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Seit 40 Jahren bringt Prof. Daniel P. Kohen Kindern bei, wie sie sich bei verschiedensten Krankheitsbildern selbst durch Hypnose helfen können. Foto: Anne Meyer

„Das ist keine Magie“

Lüneburg. Bei Hypnose denken viele gleich an einen Magier, der vor dem Gesicht seiner Testperson ein Pendel auf- und abschwingen lässt. Es ist der starre Blick, der tranceähnliche Zustand, die scheinbare Willenlosigkeit, die einen schaudern lässt. Dass all das aber nichts anderes als Bühnen-Hypnose und Entertainment ist, macht Prof. Daniel P. Kohen deutlich. Er gilt als Koryphäe, als einer der weltweit bedeutendsten Hypnotherapeuten für Kinder. Anlässlich der Eröffnung des Lüneburger Ausbildungsinstituts für Kinder- und Jugendlichenverhaltenstherapie war Kohen jetzt in der Psychiatrischen Klinik zu Gast, er hat Workshops gegeben und erklärt, wie Kinder sich durch Hypnose selbst helfen können.

Eine Methode, die jeder anwenden kann

Zu den Darstellungen aus Film und Fernsehen sagt er: „Das ist herabwürdigend und unethisch.“ Die klinische Hypnose sei davon gänzlich unabhängig zu betrachten, die Methode könne jeder anwenden. „Ich hypnotisiere niemanden, das ist keine Magie. Ich bringe Kindern bei, die Kraft, die in ihnen steckt, zu nutzen.“ Bei sehr jungen Patienten im Alter von zwei bis fünf Jahren lehrt Kohen den Eltern die Hypnosetechniken.

Kohen ist überzeugt, dass viele Mütter und Väter gar nicht wissen, dass sie schon längst hypnotisierend auf ihr Kind gewirkt haben. „Das ist schon das Singen oder im Arm wiegen, das Babys beruhigt.“ Sobald sie ein gewisses Alter erreicht haben und Erinnerungen, die sie beispielsweise stolz oder glücklich machen, bewusst anwählen können, sei die Selbsthypnose möglich, sagt der Entwicklungs- und Sozialpädiater. „Kinder wissen nicht, dass sie das können. In dem Status des Tagträumens, in Momenten, in denen sie vorgeben, jemand anders zu sein, können sie sich selbst helfen.“

Verschiedenste Krankheitsbilder sollen so behandelt werden können – auch chronische Erkrankungen wie Asthma. Mit Schmerzproblematiken, Migräne, Traumata oder Depressionen nennt Kohen weitere Beispiele. „Es geht aber auch um Bettnässen, Haareziehen oder Daumenlutschen.“

Nach Hypnose keine Kopfschmerzen mehr

Einem jungen Patienten, der jahrelang täglich unter chronischen Kopfschmerzen litt, hat Kohen die Hypnosetechniken beigebracht. „Nach mehreren Sitzungen waren die Schmerzen weg.“ Von Wundern möchte der Hypnotherapeut, der seit 40 Jahren praktiziert, nicht sprechen. „Das ist nichts Unnormales.“

Dr. Alexander Naumann, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, hat in den 90er-Jahren eine Ausbildung bei Kohen absolviert, dahingehend stets versucht, Fachleute nach Lüneburg zu holen, die Elemente der Hypnotherapie in den Klinikalltag einfließen lassen können. „Bei der Kindertherapie braucht es nur fokussierte Aufmerksamkeit, niemand verliert seinen Willen. Die Patienten sind immer noch da, sie sehen die Dinge bloß klarer“, sagt der Leiter des neuen Ausbildungs­instituts, das zum 1. April mit dem ersten Jahrgang startet. Es bietet der PKL erstmals die Möglichkeit, die Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten aus einer Hand anzubieten. Bislang konnte nur der praktische Teil in der Lüneburger Klinik absolviert werden.

Ausbildung dauert in Deutschland im Schnitt fünfeinhalb Jahre

Dr. Alexander Tewes sieht vor allem in der Dauer der Ausbildung einen Vorteil. „Bei uns ist man nach drei Jahren fertig, die Ausbildung dauert sonst in Deutschland im Schnitt fünfeinhalb Jahre mit einer Spannweite bis zu neun Jahren“, sagt der Leiter der Ausbildungsambulanz des neuen Instituts. 15 Plätze stünden für den ersten Durchlauf zur Verfügung, 14 seien bislang besetzt. Einmal im Jahr soll ein neuer Jahrgang in die Ausbildung starten, die insgesamt 1800 Stunden Praxiserfahrungen beinhaltet.

Von Anna Paarmann

Ausbildung

Kosten und Vergütung

Die Ausbildung zum Psychotherapeuten, der schwerpunktmäßig mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, gilt als sehr teuer. Einem Vergleichsportal zufolge soll sie beispielsweise an der Uni Bielefeld insgesamt 20.200 Euro, in Koblenz rund 15.000 Euro kosten. An dem neuen Lüneburger Institut soll die Ausbildung insgesamt 9000 Euro kosten, drei Jahre lang zahlen die zukünftigen Psychotherapeuten monatlich 250 Euro, im Gegenzug erhalten sie Vergütungen in Höhe von insgesamt 18.000 Euro zurück.

Dass die Kosten für diese Ausbildung in den verschiedenen Einrichtungen so unterschiedlich ausfallen, liegt daran, dass jedes Haus die Gebühren selbst festlegt. Ein Direktstudium gibt es bislang nicht, ein Master Psychotherapie soll aber in Planung sein.

Weitere Informationen zum neuen PKL-Institut unter www.lakiju-vt.de im Internet.