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Ein riesiger Medienraum im Untergeschoss steht noch leer, dort wird fleißig gehämmert und gebohrt. Foto: t&w

Willkommen im Labyrinth

Lüneburg. Wer im Libeskind-Bau einen Raum sucht, hat zwei Möglichkeiten: Er kann bei dem Studenten nachfragen, der direkt am Haupteingang hinter einem kleinen I nfotresen sitzt und genau dafür zuständig ist, oder es auf eigene Faust versuchen. Die zweite Option ist gewagt, das Gebäude gleicht aufgrund seiner Form einem Labyrinth. Zudem mangelt es in weiten Teilen an einer vernünftigen Beschilderung, ein Papierzettel weist im Erdgeschoss auf die Treppe hin, die zu den Toiletten führt. Und selbst diesen Hinweis findet nur, wer zufällig in die richtige Richtung läuft.

Es ist ein Jahr her, dass der Libeskind-Bau mit mehr als 1000 Gästen feierlich eingeweiht wurde. Den ersten Geburtstag hat die LZ zum Anlass genommen, mal durch die Stockwerke zu wandern, verschiedenste Türen zu öffnen und Skurriles im Bild festzuhalten.

Alle 20 Meter ein Aufsteller mit Raumhinweisen und Pfeilen

Gerade ist ein großer internationaler Kongress zu Ende gegangen, Veranstaltungsort war das Zentralgebäude. Ganz offensichtlich war es der Universität ein Anliegen, dass sich die 800 Gäste, von denen viele zum ersten Mal im Libeskind-Bau gewesen sein dürften, auch zurechtfinden. Das Ergebnis: Alle 20 Meter ein Aufsteller mit Raumhinweisen und Pfeilen.

Nötig ist ein solches Schilderaufgebot nur, weil viele Räume in dem Gebäude nicht ausgewiesen sind. So gibt es im Parterre in einem Flur den Hinweis für behindertengerechte Toiletten, die Örtlichkeiten selbst zeichnen sich von draußen durch weiße Wände und Türen aus. Überhaupt sind es auch die vielen Flure, die wiederum in leeren, riesigen Fluren münden, die den Orientierungssinn endgültig durcheinander bringen. Glück haben Verlorengegangene in Etagen, in denen es Rundgänge gibt. Wer also in die falsche Richtung startet, kommt irgendwann an seinem Ziel an.

Nur ein Aufzug macht direkt unter der Spitze Halt

Vertrakt ist auch, dass sich Besucher im Foyer für einen von insgesamt vier Fahrstühlen entscheiden müssen. Nur wer einen ausgewählt hat, merkt, dass er ausgerechnet in dem steht, der nur bis in den 3. Stock und damit bis zum Raum der Stille fährt. Ortskundige wissen sicher inzwischen, dass nur ein Aufzug direkt unter der Spitze Halt macht. Die anderen steigen in Etage 6 aus, um die letzten Stufen bis in den 7. Stock zu Fuß zu bewältigen.

Auf ins Audimax. Der Vorzeige-Veranstaltungsraum der Universität soll auch als Hörsaal genutzt werden, wer diesen Saal schon mal von innen gesehen hat, fragt sich jedoch, wie dort eine Vorlesung abgehalten werden soll. Ein Blick auf den Belegungsplan, der draußen vor der Tür an der Wand hängt, verrät: Im laufenden Wintersemester soll dort nur eine einzige Lehrveranstaltung stattgefunden haben, montags um die Mittagszeit. Eine weitere Erkenntnis bringt das Probesitzen in den Rängen. Die Tische, die ausschließlich für Rechtshänder an den Klappsesseln montiert wurden, sind viel zu klein. Gerade einmal ein Block der Größe A5 findet darauf Platz. Ein Laptop? Keine Chance.

Geplante Cafeteria wird als Lagerfläche genutzt

Wer während des Rundgangs hungrig oder durstig wird, hat Pech. Er muss das Gebäude hinter sich lassen, einen Bäcker oder ein Café ansteuern. Die geplante Cafeteria mit 200 Sitzplätzen besteht bislang aus einem großen Raum, der als Lagerfläche genutzt wird. Es heißt, etwaige Ausschreibungen für einen Betreiber seien bislang erfolglos geblieben. Tische und Stühle stapeln sich, aufgerollte Kabel lugen aus dem Boden hervor. In der gläsernen Spitze hat sich eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Immerhin: Ein Schild trägt neben der Raumnummer 51 die Aufschrift „Cafeteria“.

Dazu sagt Pressesprecher Henning Zühlsdorff, dass die Leuphana Veranstaltungs- und Vermarktungsgesellschaft derzeit Gespräche mit möglichen Betreibern führe. „Der Beginn eines Cafeteria-Betriebs im Laufe des Wintersemesters wird angestrebt.“ Die Beschilderung bezeichnet er als „vorläufig. Die tatsächlichen Nutzererfahrungen werden wir in das endgültige Konzept integrieren“. Gefragt nach der Nutzung der 25 Seminarräume, sagt Zühlsdorff, dass diese während der Vorlesungszeit täglich gebucht würden.

Von Anna Paarmann

Auslastung

Veranstaltungen im Libeskind-Bau

„Mehr als 50 externe Veranstaltungen haben seit März 2017 stattgefunden oder sind bis zum Ende dieses Jahres geplant“, sagt Uni-Pressesprecher Henning Zühlsdorff, als er nach der Auslastung des Gebäudes gefragt wird. Der Raumbelegungsplan weise für diesen Zeitraum insgesamt rund 1000 interne und externe Termine aus, Lehrveranstaltungen ausgenommen. Bekanntlich muss die Leuphana jährlich mindestens 300.000 Euro an Mieteinnahmen generieren, indem sie Flächen im Zentralgebäude an Externe vermietet – und das eigentlich schon seit 2016. Das geht aus einer gutachterlichen Bewertung hervor, die der LZ vorliegt. Bis 2025 sollen die Flächen insgesamt 3 Millionen Euro einspielen.

Stadt und Kreis dürfen 30 Veranstaltungen mietfrei dort ausrichten, beteiligen sich dafür mit 7 Millionen Euro an den Baukosten. Nicht inbegriffen in der Vereinbarung sind die Betriebskosten. Stadtsprecherin Suzanne Moenck sagt, dass bis dato sieben Events über das kommunale Kontingent gelaufen seien. In diesem Jahr stünden noch drei Veranstaltungen an.