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Lüneburg-Marketing-Chef Claudio Patrik Schrock-Opitz präsentierte im Juli vergangenen Jahres seine Veranstaltungsleiterin Birgit Stumpenhorst. Die hat gekündigt, wie auch andere. Es gibt Kritik am Geschäftsführer. Foto: t&w

Das lange Warten

Lüneburg. Die Worte waren deutlich: Eine halbe Million Euro aus Steuergeldern stelle die Stadt der Lüneburg Marketing (LMG) in den kommenden fünf Jahren zur Ver fügung, sagte Oberbürgermeister Ulrich Mädge jetzt bei der Jahresversammlung der Handelsorganisation LCM in der „Krone“: „Das ist eine Aufforderung, etwas Vernünftiges mit dem Geld zu machen, Dinge, die uns weiterbringen.“ Man könne sicher sein, dass der Rat eine Bilanz ziehe, was mit dem Geld geschehen sei. In Richtung des LMG-Geschäftsführers Claudio Patrik Schrock-Opitz fügte er an: Mit ein paar Informationsstelen und einer besseren Weihnachtsbeleuchtung sei es nicht getan. Mädge unterstrich, seine Worte seien eine „Aufforderung an Aufsichtsrat und Geschäftsführung“.

Schrock-Opitz musste sich weitere Kritik anhören. Der Vorsitzende des LCM, Heiko Meyer, lobte den Sülfmeistertag mit seinem Umzug: „Ein Publikumsmagnet.“ Der gehöre gepflegt. Es sei bedauerlich, dass am Umzug ein Drittel weniger Gruppen teilnehmen würden. Im Gespräch mit der LZ sagte Meyer mit Blick auf den aufgestockten Etat: „Herr Schrock-Opitz hat eine Aufgabe, wir gehen von grundsätzlichen Verbesserungen aus.“ Am Abend nahm der Geschäftsführer keine Stellung.

Antworten klingen ausweichend

Zur Erinnerung: Anfang Dezember hatte die Politik grünes Licht gegeben, den Etat der LMG um jeweils 100.000 Euro für die kommenden fünf Jahre zu erhöhen. Mit dem warmen Regen rechnen konnte er nach LZ-Informationen bereits seit dem Sommer. Da hatte es aus dem Rathaus entsprechende Botschaften gegeben.

Die LZ fragte bei ihm nach, welche Ideen er nach Monaten umsetzen wolle. Die Antworten klingen ausweichend: „Wir sind in ersten Überlegungen. Die Projekte sind nicht spruchreif. Es geht um Veranstaltungsoptimierung und innovative Weiterentwicklung. Auch muss die Internetseite überarbeitet werden.“

Was bedeutet das konkret? Ein Auftritt im Netz wird in vielen Unternehmen bekanntlich ständig aktualisiert. Und was meint „Optimierung“? Schrock-Opitz will an „Veranstaltungsformaten“ arbeiten. Ein neues scheint nicht darunter. Also setzt er auf die fünf bekannten: Stadtfest, Sülfmeistertage, Wohnmobil­treffen, Kinderfest und Nacht der Clubs, dazu vier verkaufsoffene Sonntage.

Ein Mittelaltermarkt in Lüneburg

Auf die Frage, ob das nicht eingespielte Veranstaltungen seien, antwortet er mit Personalproblemen: Seine Veranstaltungsmanagerin sei nach wenigen Monaten gerade gegangen. Er müsse allein agieren, unterstützt von zwei Auszubildenden. So wolle er selber die Moderation der Wohnmobiltage übernehmen. Aber auch da läuft es nicht gut: Nach mehr als 300 Teilnehmern im vergangenen Jahr, rechnet Schrock-Opitz für das kommende Mal mit einem Drittel weniger. Die Erklärung: Ostern liege ungünstig. Allerdings reist ja eher die ältere Generation mit dem Mobilheim. Ohne an Ferien gebundene Schulkinder.

