Dienstag , 18. September 2018
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Auf dem Gelände in Neu Wendischthun an der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern werden eine Kompostieranlage und eine Biogasanlage betrieben. Foto: t&w

Milch-Vernichtung ruft Kreis auf den Plan

Neu Wendischthun. Milchprodukte, die in einer Kompostieranlage entsorgt werden. Diese Nachricht in der Sonnabendausgabe der LZ sorgte nicht nur bei manchem Lese r für Empörung, sondern rief auch die Amtsveterinäre des Landkreises Lüneburg auf den Plan. Sie machten sich gleich zu Beginn dieser Woche auf den Weg, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. Das Ergebnis: „Dem Betreiber fehlt eine veterinärrechtliche Zulassung zur Verarbeitung tierischer Nebenprodukte“, erklärt Kreissprecherin Katrin Holzmann. Bevor die nicht beantragt und genehmigt ist, „dürfen dort keine weiteren Milchprodukte verarbeitet werden.“

Wie berichtet, hatte sich ein Bio-Milchbauer aus dem Bleckeder Ortsteil Neu Wendischthun beklagt, dass nur wenige hundert Meter neben seinem Bauernhof seit Monaten Arla-Biomilchprodukte vernichtet werden. Er selbst liefert täglich rund 2500 Liter Bio-Milch an die Arla-Molkerei und sagte: „Zu sehen, wie die Milch, die wir hier mühsam erzeugen, in rauen Mengen vernichtet wird, das ist bitter.“ Auf LZ-Nachfrage hatte das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg als zuständige Genehmigungsbehörde allerdings bestätigt, dass die Verarbeitung von Lebensmitteln in der Anlage in Neu Wendischthun rechtens ist.

Abstimmung mit dem Gewerbeaufsichtsamt

Wie diese Aussage zusammenpasst mit dem Ergebnis der Überprüfung durch den Landkreis Lüneburg, ließ sich bis Redaktionsschluss nicht aufklären. Sowohl die Leiterin des Gewerbeaufsichtsamt als auch ihre Vertreterin war nicht zu sprechen. Kreissprecherin Katrin Holzmann kündigte allerdings bereits an: „Wir stimmen uns bei dem weiteren Vorgehen in dieser Sache mit dem Gewerbeaufsichts­amt ab.“

Verantwortlich für den Betrieb der Kompostieranlage sowie der ebenfalls auf dem Gelände stehenden Biogasanlage ist die Agrarbioenergie Bleckede GmbH & Co.KG. Geschäftsführer Christian Saul hatte zuletzt angekündigt, die Verarbeitung der Milchprodukte einzustellen, um zu verhindern, dass die Krähen die Joghurtbecher auf den umliegenden Äckern verteilen. Auf eine erneute Anfrage zur fehlenden veterinärrechtlichen Zulassung wollte sich Saul nicht mehr äußern.

Saul betreibt neben den Anlagen in Neu Wendischthun noch mindestens eine weitere Biogasanlage in Brokenlande in Schleswig-Holstein, die 2004 wegen eines Gülle-Unfalls in die Schlagzeilen geraten war. Die Anlage in Neu Wendischthun gehörte bis 2012 der Hanseatische Humus Gesellschaft GmbH, nachdem das Unternehmen insolvent war, hatte Saul die Anlage übernommen.

von Anna Sprockhoff

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