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Wollen Wirtschaftsförderer fit machen für die Digitalisierung: Dr. Maik Plischke (v.l.; Innovationsnetzwerk), Dr. Susanne Schmitt (NIHK), Staatssekretär Stefan Muhle und Monika Scherf (Amt für regionale Landesentwicklung). (Foto: t&w)
Wollen Wirtschaftsförderer fit machen für die Digitalisierung: Dr. Maik Plischke (v.l.; Innovationsnetzwerk), Dr. Susanne Schmitt (NIHK), Staatssekretär Stefan Muhle und Monika Scherf (Amt für regionale Landesentwicklung). (Foto: t&w)

Zwischen Glasfaser und Funkloch

Lüneburg. Im Internet sind nicht alle gleich. Während in den Metropolen mit Hochgeschwindigkeit gesurft wird, beklagen Privatleute und Firmen im Landkreis bei jedem endlos scheinenden Herunterladen von Daten das Leben im Breitband-Abseits. Land und Kommunen scheinen die Klagen gehört zu haben, wollen die Schlagzahl erhöhen. Der digitale Wandel als Herausforderung für kleine und mittlere Betriebe sowie für Wirtschaftsförderer war gestern das Thema einer Veranstaltung im Technologiezentrum Lüneburg. „Das ist als Startschuss des Amtes für regionale Landesentwicklung gedacht“, sagte die Landesbeauftragte Monika Scherf – neben dem Innovationsnetzwerk Niedersachsen eine der Initiatoren der Tagung. „Den Wirtschaftsförderern als Mittlern zwischen Wissenschaft und Wirtschaft soll aufgezeigt werden, welche Möglichkeiten die Digitalisierung für mittlere und kleine Firmen bietet.“

Viele Unternehmen in Niedersachsen seien darüber längst im Bilde, sagt Stefan Muhle, Staatssekretär im für die Digitalisierung zuständigen Wirtschaftsministerium. „Im nationalen Vergleich haben wir die Nase vorn. Und wir wollen auch vorn bleiben.“ Beispielhaft als digitale Vorreiter nennt Muhle die Bereiche Agrartechnologie, Landmaschinen und den Automobilbau.

Zwischen Landarzt und Animateur

In anderen Branchen erwacht man dagegen erst zögerlich aus dem Dornröschenschlaf, wie Dr. Susanne Schmitt, Hauptgeschäftsführerin des Niedersächsischen Industrie- und Handelskammertages, einschränkte: „In vielen Firmen aus Handel, Gastronomie und Dienstleistungen sind etliche Fragen noch nicht beantwortet. Das sorgt für Verunsicherung.“ Umso wichtiger sei die Rolle der Wirtschaftsförderer, die gestern zu Dutzenden mit neuen Ideen versorgt wurden, sie seien die „Scharniere“. Um eine Vorbildfunktion für Unternehmer erfüllen zu können, müssten sie allerdings auch „ihr digitales Profil schärfen“.

Dem Wissenstransfer bis aufs platte Land ist das 275 Einrichtungen umfassende Innovationsnetzwerk Niedersachsen verschrieben, dessen Vertreter Dr. Maik Plischke die Aufgaben der Wirtschaftsförderer irgendwo zwischen „Landarzt“ und „Animateur“ ansiedelte: „Wir wollen den Technologiekitzel im Unternehmen hervorlocken.“

Dass die Digitalisierung dem Mittelständler nicht nur ermögliche, sich an den globalen Markt anzudocken, sondern auch neue Belastungen nach sich ziehe, räumte Monika Scherf auf Nachfrage ein: „Mit dem ab Mai gültigen, verschärften Europäischen Datenschutzgesetz rollt eine Welle neuer Dokumentations- und Verarbeitungsverfahren auf die Betriebe zu.“

Finanzspritze für Unternehmen

Nicht viel später sollen Forschung, Wirtschaft, Verwaltung und Politik den „Masterplan Digitalisierung“ in Form gegossen haben, den sich die GroKo in Niedersachsen vorgenommen hat. Eine Milliarde Euro sollen Niedersachsen bis 2022 in eine Gigabit-Gesellschaft verwandeln. Ein Teil davon soll als „Digitalbonus“ auch als Finanzspritze bei den Unternehmen im Land ankommen, sagte Staatssekretär Muhle.

Die Vision ist ambitioniert. Dass sie im „Märchenzimmer“ des Technologiezentrums ausgebreitet wurde, wie der Raum laut Joachim Roemer vom Amt für regionale Landesentwicklung wegen des Blicks auf eine Hänsel-und-Gretel-Szene auf der gegenüberliegenden Häuserwand genannt wird, muss dabei keine Bedeutung haben.

Von Joachim Zießler