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Unbekannte haben in Soltau zwei Bundeswehr-Lastwagen angesteckt. Ob es sich um einen Brandanschlag mit politischem Hintergrund handelt, prüft der Staatsschutz. (Foto: wu)
Unbekannte haben in Soltau zwei Bundeswehr-Lastwagen angesteckt. Ob es sich um einen Brandanschlag mit politischem Hintergrund handelt, prüft der Staatsschutz. (Foto: wu)

Anschlag auf Fahrzeuge der Bundeswehr in Soltau

Soltau. Von vorn sehen sie intakt aus. Doch an der Seite ist der Schaden an den beiden Bundeswehr-Lastwagen deutlich zu sehen: kaputte Reifen, herabhängende, von Feuer zerstörte Stahlteile. Dazu ein leichter Rauchgeruch in der Luft. Eine „antimilitaristische Gruppe“ hat sich dazu bekannt, in der Nacht zu Dienstag einen „Brandanschlag auf Bundeswehrfahrzeuge in Soltau“ verübt zu haben. Es handele sich um einen Teil der Kampagne „fight4afrin“, um Solidarität mit den „kämpfenden Revolutionären“ in der syrischen Stadt zu zeigen, heißt es in einem Dienstagnacht im Internet veröffentlichten Bekennerschreiben.

Die beiden Lkw standen – zusammen mit 13 weiteren Bundeswehr-Lastwagen – auf einem Werkstattgelände im Soltauer Gewerbegebiet Carl-Benz-Straße. Es ist umzäunt und teilweise mit Stacheldraht gesichert. Nach Polizeiangaben wurde ein Lkw angesteckt. Das Feuer griff auf den benachbarten knapp einen Meter entfernten Laster über. Der Brand wurde gegen 4.30 Uhr entdeckt.

Die „antimilitaristische Gruppe“ bekennt sich dazu, die Bundeswehrfahrzeuge „bewaffnet mit Molotowcocktails angegriffen und abgefackelt“ zu haben. Das soll ein „direkter Eingriff in die deutsch-türkische Kriegsmaschinerie“ sein. Denn die türkische Armee setze auch hunderte Fahrzeuge aus ehemaligen Bundeswehrbeständen ein.

Staatsschutz ermittelt

Laut Polizeisprecher Olaf Rothardt ermittelt der Staatsschutz, prüft auch das Bekennerschreiben und seine Authentizität. „Es passt nicht zum Spurenbild“, sagt Rothardt. Ein Zusammenhang mit anderen Taten werde geprüft. Wie die Täter den Lkw angezündet haben, wie sie auf das Werkstattgelände gelangt sind, „das ist Täterwissen“. Der Pressesprecher will deshalb keine weitere Details erläutern. Ob die Täter, wie bei den Autobränden in Soltaus Innenstadt 2016 Grillanzünder auf die Reifen gelegt haben, will Rothardt ebenfalls nicht weiter kommentieren.

Die „antimilitaristische Gruppe“ will die Kampagne „fight4afrin“ fortzusetzen und ruft zu weiteren Anschlägen auf: „Wir rufen auch weiterhin dazu auf, den deutschen Militarismus hier anzugreifen und den Kriegstreibern in den Rücken zu fallen“, heißt es in dem Bekennerschreiben. Die Polizei wiederum ruft Zeugen dazu auf, sich unter (05191) 93800 zu melden. Und wie will sie auf den Aufruf reagieren und mögliche Anschläge beispielsweise auf das Werkstattgelände verhindern? „Wir reagieren darauf“, sagt Rothardt äußert einsilbig. Wie? „Mit Maßnahmen.“

Kurdenkonflikt

Bundesweit Anschläge

Unter der Überschrift „fight4afrin“, Kämpft für Afrin, hat es in den vergangenen Tagen bundesweit Gewalt unter anderem gegen türkische Einrichtungen und Moscheen in Deutschland gegeben.

Gegen die von Kurden bewohnte Stadt Afrin in Nordsyrien richtet sich eine Militäroffensive der türkischen Armee. Dieser Einsatz führt zu Konflikten zwischen Türken und Kurden auch in Deutschland. Anschläge hat es unter anderem in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein gegeben, Unbekannte haben zudem in der Nacht zu Dienstag in Celle mit Steinen die Scheiben eines Bundeswehr-Beratungszentrums sowie der CDU-Kreiszentrale eingeworfen und „fight 4 Afrin“-Schriftzüge hinterlassen. wu

Von Andres Wulfes

2 Kommentare

  1. Diese Aktion ist doch völlig bekloppt.
    Das ist so wie, würde ich radikaler Veganer sein und alle Nutztiere töten, damit kein Mensch mehr Fleisch essen würde.

  2. Andreas Janowitz

    Sykes-Picot ist sowas von tot?
    Aber es ist natürlich einfacher weiter über das nicht mehr existierende Syrien zu erzählen, als anzuerkennen, das der Irak schon in ein sunnitisches, schiitisches und kurdisches Gebiet hätte aufgeteilt werden müssen.
    Was die NATO und insbesondere die EU mit der YPG gemacht hat ist nur mit „Messer in den Rücken“ treffend zu beschreiben?
    Putin ist es letztenendes völlig egal was dort passiert, Hauptsache er behält seinen symbolischen völlig nutzlosen Stützpunkt.
    Die EU hätte mit Kurdistan einen neben Israel echten Verbündeten gewinnen können, anstatt dem Machtkampf zwischen Saudi-Arabien und der Türkei um das Kalifat raum zu geben, denn das wird ein ziemlich langer Krieg.