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Weltmeisterschaftsmedaillen und viele Trophäen mehr haben Claudia und André Kutzick in ihrem Haus. (Foto: t&w)
Weltmeisterschaftsmedaillen und viele Trophäen mehr haben Claudia und André Kutzick in ihrem Haus. (Foto: t&w)

Trophäen aus einem großen Handball-Leben

Süttorf. Was für eine Dramatik: Schon ein Unentschieden würde der bundesdeutschen Herren-Nationalmannschaft im letzten Spiel der Feldhandball-Weltmeisterschaft 1966 in Österreich gegen die Auswahl der DDR zum Titel reichen. Die Westdeutschen führen 10:8, liegen dann 12:14 hinten. Am Ende gibt es ein 15:15 – Turniersieg und WM-Gold für das Team von Werner Vick, Bundestrainer mit Wohnsitz in Süttorf bei Neetze.

Die Goldmedaille von 1966, zahllose weitere Medaillen von Weltmeisterschaften oder nationalen Titelkämpfen, Trophäen, Anstecknadeln, Turnierkrawatten und vieles mehr blieben nach Vicks Tod in seinem Haus – ein großer Teil des sportlichen Nachlasses der Handball-Legende, der mit anderen Größen wie Bernhard Kempa und Hein Dahlinger spielte und Legenden wie Herbert Lübking trainierte. Eine Fundgrube der Sportgeschichte.

Kaum einer war im Welthandball so erfolgreich wie Werner Vick – als Spieler und als Trainer. Und sicher niemand hatte so viele Funktionen, bis hinauf zur Weltverbandsebene, wie er: Werner Vick, geboren 1920 in Hamburg, verstorben 2000 in Süttorf, war schon zu Lebzeiten ein Handball-Denkmal.

Trophäen von hohem sportlichen Wert

Für den SV Polizei Hamburg holte Werner Vick zwischen 1941 und 1955 sechs Deutsche Meistertitel im Feldhandball. 1952 und 1955 wurde er als Spieler Weltmeister, bis zu 50 000 Zuschauer kamen damals zu den großen Spielen. Ebenfalls als Spieler holte Vick zwischen 1950 und 1953 mit den Hamburgern vier DM-Titel im Hallenhandball. Als Trainer triumphierte Werner Vick 1959 und 1966 als Weltmeister im Feldhandball, von 1955 bis 1972 war der Süttorfer Herren-Bundestrainer. Mit der gesamtdeutschen Mannschaft gewann Vick 1958 WM-Bronze im Hallenhandball. Von 1973 bis 1981 trainierte er die deutschen Damen. Trophäen aus all diesen Jahren hat Werner Vick in seinem Haus in Süttorf gesammelt – Trophäen von hohem sportlichen Wert, nicht von materiellem, denn Gold oder Silber ist auf den Medaillen höchstens als Farbe verarbeitet.

Seit 1998, als sie Vicks Nachbarhaus gekauft hatten, und bis zu Werner Vicks Tod zwei Jahre später erlebten Claudia und André Kutzick Vick als Nachbarn. Über den Gartenzaun. „Zuerst wussten wir gar nicht, welche Bedeutung Werner Vick hat. Der Kontakt war dann nicht so eng, aber es war ein nettes Miteinander unter Nachbarn“, erinnert sich Claudia Kutzick. Als 2011 auch Werners Vicks Witwe Lieselotte verstarb, nutzte Claudia Kutzicks Mutter die Gelegenheit, kaufte das Vicksche Haus von den Erben als ihr neues Domizil.

„Komplett mit allem, was darin war“, erinnern sich Claudia und André Kutzick. Und darin enthalten war auch das „Handball-Zimmer“ der Sport-Koryphäe Werner Vick. Vollgestopft mit Erinnerungen und Andenken an rund 50 Jahre Handball, außerdem von ihm verfassten Lehrbüchern und Lehrfilmen im 16-Millimeter-Format.

