Aktuell
Home | Lokales | Der harte Job im Knast
Ein Blick in einen Zellentrakt der Justizvollzugsanstalt am Lüneburger Markt. Auch hier fordern Bedienstete attraktivere Arbeitsbedingungen und eine bessere Bezahlung. Foto: be

Der harte Job im Knast

Lüneburg. Die Aufgaben nehmen zu, die Besoldung liegt im Vergleich mit anderen Bundesländern am unteren Bereich, wer an Niedersachsens Grenze zu einem anderen Bundesland lebt, sucht sich eine neue Stelle eben dort, und Nachwuchs ist kaum noch zu finden. So skizziert Uwe Oelkers die Situation der fast 3000 Vollzugsfachwirte in Niedersachsen und die der rund 900 Psychologen, Sozialarbeiter, Juristen und Mediziner in den Justizvollzugsanstalten, 30 Prozent der Bediensteten sind Frauen. Der Landesvorsitzende des Verbandes Niedersächsischer Strafvollzugsbediensteter (VNSB) kam jetzt auf Einladung des Lüneburger Ortsverbandsvorsitzenden Detlev Gebers in die Hansestadt und klagte das Leid der Kollegen Andrea Schröder-Ehlers, rechtspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion.

Gerade erst hatte Justizministerin Barbara Havliza bei ihrem Antrittsbesuch beim Oberverwaltungsgericht in Lüneburg erklärt, dass bis 2022 rund 250 neue Stellen für Richter und Staatsanwälte geschaffen werden sollen, Zahlen fürs Gefängnis-Personal nannte sie nicht.

Lüneburger Anstalt kann 50 U-Häftlinge unterbringen

Oelkers kennt die Probleme der Mitarbeiter auch in der Lüneburger Abteilung der Justizvollzugsanstalt Uelzen mit 50 Haftplätzen: „Die Gefängnisse sind sehr voll. In jüngster Zeit sind zusätzliche Aufgaben hinzugekommen.“ Als Beispiel nennt er das, was politisch als „familienfreundlicher Strafvollzug“ gilt: „Unter anderem gibt es mehr Besuchszeiten, zudem einen Familientag, an dem sich die Bediensteten auch mit den Familien der Inhaftierten beschäftigen müssen.“ Hinzugekommen sei auch das „Übergangsmanagement“: „Die Bediensteten bereiten Häftlinge vernünftig auf deren Entlassung bevor.“ Auch gehöre das Bewachen von aktuell 40 sogenannter Sicherheitsverwahrten zu den neuen Aufgaben: „Jedem steht ein begleiteter Ausgang pro Monat zur Verfügung – das bindet Personal.“ Und mittlerweile seien auch IS-Terroristen in den Anstalten untergebracht.

Zur Bezahlung sagt Oelkers: „Wird die Besoldung nicht geändert, gibt es dramatische Probleme, Personal in die JVAs zu bekommen. Niedersächsische Bedienstete wandern bereits in Gefängnisse in andere Bundesländer oder in die Privatwirtschaft ab.“

Auch für Ärzte ist der Anstaltsdienst unattraktiv

In Niedersachsen wird im Gegensatz zu einigen anderen Ländern kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld mehr bezahlt. Die Mehrheit der schichtdienstleistenden Kollegen sind in Besoldungsgruppe A7. Ein Bediensteter, 32 Jahre alt, erhält brutto 2473,70 Euro. Dazu gibt‘s eine allgemeine Stellenzulage von 20,09 Euro sowie eine Justizvollzugszulage von 95,53 Euro. Zudem gebe es noch eine Zulage bei „Diensten zu ungünstigen Zeiten“. Nachwuchsprobleme sieht der Landesvorsitzende aber auch in anderen Bereichen: „Wir bekommen keine Ärzte mehr. Einige Anstalten schließen bereits teure Verträge mit niedergelassenen Ärzten ab, die dann in die Justizvollzugsanstalten kommen. Einige Inhaftierte kommen auch in Kliniken, dafür muss Bewachungspersonal gestellt werden – das fehlt dann in den Gefängnissen.“

