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Feldwebel Ronny Langer (r.) und seine Kameraden erkunden vor dem Brückenschlag die Gegebenheiten in der Elbe. Foto: kre

Pioniere gehen über die Elbe

Artlenburg. Feiner Nieselregen hüllt die Elbe in einen diesig-grauen Schleier: Dabei sind schon bei klarer Sicht Feldwebel Ronny Langer und seine Kameraden in dem olivgrünen Schlauchboot nur schwer auszumachen. Jetzt aber werden die Männer in ihren Flecktarn-Uniformen für Beobachter vom Artlenburger Ufer aus geradezu unsichtbar. Ihre Silhouette wird eins mit dem Grau des Wassers, verschwimmt mit dem dichten Feldgehölz auf der anderen Elbseite. Die Soldaten gehören zum Taucherzug der 3. Kompanie des schweren Pionierbataillons 901, das im sachsen-anhaltischen Havelberg stationiert ist. Gruppenführer Lange und seine Kameraden haben an diesem verregneten Morgen einen besonderen Auftrag: Auf ihrem Schlauchboot befindet sich das „WatAg“. Die Abkürzung steht für Wassertiefe-Aufnahmegerät. Und mit dem vermessen die Pioniere die Wassertiefe zwischen Artlenburg und Schnakenbek auf der gegenüberliegenden Elbseite.

Hintergrund dieser Aktion: Am Donnerstag wird die Bundeswehr bei Artlenburg wieder eine Brücke über die Elbe schlagen. Zuletzt fand eine solche Aktion an gleicher Stelle in großem Rahmen Anfang Dezember statt. Da waren es die Pioniere des amphibischen Pionierbataillons 130 aus Minden, die gemeinsam mit britischen Reservisten des 28th Amphibious Engineer Regiment den Brückenschlag über die 242 Meter breite Elbe vollzogen hatten. Mit dieser Aktion wurde der 40. Jahrestag der amphibischen Partnerschaft zwischen den Streitkräften Großbritanniens und Deutschlands gefeiert.

Faltschwimmbrücke besteht aus mehreren Abschnitten

Jetzt sind es 110 Pioniere aus Havelberg, die ihre Fähigkeiten beim Bau einer Kriegsbrücke auf der Elbe unter Beweis stellen werden. Verstärkt werden die Soldaten aus Havelberg durch 80 Kameraden der „105. Geniecompagnie“ aus den Niederlanden. Doch im Gegensatz zum Brückenschlag vor wenigen Monaten kommen dieses Mal keine Schnellschwimmbrücken Amphibie M3 zum Einsatz, sondern Faltschwimmbrücken.

Und das funktioniert so: Die Faltschwimmbrücke besteht aus mehreren Abschnitten (Pontons), die mithilfe eines Motorbootes auf dem Gewässer bewegt und gekuppelt werden, um damit anderen Fahrzeugen eine Überquerung des Gewässers zu ermöglichen. Die Pontons setzen sich aus je zwei miteinander verbundenen Innen- und Außenschwimmkörpern zusammen. Stehen im Einsatz nicht genügend Brückenteile zur Verfügung, kann die Faltschwimmbrücke mithilfe von Motorbooten auch im Fährbetrieb eingesetzt werden.

Auch unter Wasser aktiv

242 Meter breit ist die Elbe zwischen den Orten Artlenburg und Schnakenbek. 130 Meter können die Havelberger mit eigenem Gerät überbrücken, die Faltschwimmbrücken für die restliche Strecke bringen die Niederländer mit.

Zurück zum Einsatz von Ronny Langer und seinen Kameraden: Die sind nämlich nicht nur über, sondern auch unter Wasser aktiv: Als Taucher erkunden sie im fünf Grad kalten Wasser der Elbe die Ein- und Ausfahrten nach möglichen Hindernissen. Und für ihre niederländischen Taucherkameraden haben die Havelberger Froschmänner noch eine ganz besondere „Überraschung“ vorbereitet: Die Niederländer müssen zuvor noch ein Hindernis – bestehend aus einer S-Drahtrolle – bergen, die die Havelberger in der Elbe plaziert haben. Denn im Ernstfall – und der wird im Rahmen dieses Manövers simuliert – müssten die Taucher die Ein- und Ausfahrtstellen auch nach Sperren und Hindernissen absuchen.

Von Klaus Reschke

Sperrung der Elbe

Die Artlenburger Bevölkerung wurde bereits mittels Info-Blatt über den bevorstehenden Brückenschlag informiert. Von 11 bis 14 Uhr ist der Brückenschlag geplant. In dieser Zeit wird die Elbe für den Schiffsverkehr gesperrt.

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Zu Fuß über die Elbe