Weltweit unterwegs

Die WM-Goldmedaille von 1966 fand sich ebenso im „Handball-Zimmer“ wie die goldene Plakette von 1959 – beide als Trainer errungen. Ebenso die Goldmedaille von 1952 – als Spieler erkämpft. Dazu die Auszeichnungen für die Deutschen Meistertitel mit dem SV Polizei Hamburg und die Spange des Bundesverdienstkreuzes, das Werner Vick 1998 verliehen bekam.

Weltweit war Werner Vick unterwegs – für die Trainer-und Methodikkommission der Internationalen Handball-Föderation (IHF) von 1972 bis 1981 und für die IHF-Schiedsrichterkommission von 1981 bis 1992. Ob Olympia in Moskau, Los Angeles, Montreal oder Seoul – Vick war dabei, in Süttorf dokumentiert durch Teilnehmermedaillen.

Die wichtigsten Erinnerungsstücke von Werner Vick haben Claudia und André Kutzick sorgsam in Kartons verstaut. Sie selbst haben kein Interesse daran, würden die sportlichen Schätze gern abgeben: „Wir würden uns freuen, wenn wir die Gegenstände in Hände abgeben könnten, die diese historischen Trophäen zu schätzen wissen. Und schön wäre es, wenn sie auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht würden.“

Zeitzeugen erinnern sich an Werner Vick

Knallhart, fair und menschlich

Ein Tag ohne Handball – wohl undenkbar für Werner Vick. Als er in den 1970er-Jahren die deutsche Damennationalmannschaft trainierte, dazu als Dozent an der Sporthochschule in Köln tätig war, unterstützte er an den Wochenenden die Oberliga-Handballer des MTV Treubund und deren Trainer Jürgen „Fidi“ Dunkel.

Gut erinnern an diese Zeit, in der die Lüneburger in begeisternden Spielen regelmäßig die Tribünen der Nordlandhalle füllten, kann sich Manfred Rauno, Torhüter beim MTV Treubund. „Ein knallharter Trainer, aber immer fair und immer menschlich“, sagt er über Werner Vick.

Werner Vick in seiner aktiven Zeit – beim Schuhe putzen. (Foto: Archiv)
Werner Vick in seiner
aktiven Zeit – beim Schuhe
putzen. (Foto: Archiv)

Manfred Rauno, 72 Jahre alt, erinnert sich an ein Match in Schöningen am Himmelfahrtstag: „Zur Pause lagen wir weit hinten. Dann kam Werner Vick in die Kabine und fragte ganz ruhig: „Wollte ihr nach dem Spiel noch Vatertag feiern oder nicht?“ Rauno: „Am Ende haben wir das Spiel noch umgedreht.“

Sigrid Berndt aus Embsen, die von 1976 bis 1981 mehr als 111 Länderspiele für Deutschland absolvierte, lernte Werner Vick als Bundestrainer kennen. „Einen so menschlichen Trainer wie ihn habe ich nie wieder erlebt“, erinnert sich Berndt, die in dieser Zeit im Verein bei Bayer Leverkusen spielte. Ein Perfektionist sei Vick gewesen. „Wenn du eine 80-prozentige Chance zum Torwurf hast, dann warte, bis du eine 95-prozentige hast“, habe Vick gesagt.

Berndt (64) erinnert sich an eine Länderspielreise nach Schweden. „Wir kamen sehr spät an unserem Hotel an, es gab nichts mehr zu essen für uns.“ Was machte der Bundestrainer? „Er stellte sich in die Küche und bereitete etwas zu essen für uns zu.“

Von Ingo Petersen

2 Kommentare

  1. Wolfgang Ullrich

    Hallo Familie Kutzik,

    habe mit Interesse den Artikel in der Lanedezeitung gelesen.
    Der Handballverband Niedersachsen versucht die Handballgeschichte aufzuarbeiten.
    Wir wollen auf das Verbandsjubiläum 2022 hinarbeiten und sind an allen Daten, Fakten und Zeugen interessiert.
    Ich als Ehrenpräsident bin Miotglied der AG zur Verbereitung.
    Vielleicht können wir einmal Kontakt aufnehmen und uns austauschen.

    Herzlichen Dank vorab

    Wolfgang Ullrich
    31089 Duingen
    05185 6335
    01708139445