Zu den Problemen zählt Oelkers auch „das veränderte Klientel“ mit der wachsenden Zahl drogen- und alkoholabhängiger sowie psychisch kranker Gefangener und Flüchtlinge. Das Leben hinter Gittern sei rauer geworden. Hier nennt er Inhaftierte aus Nordafrika, die Anweisungen von weiblichen Bediensteten nicht folgen, die Frauen anpöbeln und vor ihnen ausspucken würden: „Mir ist auch schon von Entblößungen vor Kolleginnen berichtet worden.“

Von Rainer Schubert

Hintergrund

Der Vollzug in Zahlen

Niedersachsen verfügt über 13 Justizvollzugsanstalten. Die größte ist die JVA Lingen, dort können mehr als 800 Gefangene untergebracht werden. Lüneburg mit seinen 50 Haftplätzen ist eine der kleinsten Haftanstalten und ein reines Untersuchungshaftgefängnis. 2015 waren rund 4770 Personen inhaftiert, 2000 waren es noch rund 6550. 82 Prozent der Gefangenen verbüßen Freiheits- oder Jugendstrafen. 14,1 Prozent sind Untersuchungsgefangene und 0,1 Prozent Abschiebungsgefangene. Etwa 25 Prozent aller Gefangenen sind Ausländer. Der Anteil weiblicher Gefangener liegt bei 5,1 Prozent.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor ist der Strafvollzug. 235 Millionen Euro für Personal sowie Sach- und Dienstleistungen fließen in den Wirtschaftskreislauf. Die Überschüsse der Arbeitsbetriebe der Anstalten gehen in den Landeshaushalt. Dadurch wird ein Teil der Kosten für den Vollzug ausgeglichen.

9 Kommentare

  1. Die Lebenspartnerin eines JV Beamten

    Ich glaube, Herr Schubert schreibt nur was ihm erzählt wird und Herr Oelkers war noch nicht in der JVA Sehnde …“ Frauen anpöbeln und vor ihnen ausspucken “ ist dort wohl noch das kleinste Übel. Die extremen (fast täglichen) Gewalttätigkeiten gegenüber Bediensteten, die vielen Selbstverletzungen und die daraus erforderlichen Einsätze zur Verbringung in sogenannte „BgH’s“ werden natürlich nicht erwähnt. Allein die fast chronische Unterbesetzung durch Personal (selbst in sensiblen Bereichen wie z.B. einer Psychiatrischen Abteilung) und die damit einhergehende Gefährdung und und die entstehenden Überstunden der (noch) dort arbeitenden Bediensteten sollten eine angemessene (!) JV-Zulage, insbesondere für den mittleren Dienst, rechtfertigen.

    • Aha, „Andreas“, gestern haben Sie noch als CNC-Fräser auf einer Bohrinsel im Persischen Golf gearbeitet und heute sind Sie schon die Lebenspartnerin eines JV-Beamten?

      Ist es nicht viel eher so, dass Sie sich auch hier wieder auf die Märchen von Lutz Bachmann stützen, der als verurteilter Serienkrimineller in den Sparten Einbruch, Raub und Drogen ja massenhaft einschlägige Erfahrungen als „Gast“ in solchen Einrichtungen besitzt?

