Donnerstag , 15. November 2018
Aktuell
Home | Lokales | Rosskur für Außenflächen
Einen häufig trostlosen Anblick bieten die Freiflächen rund um die Wohnblöcke Am Weißen Turm. Die Stadt Lüneburg möchte diesen Zustand jetzt ändern. (Foto: t&w)
Einen häufig trostlosen Anblick bieten die Freiflächen rund um die Wohnblöcke Am Weißen Turm. Die Stadt Lüneburg möchte diesen Zustand jetzt ändern. (Foto: t&w)

Rosskur für Außenflächen

Lüneburg. Gut achteinhalb Hektar umfasst das Areal zwischen der alten Saline und dem Klinikum. Den meisten Lüneburgern bekannt als Quartier Am Weißen Turm. Seit Jahren schon hat die Stadt das Gebiet mit den mehrstöckigen Wohngebäuden im Blick. Ihr Ziel: städtebauliche Sünden bereinigen und soziale Missstände in den Griff bekommen. Als einen Schritt zur Aufwertung des Quartiers sieht die Stadt dabei die Verbesserung der in die Jahre gekommenen Außenanlagen. Was im Einzelnen vorgesehen ist und welche Hürden dabei zu überwinden sind, stellte die Stadt jetzt im Begleitausschuss Soziale Stadt vor.

Ungepflegte Grünanlagen, marode Spielplätze, verschmutzte Müll- und Fahrradabstellanlagen, trostlose Aufenthaltsplätze, verschlissene Sporteinrichtungen. Das Bild, das Stadt-Sanierungsmanagerin Sandra Burghardt vom aktuellen Zustand der Freiflächen im Quartier Am Weißen Turm zeichnete, überraschte kaum einen der Ausschussmitglieder. Nur zu gut kennen sie die Situation in dem Viertel. Nicht ohne Grund wurde es 2015 als Sanierungsgebiet in das Städtebauförderprogramm „Soziale Stadt“ aufgenommen.

„Ohne die Eigentümer können wir mit keiner Maßnahme beginnen.“ Heike Gundermann, Stadtbaurätin

Als Teilmaßnahme entstand daraus jetzt die Entwicklung eines Freiflächenkonzepts. Mit dessen Erstellung wurde 2016 das Büro arbos Freiraumplanung GmbH beauftragt. Dass dabei nicht am grünen Tisch allein gearbeitet wurde, hob Sandra Burghardt hervor: „Wir haben die Anwohner eingeladen, ihre Wünsche und Vorstellungen mit einzubringen.“ So fand im vergangenen Jahr eine Begehung der Anlagen mit rund 70 Anwohnern statt. Deren Anregungen wurden schließlich in einem Anwohnerworkshop festgehalten. Die Vorschläge reichten von der Verbesserung der Wegeführung und Müllsituation und Beleuchtung über die Schaffung von Mietergärten, das Anlegen einer Liegewiese, Entfernen von Zäunen bis zu Aufenthaltsplätzen für Jung und Alt.

Viele dieser Ideen berücksichtigt das Freiraumkonzept, das Sandra Burghardt ausführlich vorstellte. Vor allem altersspezifische Angebote wie Spielplätze für die ganz Kleinen ebenso wie für Sieben- oder Zwölfjährige, einen Bouleplatz für die Erwachsenen, eine Ballspielwiese und einen Waldspielplatz sowie einen Aufenthaltsplatz mit Tischreihe und Pergola sieht das Konzept vor. Darüber hinaus soll es einen Bereich für „Urban Gardening“ geben. Müllstandorte sollen weiter dezentral, aber dichter an den Gebäuden untergebracht und Fahrradbügel vor jedem Hauseingang installiert werden, listete Burghardt auf.

Die Kosten sind das kleinere Problem

3,4 Millionen Euro müssten nach erster, grober Kostenschätzung für die Umsetzung des Freiflächenkonzepts in die Hand genommen werden, sollte es denn so kommen. Doch die Bereitstellung der finanziellen Mittel, in die auch Fördermittel fließen sollen, ist für die Stadt eher das kleinere Problem. Stadtbaurätin Heike Gundermann machte deutlich: „Ohne die Eigentümer können wir mit keiner Maßnahme beginnen.“ Denn nahezu das gesamte Areal ist im Eigentum von Investmentgesellschaften und Einzeleigentümern. Zwar habe die Stadt bereits einzelne zustimmende Signale zu dem geplanten Freiflächenkonzept erhalten. Ob die Eigentümer sich aber letztlich auch konkret da­ran beteiligen und welchen finanziellen Beitrag sie dabei leisten wollen, ist völlig offen. Dass aber auch die Eigentümer mit in die Pflicht genommen werden, ist für die Stadt selbstverständlich: „Schließlich profitieren sie selbst von einer Aufwertung des Quartiers.“ Und: Die dann aufgewerteten Außenanlagen werden Bestandteil ihres Eigentums.

Weil vor diesem Hintergrund nur schrittweise geplant und umgesetzt werden kann – Gundermann: „Wir müssen schauen, wie man mit den Eigentümern klarkommt“ –, möchte die Stadt die Realisierung des Flächenkonzepts im Zuge eines Rahmenbeschlusses umsetzen. Der soll über die Dauer des zehnjährigen Sanierungsverfahrens abgearbeitet werden. Zustimmung hierfür gab es am Freitag bereits im Begleitausschuss. Jetzt muss noch der Bauausschusss und schließlich der Rat dem Flächenkonzept zustimmen. Sollte es auch hier grünes Licht geben, soll noch in diesem Jahr mit den Eigentümern gesprochen werden. Mit ersten Schritten zur Umsetzung rechnet Gundermann aber nicht vor 2019.

Von Ulf Stüwe