Dienstag , 25. September 2018
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Wenn der Wasserstand an der Elbe ansteigt, kommt auch die Angst an Sude und Krainke auf. Mit Sandsäcken wurden die Deiche etwa 2011 provisorisch erhöht. Foto: t&w

Konzept für Sude und Krainke

Neuhaus. Mit Grausen denken Elbeanwohner auch heute noch an die dramatischen Hochwasserereignisse von 2002, 2006, 2011 und 2013 zurück. Aber wenn die Elbe über die Ufer steigt, droht auch regelmäßig an den Nebenflüssen Sude und Krainke „Land unter“. Bis zur Mitte der 2020er-Jahre soll hier Abhilfe geschaffen werden – das ist ein Ergebnis des seit Februar 2011 tagenden „Runden Tisches“, dessen 13. und letzte Runde jetzt in Neuhaus zu Ende ging.

Sieben Jahren Verhandlungen

„Als die Gespräche am Runden Tisch begannen, dachten wir, wir hätten das Problem innerhalb eines Jahres gelöst“, berichtete Meinfried Striegnitz als Moderator des „Runden Tisches“. Jetzt, so Striegnitz nach sieben Jahren Verhandlungen, „geht niemand hier heraus und ist nur Sieger oder nur Verlierer“.

Die Diskussionen über einen besseren Hochwasserschutz an Sude und Krainke laufen spätestens seit 2006, im Juli 2009 stellte der zuständige Neuhauser Deich- und Unterhaltungsverband (NDUV) einen Plan zum Hochwasserschutz auf und reichte ihn zur Genehmigung beim NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) ein. Einigkeit über die Trassen gab es aber nur in Teilbereichen – für diese, darunter den Sudedeich von Dellien bis Preten, wurde dann auch ein „vorzeitiger Maßnahmenbeginn“ genehmigt. Diese Maßnahmen wurden mittlerweile auch abgeschlossen. In anderen Bereichen, vor allem dem Areal Karchau-Rade, gelegen an der Einmündung der Krainke in die Sude, wurde dagegen keine Einigung über den genauen Deichverlauf erzielt, ein heftiger Streit begann. In der Folge beriefen das Niedersächsische Umweltministerium und der Landkreis Lüneburg für den 2. Februar 2011 einen ersten „Runden Tisch“ ein, dem bis zum vergangenen Mittwoch innerhalb von sieben Jahren zwölf weitere folgten.

Elf Ja-Stimmen bei drei Nein-Stimmen

Ziel der „Runden Tische“ sei es gewesen, „die Interessen des Hochwasserschutzes, des Naturschutzes, der Landwirtschaft und der kommunalen Entwicklung zusammenzuführen“, erklärte Kay Nitsche, Vertreter des Umweltministeriums. Und das im direkten Gespräch zwischen den Beteiligten wie Land und Landkreis, Naturschutzverbänden, Landwirtschaftskammer, NLWKN, Neuhauser Deich- und Unterhaltungsverband, Niedersächsischem Biosphärenreservat, Landwirten und Grundeigentümern.

Zu den Maßnahmen, die der „Runde Tisch“ mit elf Ja-Stimmen bei drei Nein-Stimmen empfiehlt, zählen die Verbesserung des Hochwasserschutzes für den Ort Preten durch einen Lückenschluss des Deiches zwischen rechtem Krainkedeich und Sudedeich. Weiter der hochwassersichere Ausbau der Kreisstraße 55 nach Westen bis zur Krainke-Brücke – Preten wäre damit auch in extremen Hochwassersituationen von Westen wie von Osten durch Straßenverbindungen erreichbar.

„Ein historisches Datum“

Im Sinne der Naturschützer soll nach Abschluss der Deichneubauarbeiten der alte Deich „geschlitzt“ werden, um so wertvolle Feuchtgrünlandflächen zu schaffen. Flächen, die ein landwirtschaftlicher Betrieb in diesem Bereich aufgeben muss, werden an anderer Stelle ausgeglichen. „Ein einigermaßen erträglicher Kompromiss“ sei das Votum des „Runden Tisches“ für ihn, erklärte Landwirt und Schäfer Klaus Seebürger.

Für den Landkreis Lüneburg sprach Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer am Mittwochabend von einem „historischen Datum“ mit „mit ganz langer Geschichte“. Er wies aber auch darauf hin: „Es gibt immer noch viel Misstrauen, nicht umsonst hat es drei Neinstimmen gegeben. Aus der Gemeinde.“ Krumböhmer appellierte an die Skeptiker: „Ich glaube, die Zeit wird zeigen, dass viele Befürchtungen nicht so eintreten werden.“

Zufrieden mit dem Erreichten zeigte sich Grit Richter, Bürgermeisterin der Gemeinde Amt Neuhaus: „Ich bin froh, dass es mit dem Deichbau im Bereich Preten jetzt weitergeht und hoffe, dass wir das Projekt endlich zu Ende bringen können. Wir sollten jetzt nach vorn blicken und zusammenarbeiten.“

Vereinbarung mit dem landwirtschaftlichen wurde unterzeichnet

Und so geht es weiter: Die Vereinbarung mit dem landwirtschaftlichen Betrieb wurde bereits am Mittwochabend unterzeichnet. Die Vereinbarung zwischen dem NDUV, Umweltministerium und Landkreis Lüneburg wird demnächst ebenfalls unterzeichnet werden. Anschließend wird der NDUV die Unterlagen für den Planfeststellungsantrag zur „Südvariante“ ausarbeiten und voraussichtlich im Frühjahr 2019 beim NLWKN einreichen.

Nach Prüfung und Erörterungstermin im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens könnte ein Beschluss im Frühjahr 2020 ergehen, sodass im Sommer 2020 mit dem Bau begonnen werden könnte. Die Entwidmung und „Schlitzung“ der Altdeiche in der Karchau/Rade erfolgt erst dann, wenn alle Baumaßnahmen fertiggestellt sind und sich der neue Deich „gesetzt“ hat, das wird etwa fünf Jahre nach Ende der Bauarbeiten sein.

Von Ingo Petersen

Einwohnerversammlung

Noch kein Frieden in Preten

Die meisten Teilnehmer des Runden Tisches zeigten sich bei der Vorstellung ihres Votums am Nachmittag gegenüber der Presse in Neuhaus zufrieden. Dass es in Preten aber auch noch ganz andere Meinungen gibt, zeigte sich in der anschließenden Einwohnerversammlung in Dellien. In einer Stellungnahme kritisierten etwa die Pretener Johannes Haker und Neidhard Best unter anderem, dass es „unmöglich“ sei, „unseren besten Acker zum Überschwemmungsgebiet zu machen“.

Für den Arbeitskreis „Kultur Natur Preten“ beklagte Sigbert Helle die „Front“ in Preten zwischen Dorfbewohnern und Deichverband auf der einen und der Biosphärenreservatsverwaltung, dem Umweltministerium und Landkreis sowie den Naturschutzverbänden BUND, Nabu und Stork Foundation auf der anderen Seite. Immerhin, so Helle, sei in vier von fünf Bereichen in ihrem Sinne entschieden worden. Helle: „Wenn in allen Punkten gegen uns entschieden worden wäre, wäre die physische Existenz von Preten heute unmittelbar bedroht.“

Helle beklagte insbesondere die Zukunft des Bereichs Karchau-Rade: „Für viele, viele Steuergelder, einen Millionen-Betrag, wird diese wertvolle landwirtschaftliche Fläche ‚der Natur zurückgegeben‘. Der Deich wird zerstört, die Fläche wird für hochwassersichere Landwirtschaft nicht mehr nutzbar sein.“