Nach mehrfachem Nachfragen, was denn an Neuem kommen könne, nennt Schrock-Opitz einen „Mittelaltermarkt“. Davon gibt es bereits viele. Auch in Lüneburg: bei den Sülfmeistertagen und vor allem alle zwei Jahre die Alte Handwerkerstraße sowie im Dezember den Christmarkt des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt, dazu große Treffen in Luhmühlen.

Mädge erwartet eine Kontinuität beim Personal

Das Plus im Etat wertet Schrock-Opitz anders als der OB und die Politik. Von den 100.000 Euro bleibe nur die Hälfte übrig, wenn überhaupt. Er müsse gestiegene Personalkosten einbeziehen, auch für andere Positionen müsse er mehr Geld ausgeben. Es kommt Kontra: Im Mitarbeiterkreis sollen keine Signale für anstehende gravierende Lohnerhöhungen angekommen sein. Verärgert reagiert Mädge: „Da ist er auf dem falschen Weg. Im Vertrag von Herrn Schrock-Opitz steht, dass er Sponsorenmittel einwerben soll.“ Da müsse er aktiv werden. Der höhere Zuschuss der Stadt sei nicht dazu da, „formale Dinge abzuarbeiten“.

Zu den Personalabgängen hat der OB eine Meinung. Bekanntlich sind in den zweieinhalb Jahren der Ära Schrock-Opitz einige Kollegen gegangen – unter anderem zwei Veranstaltungsleiter und eine Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit. Unter der Hand ist von nicht angemessener Bezahlung und schlechtem Klima die Rede. Das dürfte auch zu dem stets gut informierten Mädge durchgedrungen sein. Der sagt: „Ich erwarte eine Kontinuität beim Personal.“

Schlagerfest parallel zum Stadtfest-Sonnabend

Das führt zur nächsten Frage an Schrock-Opitz: Bleiben all seine Mitarbeiter an Bord? Davon gehe er aus. Auch werde es bei den Veranstaltungen keine weiteren Ausfälle geben. Der Hintergrund: LMG-Mitgesellschafter Adendorf macht es parallel zum Stadtfest-Sonnabend möglich, dass es im Freibad ein großes Schlagerfest gibt. Es mangelte an Kommunikation – beide Seiten hatten sich nicht abgesprochen.

Schrock-Opitz kann davon ausgehen, dass man im Rathaus und bei den Gesellschaftern auf Konzepte wartet. Aus diesem Kreis heißt es: „Sein Vertrag hat eine Laufzeit. Im nächsten Jahr wird über eine Verlängerung entschieden. Man wird an seinen Erfolgen gemessen.“

Von Carlo Eggeling

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One comment

  1. Hinrich Knacke

    Zur Ankunft des neuen Stadtmarketing-Chefs vor knapp drei Jahren gab es schon am 25. Juni 2015 um 15:34 Uhr einen Leserkommentar, der alle seit Jahren bekannten und auch heute wieder aufschäumenden Schwierigkeiten genau vorhergesagt hat:

    TITEL: Frischer Windmacher

    TEXT: „Schrock-Opitz – dieser Name steht für Gesellschaftstanz“, schrieb die Neue Osnabrücker Zeitung im Februar 2006, „auch viele Emsländer haben im ‚Haus der Tanzkunst‘ in Leer ihre ersten Tanzschritte erlernt.“

    Nun muss der großgewachsene, glaubensfeste Protestant und ehemalige Kurdirektor aus Nörden-Nörddiek sich als Raubtier-Dompteur in einer durch Gunst-Konkurrenz geprägten Gruppe alternder Mätressen bewähren und zugleich juvenile Pirouetten mit unsern Ober-Uli und seinen Ober-Hofschranzen zwischen Rosenkönigen und Bratfleisch- bzw. Carlsberg-Distributoren hinlegen.

    Wir wünschen ihm viel Erfolg.

    QUELLE: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/244821-lueneburg-marketing-gmbh-der-neue-kommt-aus-norden#comment-54109