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Menschen auf ihrem letzten Lebensweg an die Hand nehmen und sie begleiten, diese Aufgabe übernehmen die Ehrenamtlichen des Freundeskreises Hospiz mit großem Engagement. (Foto: Photographee.eu)

Menschen am Lebensende stärken

Lüneburg. Bis vor drei Jahren habe sie keine Berührung mit dem Thema Hospiz gehabt, sagt Rebecca von Brockhusen. Doch dann sprach sie Manon von Flotow, Vorsitzende des Lüneburger Freundeskreises Hospiz, an, ob sie sich nicht in der Begleitung von Menschen auf deren letzten Lebensweg engagieren wolle. „Gleich zu Beginn meiner Ausbildung zur ehrenamtlichen Begleiterin habe ich gemerkt: Das ist mein Ding. Denn man hat die Möglichkeit, Menschen diese Lebensphase so zu gestalten, dass sie Ruhe finden und leichter gehen können“, sagt die 54-jährige Scharnebeckerin. Rebecca von Brockhusen hat jetzt das Amt der Vorsitzenden von Manon von Flotow, die zwölf Jahre im Vorstand des Vereins, davon sechs Jahre als Vorsitzende, mit großem Engagement tätig war.

Zwei Hauptamtliche koordinieren die Einsätze

„Für mich ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die Arbeit im Freundeskreis Hospiz in jüngere Hände zu geben. Ich bin sehr beruhigt und zuversichtlich, dass Frau von Brockhusen als meine Nachfolgerin gefunden werden konnte“, sagt die 64-jährige Manon von Flotow, die weiter für den Verein im Einsatz bleibt und die neue Vorsitzende kommissarisch unterstützt, bis der zweite Vorsitz wieder besetzt ist.

Der Freundeskreis Hospiz wurde vor 24 Jahren gegründet, er zählt heute zu den größten ambulanten Vereinen mit einem umfangreichen Fort- und Weiterbildungsprogramm für Ehrenamtliche in Niedersachsen. Derzeit sind 80 Ehrenamtliche in der aktiven Begleitung, in der Trauerbegleitung sowie für den 24-Stunden-Telefondienst im Einsatz. Zwei Hauptamtliche koordinieren die Einsätze und machen die Erstbesuche.

„Wir wollen die Autonomie eines , begleiten ihn dort, wo er zu Hause ist“, sagt Rebecca von Brockhusen. Nationalität oder Religion spielen dabei keine Rolle. „Wir schenken Zeit“, ist die Haltung der Hospizler, wenn es darum geht, manchmal nur die Hand zu reichen, für ein Gespräch da zu sein, gemeinsam zu singen oder Angehörige zu entlasten. „Während die Palliativmedizin für die Schmerztherapie zuständig ist, sind wir für die psychischen und psychosozialen Ressourcen da. Denn gegen Einsamkeit oder Isolation, in die sich mancher zurückzieht oder geworfen sieht, sowie Angst kann man etwas machen, indem man für den schwerstkranken oder sterbenden Menschen da ist und seinen Bedürfnissen und Wünschen begegnet“, wissen die beiden Frauen aus Erfahrung.

Schulungskurs und Praktikum nötig

Um diese Arbeit leisten zu können, durchlaufen die Ehrenamtlichen einen neunmonatigen Schulungskurs, in dem theoretisches Grundwissen vermittelt wird wie auch die Haltung, sich auf immer neue Situationen einzulassen. Hinzukommt ein Praktikum. Der Lüneburger Freundeskreis Hospiz bildet auch viele Ehrenamtliche aus Winsen, Uelzen und Soltau aus.

„Sterben, Tod und Trauer sind natürliche Phasen des Lebens, die jeder erleben wird. Wir sehen die Auseinandersetzung damit auch als gesellschaftlichen Auftrag an“, sagt Manon von Flotow. In ihrer Zeit als Vorsitzende hat sie dazu Projekte für junge Menschen initiiert, die auf große Resonanz trafen. Zudem wurde eine Kochgruppe für Männer, die mit Abschied und Verlust leben müssen, auf den Weg gebracht, die über die Grenzen Lüneburgs Beachtung findet. Auch die Zusammenarbeit mit dem Lüneburger Klinikum wurde ausgebaut, durch Unterstützung des Freundeskreises konnte die Palliativstation auf acht Betten erweitert werden.

Finanziert wird die Arbeit ausschließlich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen. Wenn Rebecca von Brockhusen und Manon von Flotow über die Begleitung von Menschen auf ihrem letzten Lebensweg berichten, dann merkt man: hier geschieht etwas aus vollem Herzen. „Der Einsatz für Hospiz macht das Leben reich und man bekommt durch kleine Gesten der Dankbarkeit so viel zurück.“
Die 24-Stunden-Telefon-Hotline ist unter (04131)  731500 zu erreichen.

Von Antje Schäfer