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Eine Idee für das Wohnen der Zukunft? Ein sogenanntes Tinyhouse entsteht bei der Konferenzwoche auf dem Campus. Auf zehn Quadratmetern bietet es Küche, Schlafzimmer und Bad. Foto: fr

Platz ist in der kleinsten Hütte

Lüneburg. Wer in jüngster Zeit versucht hat, in Hamburg, Berlin oder auch in Lüneburg eine preisgünstige Wohnung zu finden, weiß, dass das ein schwieriges Unter fangen ist. Der Architekt Van Bo Le-Mentzel hat nach einem Weg gesucht, wie man auch ohne Wohnung angenehm leben kann. Seine Lösung war der Entwurf einer „Hütte auf Rädern“, in der Fachsprache „Tinyhouse“. Studenten der Leuphana bauen in diesen Tagen mit Le-Mentzels und seinem Team ein solches Mini-Haus bei der Konferenzwoche.

360-Grad-Bilder: Simon Eisenblätter

Weitere 360-Grad-Bilder von Simon Eisenblätter finden Sie hier:
http://tinyhouse360.de/retreat-tiny-house/
http://tinyhouse360.de/holy-foods-tiny-house/

Besonders ist das Tinyhouse nicht nur, weil es auf einem Anhänger aufgesetzt, damit mobil ist und kein festes Grundstück in Anspruch nimmt. Es ist auch nur gute zehn Quadratmeter groß und soll trotzdem alles Notwendige zum Wohnen wie Küche, Bad und Schlafzimmer bieten. „Wie würde sich unsere Gesellschaft entwickeln, wenn die ganze Wohnung mobil ist?“, fragt Le-Mentzel. In dem Tinyhouse der Leuphana wird selbst die Küche beweglich eingebaut. Mit ihren Rollen könnte man sie auch durch Türen schieben, weil anstatt eines Wasserschlauches ein Auffangbecken unter der Spüle angebracht wird. Dieses Wochenende soll das Haus fertig werden. Normalerweise dauert es rund sechs Wochen, bis es komplett ist, und kostet rund 50.000 Euro. Das Modell, das an der Leuphana entsteht, soll in knapp zehn Tagen fertig sein und 10.000 Euro kosten. Möglich ist das, weil Le-Mentzel den Entwurf des Hauses bereits vorher angelegt hat: „Wir müssen die Bretter nur noch zusammenschrauben, wie bei einem IKEA-Regal“, erklärt der Architekt. Finanzielle Unterstützung erhielt das Projekt über Subventionen des Netzwerks „Archiv der Zukunft“.

Minimalismus-Gedanke gefällt den Studenten

Für die Zukunft sieht Le-Mentzel die Tinyhouses „nicht als Ersatz für Wohnungen, aber für parkende Autos“. Denn das Tinyhouse nehme nicht viel mehr öffentlichen Raum weg als Autos. Mit den kleinen Häusern möchte der Architekt dazu beitragen, allen Menschen das Recht zu geben, in Deutschland zu bleiben.

Von der Idee sind auch die Studenten begeistert. „Ich finde, dass das ein super Projekt ist in Bezug auf Nachhaltigkeit, weil Freiraum und öffentlicher Raum für alle nutzbar sein sollen“, sagt Romina Tiedke. Mareike Üffing fasziniert der Minimalismus-Gedanke: „Es ist spannend, sich zu fragen, was man im Leben wirklich braucht und auf was man verzichten kann in einer so kleinen Wohnung.“

Das Tinyhouse der Leuphana wird noch das nächste halbe Jahr auf dem Campus stehen bleiben. Die Idee: Es soll für Initiativen zur Verfügung gestellt werden, die darin arbeiten und einen Blog über ihre Erfahrungen schreiben könnten.

Von Franziska Ruf

Mehr zu den Tiny-Houses:

Leopold, 18, Häuslebauer

Abschlussfest im Libeskind-Bau

Vielfältiges Lüneburg

Erst wurde diskutiert, später getanzt : Zum Abschluss der Konferenzwoche und des integrierten Zukunftsstadt-Tages feierten Hunderte das erste „Fest der Vielfalt“ im Libeskind-Bau. Tagsüber präsentierten Studenten an interaktiven Stationen 17 verschiedene Ideen für Lüneburg unter der Leitfrage: „Wie wollen wir 2030 leben?“ Am Abend gab es unter anderem kubanische Salsaklänge von Ana Maria von Corvin und Poetry Slam. Durch das Programm führte Corinna Krome (3.v.l.) vom Haus der Kulturen, das auch maßgeblich an der Organisation der Party beteiligt war. Zu Essen gab es reichlich, jeder, der wollte, leistete einen Beitrag zum Buffet – und es wollten viele. Ein kleiner Höhepunkt war der Beitrag des Syrers Mohamad Darwish, der Lüneburg eine feurige Liebeserklärung machte und das Lüneburg-Lied anstimmte, bei dem alle mitsangen. rw

Die Studenten der Leuphana feiern ihre Ideen und die Vielfalt Lüneburgs. Foto: t&w

3 Kommentare

  1. ..@ “ Das Tinyhouse der Leuphana wird noch das nächste halbe Jahr auf dem Campus stehen bleiben. “

    .. hoffentlich schreitet das Bauamt dagegen vor und verbietet es ..

