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Frank Pischke (l.) und Marc Brammer mögen gut gebrautes Bier. Natürlich am liebsten das aus der eigenen Brauerei. Foto: phs

„Gestopfter Dachs“ aus Sommerbeck

Sommerbeck. Wie beschreibt man einen Menschen, der nicht nur gerne Bier trinkt, sondern vor allem auch Spaß an der Braukunst hat? Im Falle seines besten Freunde s Marc Brammer fällt Frank Pischke die Charakterisierung nicht schwer: „Marc? Der ist ein echter Bier-Nerd“, sagt Pischke aus voller Überzeugung – „der weiß alles über Bier.“ Was zweifelsohne nicht von Nachteil ist, denn die beiden Männer betreiben die Dachs-Brauerei in Sommerbeck bei Dahlenburg. Zwar nur als Hobby – aber das auf sehr hohem Niveau. 30.000 Liter stellt das Duo jährlich in der umgebauten Sommerbecker Scheune her. Vom Pils über Märzen bis zu Spezialitäten wie „Gestopfter Dachs“ oder „Navi-Dachs.“ Letzteres ist ein Getränk, das Brammer und Pischke als „Winterbier“ beschreiben und das aus mehr Zutaten besteht als nur aus Wasser, Hefe, Hopfen und Malz. Zimt, Anis, Muskatblüte, Nelke und Ingwer geben dieser Gerstenkaltschale seine ganz besondere Note. Ein Bier, das auf die Geschmacksnerven auch von Weinkennern zielt.

Reinheitsgebot älteste Vorschrift der Welt

Erlaubt ist, was schmeckt – „solange nicht Chemie zugesetzt wird“, sagt der 37-Jährige. Da ist der gelernte Brauer und studierte Diplom-Ingenieur für Verfahrenstechnik dann doch ganz konservativ. Mit dem deutschen „Reinheitsgebot“ kann Brammer dennoch nicht viel anfangen: „Das hat sich meiner Ansicht nach längst überholt!“, sagt der Brauexperte. Auch wenn das deutsche Reinheitsgebot die älteste lebensmittelrechtliche Vorschrift der Welt ist, die heute noch Gültigkeit hat. Erlassen wurde es von dem bayrischen Herzog Wilhelm IV. im Jahre 1516. Es besagt, dass Bier ausschließlich aus Gerste, Hopfen und Wasser gebraut werden darf. Von Hefe ist da noch keine Rede.

Trotzdem fände es Brammer besser, wenn man vom „Natürlichkeitsgebot“ sprechen würde. Mit anderen Worten: Der Geschmack des Bieres soll bei Bedarf nur mit natürlichen Zutaten verfeinert werden dürfen – mit Gewürzen beispielsweise. „Die dann aber auf den Flaschen-Etikett deklariert sein müssen“, stellen Brammer und Pischke klar.

Kleine, unabhängige Bier-Manufakturen

Die beiden Bierbrauer rechnen sich der sogenannten Craft-Beer-Szene zu: Unter einem „Craft Beer“ versteht man im engeren Sinne solche Biere und Biersorten, die in kleinen, unabhängigen Bier-Manufakturen auf handwerkliche und traditionelle Art und Weise produziert werden.

Über mangelnden Absatz ihres Gerstensaftes können Pischke und Brammer wahrlich nicht klagen – im Gegensatz zu den großen Konzern-Brauereien: Laut Statistischem Bundesamt ging der Bierkonsum im vergangenen Jahr nämlich dramatisch zurück. Deutsche Brauereien hätten 2017 so wenig Bier abgesetzt wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Um 2,5 Prozent auf 93,5 Millionen Hektoliter ging die Menge zurück.

Immer größerer Beliebtheit erfreuen sich dagegen die Craft-Biere. Brammer und Pischke wundert das nicht: „Viele industriell hergestellte Biere sind bei Blindverkostungen doch gar nicht mehr unterscheidbar. Die Standardbiere gibt es so in jeder Stadt in jeder Kneipe. Sie sind austauschbar geworden“, kritisiert Pischke, der stattdessen bei den Verbrauchern einen Trend zu regional erzeugten Produkten erkennt: „Davon profitieren auch wir“, freut sich der 42-Jährige.

