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Verkaufsfertig abgepackte Marihuana-Beutel stellte die Polizei bei einer Durchsuchung sicher. Foto: A/polizei

Vater und Sohn als Dealer-Duo

Lüneburg. Der Vater hatte nichts gelernt: Wegen eines exakt gleichgelagerten Falles war er bereits ein Jahr zuvor zu einem Jahr und fünf Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden, die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Er hatte in der Küche seiner Kaltenmoorer Wohnung Marihuana an Endabnehmer verkauft. Nach dem Prozess machte er munter weiter und wurde am 10. November 2016 erneut erwischt – und zusammen mit seinem Sohn festgenommen, der die Geschäfte übernahm, wenn sein Vater nicht da war. Jetzt verurteilte die 1. Große Jugendkammer den heute 51 Jahre alten Vater zu zwei Jahren und acht Monaten Haft wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln, sein Sohn erhielt eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der 22-Jährige muss zudem 200 Stunden gemeinnützige Arbeit absolvieren.

Die Polizei hatte die Wohnung an der Theodor-Heuss-Straße observiert und dann im November 2016 durchsucht und dabei rund 450 Gramm Marihuana sichergestellt, zum großen Teil verkaufsfertig abgepackt in 237 sogenannten Klemmleistenbeuteln. Einige der Beutel fanden die Polizisten eingepackt in zwei Gefrierbeuteln im Kleiderschrank im Schlafzimmer, andere Beutel lagen in Plastiktüten in der Mikrowelle. In einer Schublade unter der Mikrowelle lag eine Taschenlampe mit Elektroschockfunktion, die aber nicht funktionstüchtig war.

Marihuana-Konsum wurde über den Verkauf von Drogen finanziert

Der Prozess war eine Neuauflage, bereits im März 2017 wurde der Vater wegen dieser Geschichte zu drei Jahren Haft, der Sohn zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Sie gingen in die Revision, der Bundesgerichtshof sah Verfahrensfehler, sodass sich nun eine andere Kammer mit dem Fall beschäftigen musste. Und die schraubte die Strafen herunter. Beim Vater – der seit seiner Festnahme am 11. November 2016 in Untersuchungshaft sitzt – allerdings nur geringfügig, da er bereits elf Vorstrafen aufweist, immer wieder beging er Diebstähle und handelte mit Drogen.

Er nannte als Motiv seinen eigenen Marihuana-Konsum, den habe er über den Verkauf von Drogen finanziert. Dass er aber täglich sieben bis zehn Gramm konsumiert haben will, glaubte ihm das Gericht nicht. Die Vorsitzende Richterin Sabine Philipp sagte: „Eine exorbitant hohe Menge. Das wäre mit den Sozialleistungen, von denen Sie leben, nicht zu finanzieren gewesen. Und der Gewinn bei den Drogengeschäften war auch nur gering.“

Frühzeitiges Geständnis

Der Vater kam 1991 aus dem Libanon nach Deutschland, besuchte seine Heimat aber jedes Jahr für mehrere Monate. Die Anklage ging davon aus, dass sein Sohn ihn zuletzt bei den Deals vertrat. Das Urteil bezieht sich lediglich auf den Tag der Wohnungsdurchsuchung und sah bei dem 22-Jährigen einen minder schweren Fall. Für ihn sprachen sein frühzeitiges Geständnis und ein bis dahin geradliniger Lebensweg, einschlägige Vorstrafen hat er nicht.

Von Rainer Schubert