    • Hagen Siegmann

      Warum? Die modernistische Kontraposition des gigantomanen zinkpanzerbewehrten post-faschistischen Beton-Brachialbaus zu präsidialen Renommier- und Imponierzwecken im Hintergrund und die geduckte klitzekleine Schuhschachtel zum Verstauen von Humanressourcen für den digitalen Arbeitsmarkt neuen Typs im Vordergrund passt doch zum effizientistischen Selbstverständnis der Leuphana-Führung ebenso wie zur menschenverachtenden Vorstellungswelt des neo-nationalautoritären Primitivismus, für den Sie hier bei LZ-Online den dauerkläffenden Reklamepudel unter hundert verschiedenen Alias-Namen geben.

  2. barharn hat es auf den punkt gebracht. der gute architekt schmückt sich zwar mit fremden feder (tiny houses stammen aus den u.s.a, und die dortigen hersteller / tischlereien haben reichlich erfahrung mit diesen teilen) das wird alles nicht klappen.
    nicht, daß die idee nicht sehr gut wäre. es ist sogar äußerst wünschenswert, daß junge menschen sich eigentum schaffen, und daß sie nicht ihr – in zeiten der praktika und der befristeten verträge – sauer verdientes geld einem miethai in den rachen werfen. und wenn siedann sinnvollerweise über die jahre (vielleicht sogar als grundstein einer familien mit zunächst zwei personen und entsprechend zwei tiny houses, welche man zusammenkoppelt) eine art kleines haus geschaffen und sich durch einsparen der miete ein solides polster geschaffen haben, könnten sie ein eigenes haus in angriff nehmen:
    auch da gibt es schon sehr gute angebote für eigenbau.
    aber genau das ist es ja, was – gerade in lüneburg – nicht erwünscht ist: eigenbau – und auf den zielte ja der gute architekt. die lüneburger verwaltung ist fixiert auf die beauftragung „zugelassener fachfirmen“. diese müßten dann die tiny houses bauen. ansonsten gibt es schwere zwangsgelder, androhungen mit ordnungshaft etc. zu recht! denn in einem eigenen projekt (bau einer abwasserfreien pflanzen-verdunstungsanlage, um abwasser gar nicht erst ins grundwasser zu leiten) fanden wir zwar geheime notizen der herrschaftren aus dem Umweltamt, wonach ein solcher zwang zu „zugelassenen fachfirmen“ gar nicht erlaubt ist – was auch das umweltministerium damals zähnknirschend bestätigen mußte.
    aber in den lüneburger seilschaften ist dieses recht auf selbstbau eben nur schwer durchzusetzen, wegen der seilschaften zwischen verwaltung und justiz.
    wer sich also ein solches tiny house selbst baut, mit allem handwerklichen können etc. wird es dennoch kaum beziehen können – weil es ja nicht durch jene „zugelassenen fachfirmen“ gebaut wurde, für die der verwaltungsgeplagte besitzer nachweisen muß: auftragsvergabe, auftragsbestätigung, erbauung, BEZAHLUNG einer „zugelassenen fachfirma“ etc.
    damit wird der selbstbau uninteressant und durch das prinzip der hohlen hand der verwaltung bleibt dort eine menge des geldes hängen, was das „durch fachfirmen erstellte“ tiny house kosten wirde (was ja wohl auch der eigentliche grund für die tiefe zuneigung des landkreises für „zugelassene fachfirmen“zu sein scheint.
    der artikelschreiber möge sich mal ebenso wie der architekt fragen, ob es dann bei der 10 oder 20.000 euro-grenze bleibt, wenn alle die hand aufhalten..
    und dann die aufstellung des tiny house irgendwo bei freunden, auf einem hof o.ä.! .. ruckzuck werden die spitzel des landkreises erscheinen. sie werden besichtigungen durchführen.. und – ich rate mal – stets wird das öffentliche wohl / die öffentliche gesundheit / die öffentliche sicherheit durch das tiny house gefährdet sein, und was sich behördenhengste an undefinierbarem und gummibandähnlichen dummquark so ausdenken .. das führt zu langen prozessen und insb. zu sofortmaßnahmen mit sofortvollzug, wodurch der eigentümer des tiny house eben nicht mehr in den genuß des wohnens in demselbigen kommt..

    fazit: der gute architekt hätte sich weniger mit architektengedöns in eiem bereich befassen sollen, wo ihm jeder praktische tischler überlegen ist (da lohnt es sich eher einen blick ins amerikanische homepages zu tun, oder die deutschen hersteller zu kontaktieren, da hat man weniger theorie und mehr praxis)
    er hätte sich eher mal mit den mechanismen von amtsmißbrauch von verwaltungen in provinzstädten wie lüneburg befassen sollen, und eben wichtigeren fragen:
    wie schaffe ich es, daß gemeinden camping-parks einrichten können und evtl sogar müssen, wo junge leute, aber evtl auch ärmer menschen ein tiny house dauerhaft aufstellen können? (nicht zu verwechseln mit camping-plätzen, wo man nämlich nur ein halbes jahr wohnen darf)
    wie, daß sanitäre anlagen ohne abwasser etc. (kompost-toiletten) zwingend anerkannt werden?
    wie, daß die bewohner von tiny houses NICHT irgendwelchen baugenehmigungen unterliegen, und damit der willkür der bauämter, deren erste aufgabe es ja ist, die örtlichen baufirmen mit aufträgen zu versorgen? usw.
    daher leider kein großer wurf, sondern voll daneben, weil an der praxis vorbei. einer praxis übrigens, die in fortschrittlicherenbundesländern schon angekommen ist. offenbar nur ein kleiner werbegag der rote-rosen-provinz-uni – und genau so deplaziert wie das schlachtschiff auf dem campus.