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Pastor und Feuerwehrmann in einer Person: Dr. Jan Kreuch (Mitte) im Gespräch mit Ortsbrandmeister Henning Bergmann (l.) und dessen Stellvertreter Klaus-Dieter Reck. (Foto: kre)

Brandschützer in Gottes Diensten

Deutsch Evern. Den Gottesdienst früher beenden, weil die Sirenen mitten während der Predigt heulen? Das kann sich Dr. Jan Kreuch dann doch nur schwer vorstellen: Der 38-Jährige ist der neue Pastor in Deutsch Evern – und aktiver Feuerwehrmann. Wenn der Funkmeldeempfänger oder die Sirenen Alarm geben, dann sprintet auch der Gottesmann los – wenn er nicht gerade auf der Kanzel steht, um Gottes Wort zu verkünden.

Mit dem Diensteintritt von Kreuch in die Deutsch Everner Wehr bekommt der Wahlspruch der Brandschützer „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ für Ortsbrandmeister Henning Bergmann und seine Kameraden eine ganz aktuelle Bedeutung. Denn eine Nachfrage bei Kreisbrandmeister Torsten Hensel ergibt: Der Deutsch Everner Pastor ist derzeit der einzige Seelsorger im Landkreis, der auch aktiv Dienst als Feuerwehrmann leistet.

Aber geben ist eben seliger denn nehmen: So steht‘s schon in der Bibel geschrieben. Für den 38-jährigen Theologen war es daher geradezu eine christliche Verpflichtung, sich aktiv im Ort und in das Gemeindeleben einzubringen. Und wo kann man das auf dem Lande besser als bei der Feuerwehr?

Er will dem Dorf etwas zurückgeben

„Eine lebendige Kirchengemeinde lebt vom Ehrenamt und vom Engagement der Ehrenamtlichen. Da war es für mich selbstverständlich, dass ich als Pastor dem Dorf auch etwas zurückgeben will“, erklärt Kreuch seine Motivation, den Talar im Notfall gegen die Einsatzkleidung zu tauschen. In die Feuerwehr eingetreten ist der 38-Jährige bereits in Bendestorf. Hier wirkte er bis zu seinem Wechsel nach Deutsch Evern schon ebenfalls als Gemeindepastor. „Der Vater eines Konfirmanden hatte mich damals angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, mich in der örtlichen Wehr zu engagieren“, erinnert sich Kreuch. Der Seelsorger hatte Lust, absolvierte die Grundausbildung – und ist nun Feuerwehrmann.

„Ich bin nichts Besonderes, nur eine ganz kleine Nummer“, sagt bescheiden der Brandschützer in Gottes Diensten.

Die Entscheidung, Menschen nicht nur in seelischer, sondern auch in körperlicher Not zu helfen, hatte Feuerwehrmann Kreuch vor gut drei Jahren gefasst – und seitdem auch schon einige Einsätze erlebt: „Nichts Dramatisches, zum Glück!“, sagt er: Er war dabei ,als Bäume von der Straße geräumt, Türen geöffnet oder kleinere Brände gelöscht werden mussten. Alle diese Einsätze, die er noch in der Uniform der Bendestorfer Freiwilligen Feuerwehr abarbeitete, endeten ohne Personenschaden.

Seit wenigen Wochen nun – mit Antritt als neuer Pastor in Deutsch Evern – ist Dr. Jan Kreuch Mitglied in der Deutsch Everner Feuerwehr.

Dass er seine Aufgabe ernst nimmt, hat er bereits unter Beweis gestellt. „Auch wenn mein Engagement in diesem Fall für Schmunzeln bei den Feuerwehrkameraden gesorgt hat“, berichtet der 38-Jährige. Immer mittwochabends findet nämlich ein Probealarm für die Funkmeldeempfänger statt. Das hatten Ortsbrandmeister Henning Bergmann und sein Stellvertreter Klaus-Dieter Reck ihrem neuen Feuerwehrkameraden auch mitgeteilt. Aber als an einem Mittwochabend das Gerät piepte, hatte der Pastor nur noch ein Ziel: Schnell zum Feuerwehrhaus. „Als ich mutterseelenallein vor verschlossenen Türen stand, fiel mir wieder ein, dass es sich nur um den Probe-Alarm handelte“, berichtet der Gottesmann schmunzelnd.

Vorerst steht der Pastor noch in der zweiten Reihe

Auch wenn Jan Kreuch noch keine Ausbildung zum Atemschutz-Geräteträger absolviert hat und deshalb etwa bei Wohnungsbränden nur in zweiter Reihe fungieren darf – beispielsweise beim Aufbau der Löschwasserversorgung – möchten Bergmann und Reck auf die Unterstützung ihres neuen Kameraden nicht mehr verzichten.

Erstens, weil Kreuch sich als Feuerwehrmann weiterbilden möchte. Etwa durch den Besuch eines Sprechfunk-Lehrgangs. Vor allem aber, weil der Pastor ein ausgebildeter Notfall-Seelsorger ist, der die Zusatz-Ausbildung „Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen“ absolviert hat. „Die Einsätze sind häufig belastend für die Kameraden. Da ist es gut, wenn es jemand in unseren Reihen gibt, mit dem man reden kann“, erklärt Ortsbrandmeister Bergmann.

Von Klaus Reschke