Donnerstag , 21. November 2019
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Der ehemalige Vizekanzler und ASB-Bundesvorsitzende Franz Müntefering (r.) zeichnet den scheidenden ASB-Kreisvorsitzenden Wolfgang Schurreit mit dem Ehrenkreuz in Gold aus. (Foto: ca)

Für den Lüneburger ASB geht eine Ära zu Ende

Lüneburg. 77 Jahre alt ist Wolfgang Schurreit am Freitag geworden. Der ehemalige Landrat bekam ein besonderes Geschenk für sein Engagement für den ASB Lüneburg als Kreisvorsitzender: Der ASB-Bundesvorsitzende Franz Müntefering verlieh ihm am Abend im Adendorfer Castanea-Hotel das Samariter-Ehrenkreuz in Gold. Müntefering war prominenter Gast und ist Parteifreund des Sozialdemokraten Schurreit: „Münte“ war SPD-Parteivorsitzender und Chef der Fraktion im Bundestag. Zu Schurreits Nachfolgerin wählten die Mitglieder bei ihrer Versammlung mit einer deutlichen Mehrheit Andrea Schröder-Ehlers, die bislang seine Stellvertreterin war.

Die Gratulantenschar war groß: Landrat Manfred Nahrstedt, Adendorfs Bürgermeister Thomas Maack, ASB-Landesvorsitzender Manfred Püster, dazu der DRK-Kreisvorsitzende Dieter Gerlach sowie die stellvertretende ASB-Landesvorsitzende und Lüneburger SPD-Landtagsabgeordnete Schröder-Ehlers bedankten sich mit kurzen Reden bei Schurreit für dessen Einsatz. 28 Jahre stand er dem ASB in Lüneburg vor, engagierte sich zudem auf Landesebene. Im Publikum saßen Vertreter anderer Hilfsorganisationen, der Polizei und aus der Politik – ein Zeichen der Wertschätzung. Denn eine Ära geht zu Ende.

Von einer Baracke zur mittelständischen Firma

Wolfgang Schurreit, von 1982 bis 2003 SPD-Landtagsabgeordneter und von 1991 bis 1996 Landrat im Kreis Lüneburg, blickte im Gespräch mit der LZ zufrieden zurück: „Als ich das Amt 1990 übernommen habe, hatten wir 1300 Mitglieder, jetzt sind es mehr als 15 000.“ Nicht nur das: Aus einer Baracke am Moldenweg habe man in den vergangenen Jahrzehnten ein soziales Unternehmen gemacht. Es gebe drei Tagespflegeeinrichtungen, dazu Rettungswachen: „Wir haben 120 Mitarbeiter, dazu Dutzende Ehrenamtliche, die in der Schnellen Einsatzgruppe mitmachen und bei Großschadenslagen wie bei den Elbehochwassern oder bei Unfällen zur Stelle sind.“ Inzwischen sei man eine mittelständische Firma mit einem Jahresumsatz von rund sieben Millionen Euro geworden.

In seiner Zeit als Landrat habe er mit anderen für neue Organisationsstrukturen im Rettungsdienst gesorgt. ASB und Rotes Kreuz rücken abwechselnd oder gemeinsam zu Unfällen und Krankeitsfällen aus, koordiniert von der Leitstelle des Landkreises: „Wir haben ein gutes Miteinander.“

Mehr Zeit für Familie

Schurreit hatte mit Herzproblemen zu kämpfen „und ich habe mein Alter. Es ist Zeit für einen Wechsel.“ Mit seiner Frau Eva will er mehr Zeit für die vier Kinder und vier Enkel haben und auch öfter ins geliebte Frankreich in die Provence fahren, wo die Familie ein Haus besitzt.

Den ASB sieht er bei Geschäftsführer Harald Kreft in und dem ehrenamtlichen Vorstand in guten Händen. Sie würden die kommenden Herausforderungen meistern. In einer älter werdenden Gesellschaft werde Pflege eine große Rolle spielen – ein Kernanliegen des ASB.

Verband hebt die Bezahlung an

Franz Müntefering sieht die Politik gefordert, die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern: „Löhne müssen wertschätzend angehoben werden.“ Auch um Menschen dafür zu gewinnen, in diesem Bereich zu arbeiten. Gleichzeitig unterstrich der ehemalige Arbeits- und Sozialminister die Bedeutung, der vielen, die sich engagieren: „Ohne die 20, 22 Millionen Ehrenamtlichen in Deutschland wäre das Land ein anderes.“

Andrea Schröder-Ehlers setzte sich bei einer Abstimmung gegen Wettbewerber Burkhard Bisanz durch und steht nun der Spitze des Kreisverbandes. Ein Thema war die Bezahlung der hauptamtlichen Kräfte. Da der ASB nicht tarifgebunden bezahlt, waren Mitarbeiter aus dem Rettungsdienst zu anderen Organisationen gewechselt – beispielsweise zahlte das Rote Kreuz besser. Inwischen wurde die Entlohung angeglichen.

Von Carlo Eggeling