats, gegenüber der LZ. „Ursprünglich waren verschiedene Kooperationspartner vorgesehen sowie ein vielfältiges AG-Angebot, das dem Charakter eines gut organisierten Nachmittagsangebotes in den Familien entspricht.“

Schließung des zweiten Horts

Auf einem Info-Abend Ende Januar wurde der Verein „Die Rübe“ als Partner präsentiert, berichten Eltern. Zudem soll die Schließung des zweiten Horts angekündigt und das als Entscheidung der Stadt präsentiert worden sein. Dabei wurde die „Kinami“, eine Abteilung der Pädagogischen Initiative, erst im September 2015 aufgrund des großen Bedarfs eingerichtet. Mit rund 350 Kindern gehört die Schule schließlich zu den größten Grundschulen Lüneburgs.

Aus Sicht des Schulelternrats hatte sich Borowski zudem zu früh auf ein „starres Drei-Tage-Konzept“ festgelegt, das bedeutet: Eltern, die ihre Kinder für die Ganztagsschule anmelden, müssen dann auch Dienstag, Mittwoch und Donnerstag im Verbund anwählen. Eltern wünschen sich aber flexible Auswahlmöglichkeiten.

„Die Entscheidung ist nicht in Stein gemeißelt.“

Ähnliche Informationen habe es zum Hort gegeben, so müssten sich Eltern – anders als bislang – für fünf Tage entscheiden und bezahlen. Selbst wenn sie ihr Kind nur für zwei Tage dorthin geben möchten. Zuvor hätten die Eltern auch zwischen einem zwei-, drei- und fünftägigen Angebot wählen können. Uffhausen fragt: „Wenn man nach dem neuen Konzept den Hort nur für die ganze Woche anwählen kann und entsprechend bezahlen muss – welchen Nutzen bringt dann die Ganztagsschule?“

Mit der Forderung, sich diese Fragen offen zu halten, wandten sich die Eltern an die Stadt als Träger. Nach dem Treffen in dieser Woche bilanziert die Vorsitzende: „Das war das erste sehr konstruktive Gespräch, daran hat Frau Steinrücke einen erheblichen Anteil. Sie hat gesagt, dass man über alle Möglichkeiten nachdenken kann.“ Eine Elternbefragung, die schon für den 6. Februar angesetzt war, aufgrund der Unwägbarkeiten jedoch verschoben wurde, soll nun folgen.

Marianne Borowski verweist hinsichtlich der Betreuungsfragen auf den Träger – also die Stadt Lüneburg. „Wir sprechen uns da zurzeit ab. Zum Hort kann ich nur so viel sagen: Die Entscheidung ist nicht in Stein gemeißelt.“

Von Anna Paarmann

Das sagt die Stadt

Ganztagsbetrieb auf 2019 verschoben

„Grundsätzlich gilt für uns , dass keine Betreuungseinrichtung geschlossen wird, bevor nicht der Ganztag und die Randzeitenbetreuung stehen. Ebenso gilt, dass wir uns bei der Trägerauswahl dem anschließen, was die Schule oder der Schulvorstand möchte, wenn das kostenmäßig angemessen und rechtlich möglich ist“, sagt Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck. Die Schule habe früh den Wunsch geäußert, mit der „Rübe“ als Kooperationspartner den Ganztagsbetrieb zu starten. Die Entscheidung habe also nicht die Stadt getroffen. Zum Zeitplan sagt sie, dass Sommer 2018 kein realistisches Ziel mehr sei, die Schule in Abstimmung mit der Stadt bei der Landesschulbehörde beantragt habe, den Beginn der Ganztagsschule bis August 2019 auszusetzen.

One comment

  1. Im Umkehrschluss heißt es aber auch: Wir Eltern bestimmen über unsere Kinder. Entscheiden, was wir für richtig halten, wie wir sie erziehen, welche Werte wir weiterreichen, was wir ihnen erlauben oder verbieten. Dieses Recht müssen wir als Eltern nicht erst vom Staat erwerben, es wird nicht zugeteilt, wir haben es. Die Rechte unserer Kinder können wir übrigens auch gegen die Einmischung des Staates vertreten, wenn wir es für nötig halten.
    Man müsste sich keine Sorgen machen in einem Land, das dem Subsidiaritätsprinzip folgt. Müsste. Denn in Sachen Erziehung gelten Eltern inzwischen landläufig als stümperhafte Laien. Tun wir zu wenig, vernachlässigen wir unsere Kinder und versaufen das Kindergeld vor dem Flachbildschirm.
    Sind wir engagiert, dann tun wir zu viel, sind Helikoptereltern, die über den Kindern glucken. Sicher ist nur eins: Wie man es macht, macht man es falsch. Der Generalverdacht gegen Eltern lebt.
    Nun gibt es tatsächlich Eltern, die sich nicht kümmern, die gar vernachlässigen und misshandeln. Schlimm genug. Die gute Nachricht ist: Der Staat kann, darf und muss dann sogar heute schon eingreifen. Diese Situationen sind rechtlich gelöst.
    Der Staat macht bereits erschreckend rege von dem Recht Gebrauch, bereits beim Verdacht auf Kindeswohlgefährdung Kinder aus Familien in Obhut nehmen zu dürfen. Allein im Jahr 2014 waren es über 48.000 Kinder, Tendenz seit Jahren steigend.
    Ob das Kindeswohl wirklich gefährdet ist, muss im konkreten Fall gar nicht erst bewiesen werden, ein Verdacht reicht aus. Den wenigsten Eltern ist wohl bekannt, dass seit 2008 für dies Verfahren die Beweislast umgedreht wurde.
    Sollten Sie als Eltern also noch an den alten Grundsatz „In dubio pro reo“ glauben, sollten Sie sich in Bezug auf Ihre Erziehungsfähigkeit davon verabschieden, denn derzeit heißt es „Im Zweifel gegen die Eltern“. Willkommen in Deutschland.