Gegenseitige Hilfe statt Konkurrenzkampf

Die Craft-Beer-Szene sei zudem eine „kleine, eingeschworene Gemeinschaft.“ Statt gegeneinander einen harten Preis- und Konkurrenzkampf zu führen, helfe und unterstütze man sich zu jeder Zeit gegenseitig. Und das ist nicht nur Gerede: Während Brammer und Pischke noch im Gespräch mit der LZ sind, kommt Besuch aus Hamburg auf den Brauereihof in Sommerbeck. „Unsere ‚Kollegen‘ vom ‚Wildwuchs-Brauwerk‘“, erklärt Marc Brammer. Auf ihrem Pkw-Anhänger haben die Hanseaten ihr eigenes Bier mitgebracht in einem großen Edelstahlfass. „Die nutzen jetzt unsere gemeinsame Abfüll-Anlage, um ihr Bier in Flaschen abzufüllen“ , erklärt Brammer.

Und dann klärt der Hobby-Brauer schnell noch auf, was Bierliebhaber unter „gestopftem Dachs“ zu verstehen haben. Da werden nicht etwa Tiere gequält, „sondern wir nennen das so, weil wir in den Lagertank mit unserem Bier noch einmal zusätzlich Aroma-Hopfen geben“, klärt der Brauexperte auf. In der Fachsprache nennt man dieses Verfahren dann auch Hopfen stopfen oder „Kalthopfen“. Vorteil: Bei dieser Anwendung gibt der Hopfen sein Aroma, aber keine Bitterstoffe ab.

Wer mit so viel Liebe Bier braut – von denen ist gewiss noch einiges zu erwarten: „Warten wir es ab“, sagen die beiden Brauexperten verschmitzt lächelnd, bevor sich die Tür der Brauerei in Sommerbeck wieder hinter ihnen schließt. Die Freunde an der Abfüll-Anlage warten.

Von Klaus Reschke

One comment

  1. Ist Alkoholismus unter Craft-Biertrinkern eigentlich kein Problem?

    Schon ein paar Schlückchen Alkohol beeinflussen unser Verhalten. Ein hoher Konsum über viele Jahre kann die Hirnstruktur verändern

    Alkohol hebt bei vielen Menschen die Stimmung und führt dazu, dass sie sich häufiger anlächeln, wie ein Experiment ergab. Kurzfristig wirkt er antidepressiv. Langfristig aber verstärkt er Depressionen, Trinken gegen die Schwermut führt zudem leicht in eine Abhängigkeit. Daneben beeinflusst Alkohol zahlreiche mentale Funktionen: Er mindert die Willenskraft, stört die Konzentration und das Gedächtnis. Alkohol ist ein Nervengift: Durch häufiges Trinken kann das Gehirn so sehr geschädigt werden, dass das Gewebe schrumpft und eine Art Demenz entsteht.

    Dass Alkohol der Leber schadet, wissen viele. Weniger bekannt sind aber die anderen Erkrankungen, die er ebenfalls begünstigt

    Ein riskanter Alkoholkonsum kann mehr als 200 Krankheiten hervorrufen, Abhängigkeit ist nur eine davon. Jenseits einer Schwelle von 12 Gramm Alkohol für eine Frau und 24 Gramm Alkohol beim Mann an mehr als drei Tagen pro Woche steigt das Risiko für Magenbeschwerden, Fettleber, Herzerkrankungen, hohen Blutdruck und Impotenz. Auch geringere Mengen Alkohol begünstigen die Entstehung von Krebs, etwa Brust-, Darm- oder Speiseröhrenkrebs. Nach Schätzungen sterben jährlich 74.000 Menschen in Deutschland an gesundheitlichen Folgen des Trinkens.

    Wer abklären möchte, ob sein Alkoholkonsum schädlich oder riskant ist, findet vielerorts Rat und Hilfe

    Die deutsche Suchthilfe gilt weltweit als hervorragend. Menschen, die nur ein paar Fragen zu ihren Trinkgewohnheiten haben, sollten sich vom Label „Sucht“ nicht abschrecken lassen. Breite Informationen bietet die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, http://www.dhs.de. Auf der Internetseite findet sich der Leitfaden „Alles o. k. mit Alkohol?“, der sich an alle Menschen richtet, die überhaupt Alkohol trinken, und sei es nur ein Craft-Bier zum Abendessen.

    Eine kleine Fallbeschreibung findet sich hier:

    http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2016-07/alkoholismus-sucht-trockener-alkoholiker/komplettansicht