      • Hallo Uta, haben Sie genauere Infos (Arbeitsbelastung JVA Beamte, Nationalität der Häftlinge, Vorkommnisse in den JVAs, …) über das Thema ? Dann lassen Sie uns bitte teilhaben, damit diese Vorurteile ein- für allemal aufhören. Danke

  2. Danke LZ, dass so ein Artikel auch veröffentlicht wird.
    Mein Bekannter arbeitet im Strafvollzug und erzählt unfassbare Geschichten, die wunderbar jedem LinkenGrünenWähler, jeden Tag erzählt werden müssen.
    Insbesondere die Nordafrikanische Klientel spottet jeder zivilisatorischen Beschreibung.
    Was in dem Artikel jedoch als wichtige Info fehlt, ist der Prozentsatz nicht nur der Inhaftierten mit ausländischem Pass, sondern mit Migrationshintergrund. Dann sind die oben erwähnten 25% reine Makulatur.
    Nach meiner Information bewegt sich dieser in der Lüneburger U-Haftanstalt bei durchschnittlich deutlich über 60% (Ausländer + Deutscher Pass mit Migrationshintergrund).
    Bitte recherchieren, liege ich mit der erhaltenen Information richtig?

  3. ..
    ..
    .. wenn ich solch einen Schwachsinn lese :

    „Gerade erst hatte Justizministerin Barbara Havliza bei ihrem Antrittsbesuch beim Oberverwaltungsgericht in Lüneburg erklärt, dass bis 2022 rund 250 neue Stellen für Richter und Staatsanwälte geschaffen werden sollen, Zahlen fürs Gefängnis-Personal nannte sie nicht.!“

    … wie bitte ? neue Stellen geschaffen werden sollen ? Die offenen Stellen sind doch schon vorhanden, die meint wohl neue Richter und Staatsanwälte für die offenen Stellen hervorzaubern, aber dann weiß man doch schon genau im Voraus, daß am Ende dieser GROKO absolut nichts geschaffen und eingehalten wurde , kann ja auch nicht , man kann keine 250 Richter und Staatsanwälte herbeizaubern , diese benötigen ein Jurastudium und dann eine entsprechende Referendarzeit. Bei dieser derzeitigen miserablen Bildungspolitik einfach aussichtslos. Aber so ist es auch mit fehlenden Lehrern , Polizisten, Ärzten, Facharbeiter usw. usw. Wer diese Regierung wieder gewählt hat , sollte sich schämen.

    • Barharn

      Wer diese Regierung wieder gewählt hat , sollte sich schämen.

      diese regierung wurde nicht gewählt, sondern konstruiert. die zum beispiel spd gewählt haben, glaubten an den aussagen des bundesvorstandes der spd. ( wer hat uns verraten……..)
      Baharn ,beschweren sie sich bei dem bundespräsidenten.

    • Hallo André-Andy-Andreas-Sarah-Lydia Barharn, haben Sie es mitbekommen? Zu einem schweren Arbeitsunfall ist es am Freitag in Klein-Wehring beim Hinaufladen eines Datenpakets auf eine Plattform gekommen: Das zahlreiche Gigabyte schwere Paket löste sich aus der Verankerung und krachte gegen die Begrenzungspfosten des Servers, wodurch diese aus ihrer virtuellen Fundamentierung gerissen wurden und in einen dunkeln Schacht des Darkwebs hinabstürzten, aus welchem eine Bergung vorerst nicht mehr möglich schien (und sie ist nach Maßgabe der technischen Möglichkeiten tatsächlich nicht möglich; Anm.). Die Bevölkerung wurde vorsorglich in Alarm- bzw. Panikbereitschaft versetzt (Ausgabe von Panikmasken heute noch von 9-17 Uhr am Gemeindeamt).

      • Hallo Sven,

        ich finde wer Texte irgendwoher kopiert um hier einen „originellen“ Kommentar zu Verfassen, der sollte zu Wahrung seines Ansehens dieses auch klar und deutlich kenntlich machen.

  4. “ Die Bevölkerung wurde vorsorglich in Alarm- bzw. Panikbereitschaft versetzt (Ausgabe von Panikmasken heute noch von 9-17 Uhr am Gemeindeamt).“

    Denken Sie bei der Abholung an Ihre Lieben Daheim. Nicht das Sie wieder nur an sich denken.